Boris Palmer
Der Grünen-Politiker Boris Palmer Bild © picture-alliance/dpa

Schon der Titel ist für manche eine Provokation: "Wir können nicht allen helfen". Das Buch des grünen Politikers Boris Palmer zur aktuellen Asyldebatte ist ein Bestseller – über Inhalt und Autor wird heftig diskutiert.

Ein Blick auf die Facebook-Seite von Boris Palmer zeigt schnell, welche Emotionen das Buch des Grünen-Politikers freisetzt: "Für Ihre Ergüsse habe ich nur die Klorolle übrig", "die AfD ist harmlos dagegen", "hysterisches Geschrei". Palmer sitzt in seinem Büro im Rathaus von Tübingen und kommentiert kühl: Das sei "erwartbar" gewesen. Er äußere sich ja schon seit längerem in der Flüchtlingsdebatte. Und überhaupt müsse man in der Politik ein "dickes Fell" haben, sagt er in hr-iNFO Das Interview.

Audiobeitrag
Das Interview Symbolbild

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Das Interview mit Boris Palmer

Ende des Audiobeitrags

Jüngster Anlass für die scharfen Töne gegenüber dem Oberbürgermeister der knapp 90.000 Einwohner zählenden Stadt Tübingen in Baden-Württemberg ist sein Buch "Wir können nicht allen helfen". Die zentrale Aussage: Wenn wir in Deutschland unseren Wohlstand und unsere Freiheit erhalten wollen, müssen wir vielen Menschen, die zu uns wollen, genau das verwehren.

Keine neuen Positionen

Palmer verweist dabei vor allem auf seine Erfahrungen als Stadtoberhaupt von Tübingen. Seit zehn Jahren ist Palmer Oberbürgermeister. Er erklärt, wie schwer das Schaffen von Wohnraum sei, wenn plötzlich tausende Flüchtlinge untergebracht werden müssen.

Weitere Informationen

Buchtipp

Boris Palmer: "Wir können nicht allen helfen"
Siedler Verlag, 18 Euro
ISBN: 978-3827501073 

Ende der weiteren Informationen

Er warnt aber auch vor steigender Kriminalität, die mit den Flüchtlingen komme. Nicht, weil Asylbewerber grundsätzlich krimineller seien, sondern weil die monatelange Unterbringung in Massenunterkünften, fehlende Lebens- und Jobperspektiven, den Nährboden bilden würden für Straftaten wie zum Beispiel Drogenhandel oder Diebstahl, aber auch Sexualdelikte.

Hier müssten laut Palmer auch mögliche Lösungen ansetzen: Bauvorschriften müssten gelockert werden, damit Städte und Gemeinden schneller neuen Wohnraum schaffen können. Massenunterkünfte dürften nur kurz Übergangsstationen und keine Dauerlösungen sein. Eine weitere Idee Palmers: den Familiennachzug erleichtern. Das würde verhindern, dass junge Männer – nach wie vor die Mehrheit unter den Flüchtlingen und Asylbewerberrn– auf sich allein gestellt sind.

Palmers Positionen sind nicht neu. Das gleiche gilt für seine Forderungen, zum Beispiel nach einer konsequenteren Abschiebepraxis. Schon 2015 machte Palmer Furore, indem er dem "Wir schaffen das" der Kanzlerin entgegnete: "Wir schaffen das nicht!"

Seitdem ist der 45-Jährige in seiner Partei Bündnis 90/Die Grünen eine Reizfigur. Vor allem die Parteilinke wirft ihm vor, er lasse sich als "Kronzeuge" der AfD gegen die Grünen missbrauchen. Palmer hält dagegen: Missstände und Ängste zu ignorieren oder nicht zu thematisieren – das sei die eigentliche Hilfe für die AfD.

Es gehe ihm nicht um Aufmerksamkeit

Aber seine Kompromisslosigkeit hat Folgen - auch für ihn persönlich. Es gäbe "politische Freunde", die sich von ihm abgewendet hätten. Leute, mit denen er zehn, fünfzehn Jahre lang eng zusammengearbeitet habe. "Da tut’s dann wirklich weh", so Palmer.  Wenn er aber doch um die Brisanz seiner Positionen und Forderungen wisse, warum äußere er sich dann immer wieder zu dem Thema Flüchtlingspolitik? Braucht er die Aufmerksamkeit?

Weitere Informationen

Sendezeiten:

Mi, 23.8., um 19:35 Uhr
So, 27.8., um 10:05, 14:05 und 18:35 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Nein, darum gehe es ihm nicht. Aber wenn er das Gefühl habe, etwas laufe schief, dann müsse er das sagen. Da spiele es für ihn auch keine Rolle, dass eine Partei wie die AfD seine Äußerungen für sich vereinnahme. Das ärgere ihn – aber umgekehrt könne und wolle er sich gerade von der AfD auf keinen Fall diktieren lassen, was er sage und was nicht.  Bliebe noch die Alternative, sich ab und an zurückzuhalten. Da reagiert Palmer geradezu entrüstet: Nein, das sei nun gar keine Alternative. "Deswegen bin ich nicht in der Politik, um mich zurückzuhalten."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 23.8.17, 19:35 Uhr

Weitere Informationen

Das Interview...

...in der Übersicht
...als Podcast

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm