Oma Fritzsche mit Enkelin Anja Fritzsche 2 - Aufmacher
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„Wer weiß, wie lange Oma noch lebt“, dieser Spruch hat lange Anja Fritzsches Jugend geprägt. Heute lacht sie darüber, denn ihre Großmutter Maria hat vor kurzem ihren 108. Geburtstag gefeiert. Und sie ist mit ihrer eigenen Facebook-Seite eine kleine Berühmtheit im Netz.

Maria Fritzsche wurde 1909 in Essen geboren. Sie hat den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. erlebt, zwei Weltkriege, die Mondlandung und Erfindungen wie das Fernsehen und den Computer. Da war es für die rüstige alte Dame nur ein kleiner Sprung ins digitale Zeitalter. Das was ihre Oma auszeichne, sagt ihre Enkelin Anja Fritzsche, sei „dieses dabei sein wollen“ und „ja nicht stehen bleiben und mitkriegen, was heutzutage passiert“. So kam es, dass sie sich mit über 100 Jahren für die „Sprechanlage“ (Smartphone) ihrer Enkelin, das Internet und Social Media interessierte und mitmischen wollte. Alles, was man dazu braucht, brachte ihr die Kommunikationsdesignerin Anja Fritzsche in einem Crash-Kurs bei. Die Idee, als Enkelin-Oma-Duo eine eigene Facebook-Seite ins Leben zu rufen (Was macht eine 107 jährige heute“), ergab sich im vergangenen Jahr wie von selbst.

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Ihre Großmutter sei zunächst skeptisch gewesen, ob sich überhaupt irgendjemand für das Leben einer über Hundertjährigen interessiere, erzählt Anja Fritzsche. Doch binnen kürzester Zeit hatte Oma Maria mehrere tausend Fans im Netz und war überrascht von den vielen positiven Reaktionen. Viele amüsieren sich über ihre frechen Sprüche, andere sehen ein Vorbild in ihr. Sie sei ein Beispiel dafür, dass das Leben im hohen Alter Spaß machen könne, bekam sie von vielen zurückgemeldet. Anja Fritzsche wundert das nicht. Sie sagt über ihre Großmutter: „Meine Oma ist wie ein guter Witz, den muss man einfach weiter erzählen. Ich habe Oma gesagt: Das ist genau das, was die Leute interessiert, dein Alltag. Dass du zum Beispiel mit 106 nochmal den Leuchtturm in Mallorca besteigst, dass du überhaupt in den Flieger steigst, ist für die Leute etwas ganz Fantastisches.“

Besondere Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter

Ihre Oma Maria aus Rosenheim in Bayern lernte Anja Fritzsche erst mit 17 richtig gut kennen. Damals fuhren sie das erste Mal gemeinsam in den Urlaub und bemerkten die vielen Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. „Wir sind beide reiselustig, offen und spontan und haben den gleichen Humor.“ Damit war der Grundstein gelegt für eine besondere Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter. Als Anja Fritzsche vor dem Abitur stand, zog sie zu ihrer Oma, um sich in Ruhe auf ihre Prüfungen vorbereiten zu können. Damals war Oma Maria schon 88 – und hatte großen Spaß daran, ihre Enkelin zu bekochen und zu bespaßen. Denn ihre witzigen Sprüche, die sie später bei Facebook veröffentlicht hat, sind legendär. Im Gegenzug leistete ihr Anja Fritzsche Gesellschaft an langen Spielabenden.

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Buchtipp

Oma, die Nachtcreme ist für 30-Jährige!: Die unglaublichen Geschichten einer 107-Jährigen
von Anja & Maria Fritzsche
Ullstein
240 Seiten
ISBN: 978-3548377759

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Als Maria Fritzsche 99 war, zog ihr Sohn bei ihr ein, um ihr im Haushalt zur Hand zu gehen. Ansonsten war die alte Dame körperlich und geistig fit und sehr agil. Neben der Mutter-Sohn-WG auf der einen Seite wurde in der Familie mütterlicherseits eine weitere Zwei-Generationen-WG gegründet: Anja Fritzsches Mutter holte ihre eigene Mutter zu sich. Oma Mia ist heute 100 Jahre alt und leidet an Demenz.

Die Enkeltochter betätigt sich auf beiden Seiten regelmäßig als „Oma-Sitterin“ – ein ganz besonderes Mehrgenerationen-Modell, mit dem die Familie vielleicht ein Stück Zukunft vorlebt. Denn die Menschen in Deutschland werden immer älter, aufgrund einer besseren Gesundheitsversorgung und eines gesünderen Lebensstils steigt die Lebenserwartung. Die Folge: Die Zahl der Hundertjährigen nimmt zu. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 erhöhte sie sich laut Angaben der Human Mortality Database deutschlandweit von knapp 6.000 auf gut 13 000. Und der Trend wird anhalten: Von den heute geborenen Kindern haben schätzungsweise 28 Prozent der Mädchen die Chance, 100 Jahre und älter zu werden, bei den Jungen sind es sieben Prozent.

Bewegung, Sauna, eiskalte Duschen

Wie erreicht man ein so hohes Alter? Diese Frage wird Anja Fritzsche oft gestellt. Heute weiß man: Gute Gene sind wichtig, aber nicht alles. Viel entscheidender ist, wie wir leben. Und da hat die 108-Jährige offenbar alles richtig gemacht: viel Bewegung, ein wacher Geist und Unternehmungen mit Familie und Freunden. Ihre Oma habe zudem ihren Körper sehr gepflegt, sagt Anja Fritzsche: „Ihr Rezept war das Licht- und Luftbad, wie sie es immer genannt hat, also die Sauna.“ Hinzukommen eiskalte Duschen, um den Kreislauf anzuregen.

Seit kurzem lebt die alte Dame in einem Pflegeheim. Nach einem Autounfall hat sie schmerzhafte Verletzungen davon getragen und kann nicht mehr laufen. Auf dem letzten Foto, das ihre Enkelin auf der gemeinsamen Facebook-Seite gepostet hat, strahlt sie trotzdem über das ganze Gesicht.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 12.01.2018, 19:35 Uhr

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