Angela Merkel trifft König Salman
Angela Merkel und König Salman Bild © picture-alliance/dpa

Das ölreiche Saudi-Arabien gilt international als wichtiger Partner im Handel und im Kampf gegen den Terrorismus. Auch Deutschland pflegt lange diplomatische Beziehungen zu dem Land. Das wird vor allem von Menschenrechtlern kritisiert.

Im Kreis der wichtigsten Industrieländer ist Saudi-Arabien voll und ganz akzeptiert:  Schließlich ist das Land Mitglied der G20 – dem Club der mächtigsten Nationen der Welt.  Das Reich von König Salman gilt als einflussreich – mit guten Kontakten in die Länder des Nahen Ostens, auch dank der günstigen geopolitischen Lage am Persischen Golf.  

Deutschland unterhält schon seit über 60 Jahren diplomatische Beziehungen zu Saudi-Arabien. Im Frühjahr sagte Regierungssprecher Steffen Seibert bei einer Reise in die Hauptstadt Riad, Saudi-Arabien sei: "… ein wichtiger Akteur in der Region – ein ganz wichtiger Ansprechpartner bei allen Bemühungen um Konfliktbeilegungen. Und es ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Terror."

Vorwürfe von Menschenrechtlern

Dass Deutschland und andere Staaten ausgerechnet zu Saudi-Arabien so enge Beziehungen pflegen, wird von Menschenrechtsorganisationen immer wieder heftig kritisiert. Sie prangern das streng muslimische Land an – wegen Hinrichtungen, eingeschränkter Meinungsfreiheit und der Diskriminierung von Minderheiten. Und das sind nur einige der Vorwürfe.

Kritisiert wird Saudi-Arabien auch wegen seiner Beteiligung am Bürgerkrieg im Jemen. Dort führt das Land eine Militär-Koalition im Kampf gegen die Rebellen an. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr in diesem Krieg etwa 1.300 Kinder getötet oder verstümmelt. Die UN kritisierte, Saudi-Arabien bemühe sich nicht ausreichend um den Schutz der Kinder.

Deutschland verdient an Waffengeschäften

In Deutschland umstritten sind deshalb insbesondere die Rüstungsgeschäfte mit dem Land. Geschäfte über viele hundert Millionen Euro: vom Kampfhubschrauber bis zum Patrouillenboot. Zuletzt kündigte das Land an, zumindest keine Panzer mehr aus Deutschland kaufen zu wollen – und mehr Rüstungsgüter im eigenen Land zu produzieren.

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"Wir haben sehr strikte Exportrichtlinien für den Export von Waffen", sagte Kanzlerin Merkel (CDU) auf ihrer Reise nach Saudi-Arabien vor einem halben Jahr. "Das hat durchaus zum Teil zu einer Situation geführt, in der Saudi-Arabien in der Vergangenheit unsere Motive nicht verstanden hat. Insofern ist die Botschaft sehr wichtig, zu sagen: Wir können wirtschaftlich gut zusammenarbeiten. Auch in den ganzen anderen Bereichen von Digitalisierung bis Infrastruktur-Entwicklung."

Land im Umbruch

Insgesamt ging das Handelsvolumen beider Länder im vergangenen Jahr jedoch um fast ein Drittel zurück. Und zwar sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten – auf gut acht Milliarden Euro. Öl spielt dabei keine sonderlich große Rolle – nur ein Bruchteil des deutschen Imports kommt aus dem Golfstaat.

Langfristig will sich Saudi-Arabien ohnehin unabhängig vom Handel mit Öl machen. Das Land ist im Umbruch: Kronprinz Mohammed bin Salman stieß zuletzt eine Reihe von Reformen an. Dabei zeigt sich das Land interessiert an deutschem Know-How. Siemens hilft etwa dabei, die U-Bahn in Riad zu erneuern. Es kann sich also lohnen, mit Saudi-Arabien gut zu stehen – vor allem aus finanzieller Sicht.  

Sendung: hr-iNFO, 7.11.2017, 16.10 Uhr

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