Lanz
Bild © Nagel & Kimche

Lanz ist 14 und steckt mitten in der Pubertät. Verschiedene Nöte plagen ihn. Seine Gedanken und Erlebnisse hält er in einem Blog fest, der gewissermaßen der Roman ist. So ist der Autor ganz nah an seinem Protagonisten. Ein Buch, das hilft, die Welt von Heranwachsenden besser zu verstehen - lohnenswert, meint unser Bücherchecker.

Worum geht es?

Lanz ist 14 Jahre alt. Eigentlich will er nur einen Draht zu seiner Mitschülerin Lynn. Deswegen meldet er sich in der Projektwoche seiner Schule für einen Kurs im Bloggen an. Der wird zwar von einem Lehrer geleitet, den er gar nicht ab kann. Aber was macht man nicht alles, wenn man vierzehn ist und genau an das Mädchen ran will, das wie eine Göttin über den Schulflur schwebt und einen bislang nicht mal wahr genommen hat? Flurin Jecker erzählt in seinem Debütroman also die Geschichte eines Pubertierenden. Lanz, der Lanzelot heißt, hängt in der Luft, ist unsicher. Kein Kind mehr, noch kein Erwachsener. Verschiedene Nöte plagen ihn. Er hatte noch nie einen Kuss von einem Mädchen, geschweige denn Geschlechtsverkehr. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Eltern sich getrennt haben. Und dass beide nicht so wirklich Zeit für ihn haben, sondern mehr mit sich selbst zu tun haben. Nun sitzt er in der Schule im Projekt und weiß nicht, was er schreiben soll in seinem Blog. Verstohlen guckt er zu Lynn.

"Hey" sagte sie, als sie abhockte. Sie tat, als wäre sie ultra die Sekretärin, die gerade viel zu tun hat. Ich dachte, dass sie hundertprozent dachte, dass ich wegen dem Blog da war, weil ich ja jetzt schon schrieb, bevor überhaupt die Lektion angefangen hatte. Ich sagte dann so im Satz "Hey" zurück, dann schrieb ich weiter. Und das ist dann schon sehr behindert. Ich meine, ich will ja unbedingt mit ihr reden, tue dann aber so, als würde sie mich einen Scheiß interessieren. Lustigerweise hat sie die genau gleiche Taktik. Aber das heißt ja irgendwie, dass sie will, dass ich glaube, dass sie nichts von mir will. Und das ist doch ein gutes Zeichen, oder? (Zitat, S.39-40)

Leider kommt es anders. Lynn fährt nach dem Projekt gleich in den Urlaub, kommt nicht mal zur Abschlussparty. Lanz macht einen harten Schnitt. Er haut ab von zu Hause, fährt in die Schweizer Provinz zu Verwandten, rennt mit den Jugendlichen dort über die Felder, kifft und hat Spaß.

Wie ist es geschrieben?

Lanz schreibt in seinem Blog, was er erlebt und fühlt. Der Blog ist gewissermaßen der Roman. Flurin Jacker ist also ganz nah an seinem Protagonisten. Er schreibt nicht nur aus dessen Perspektive, auch in dessen Sprache. Die Grammatik entspricht nicht immer dem Duden, bei manchen Wörtern fehlen Silben. Manchmal ist unklar, ob Ausdrücke einem Schweizer Dialekt entstammen oder Verballhornungen aus der Jugendsprache sind. Manchmal irritiert das, aber interessant ist es allemal. Kommt wahrscheinlich darauf an, wie alt man selbst ist.

Wie gefällt es?

Mein jüngster Sohn ist 14 Jahre alt. Ich habe Salingers "Fänger im Roggen" gelesen und Herrndorfs "Tschick". Aber in Flurin Jeckers "Lanz" habe ich am ehesten die Welt meines jüngsten Sohnes wieder gefunden. Insofern habe ich in diesem Buch ein paar Momente wieder erkannt und ein paar Dinge besser verstanden. Und es hat mir Spaß gemacht, in diese Sprache einzutauchen, die nun wirklich ganz weit weg von meiner ist. Hat sich gelohnt.

Weitere Informationen

Flurin Jecker: "Lanz"

Verlag: Nagel & Kimche
ISBN: 9783312010226
128 Seiten
18,00 Euro

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