AfD Gauland
AfD-Vize Alexander Gauland Bild © Imago

Kurz vor dem Bundesparteitag der AfD in Köln hat der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland scharfe Kritik an Partei-Chefin Frauke Petry geübt. Es geht um den zukünftigen Kurs der Partei.

Nur vier Tage vor dem Parteitag der AfD („Alternative für Deutschland“) gibt ihre Vorsitzende Frauke Petry bekannt: Sie wird nicht als Partei-Spitze in der diesjährigen Bundestagswahl antreten. Nicht als Spitzenkandidatin, nicht als Teil eines Spitzenteam - da ist sich Petry sicher. Eine Nachricht, mit der wohl keiner gerechnet hatte. Auch nicht ihr Vize-Präsident Alexander Gauland - er bedauert den Rücktritt.

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„Ich glaube, dass die Parteivorsitzende in ein Spitzenteam gehört“, sagt er in hr-iNFO Das Interview. Einen klaren Grund kenne auch er nicht. Seine Vermutung: „Sie hat wohl das Gefühl, dass ihre alleinige Spitzenkandidatur auf dem Parteitag schwierig geworden wäre. Weil ja die Basis, der Konvent und die Landesvorsitzenden sich für ein Spitzenteam ausgesprochen haben. Das ist ein möglicher Weg von ihr zu sagen: Naja, wenn wir kein Spitzenteam haben, bin ich als Parteivorsitzende ja eh die Nummer Eins.“

Gaulands Angebot, mit ihr zusammen ein Spitzenteam für die Bundestagswahl zu gründen, habe die AfD-Chefin gleich ausgeschlagen. Gauland selbst kann sich als Teil eines Spitzenteams vorstellen: „Wenn sich der Parteitag für ein Team entscheidet, dann wäre ich aufgefordert dazu bereit, mitzuwirken - aber als alleiniger Spitzenkandidat will ich und kann ich nicht antreten.“

Petrys Teilung gebe es nicht in der täglichen Arbeit

Nicht nur Petrys Rücktritt wird Thema auf dem Parteitag am kommenden Wochenende sein, sondern auch zwei Anträge, die die AfD-Chefin gestellt hat. Frauke Petry will eine Entscheidung erzwingen, zwischen ihrem realpolitischen Kurs einer bürgerlichen Volkspartei, wie sie sagt, und einem Kurs der Fundamental-Opposition, den Alexander Gauland ihrer Meinung nach vertrete. Diese Trennung sei künstlich, sagt Gauland in hr-iNFO Das Interview. „Ich glaube, da bildet sie sich etwas ein, was völlig ohne Realität ist.“

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Do, 20.4., um 19:35 Uhr
Sa, 22.4., um 10:05 Uhr

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Petry habe jedoch, so Gauland, noch eine zweite Sache geplant, die es auf dem Parteitag zu diskutieren gelte: ein Antrag, der feststellen soll, dass in der AfD kein Platz für rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien sei. Das, so Gauland,sei aber „längst in der DNA der AfD so verankert“ – und zwar in den Leitlinien der Partei. Obwohl Gauland mit dem Inhalt übereinstimme, blicke er Petrys Antrag deshalb skeptisch entgegen: “Ich habe ein gewisses Problem damit, etwas zu beschließen und so zu tun, als gäbe es so etwas nicht, was wir seit der Gründung ganz klar formuliert haben.“ Außerdem habe gerade Petry jüngst dafür plädiert, den Begriff „völkisch“ wieder positiv zu besetzen. „Also müsste sie sich eigentlich von sich selbst distanzieren“, so Gauland in hr-iNFO.

Uneinigkeit in der AfD?

Petry sieht in ihrer Partei zwei auseinander driftende Richtungen. Gauland sieht diese Spaltung nicht. Petry will Leitlinien festlegen, die Gauland schon in ihrer Partei verankert sieht. Die AfD-Chefin will offenbar kein Spitzenteam für die Bundestagswahl, der Großteil der Partei schon. Einigkeit sieht anders aus. Gauland steht dennoch hinter seiner Vorsitzenden: „Sie ist gewählt worden und ich habe sie mit gewählt. Das hindert mich aber nicht daran, bei bestimmten Entscheidungen zu sagen: ‚Liebe Frau Petry, das verstehe ich jetzt nicht‘.“

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