Van Bo Le-Mentzel
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Van Bo Le-Mentzel verzichtet gerne auf Schnickschnack. Der Berliner Architekt hat ein Minihaus entworfen. Auf sechs Quadratmetern Grundfläche gibt es alles, was es zum Wohnen braucht. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig.

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Eine Wohnung für 100 Euro in einer deutschen Großstadt – für viele ist das ein unerfüllbarer Traum. Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel hat ihn umgesetzt mit seiner 100-Euro-Wohnung: Eine kleine Holzhütte mit wenig mehr als sechs Quadratmetern Grundfläche, montiert auf einen Auto-Anhänger. Und die Leute stehen Schlange, um darin zur Probe zu wohnen. Es gibt Bett und Tisch, Klo und Waschbecken, Kühlschrank und Herd. Reduziert auf das Nötigste wird in einem solchen Minihaus das Wohnen auf wenigen Quadratmetern möglich."

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Mi, 6.9., 19.35 Uhr & 21.30 Uhr
Sa, 9.9., 14 Uhr
So, 10.9., 10 & 18.30 Uhr

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Tiny Houses sind Detox für die Seele", sagt Le-Mentzel in Das Interview und lacht. Man müsse sich halt fragen, was man wirklich zuhause braucht. Waschsalon statt Waschmaschine, Kino statt Riesenfernseher. Das Minihaus zwingt zum neuen Denken – auch darüber, was im Leben wirklich privat sein soll und was öffentlich oder sogar gemeinschaftlich getan werden kann.

Tiny Houses
Minimalistisch, aber völlig ausreichend: Im "Tiny House" ist alles drin, was es zum Wohnen braucht. Bild © picture-alliance/dpa

"Die Stadt stirbt"

Natürlich kann man nicht mit einer Familie in ein Tiny House ziehen. Das weiß Le-Mentzel auch, der selbst mit Frau und zwei Kindern in einer Berliner Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Doch mit seinen Minihäusern will er zum neuen Nachdenken über das Wohnen anregen. "In unseren Städten gibt es so viele Räume, die wir nicht nutzen. Ganze Hochhäuser stehen leer, Büros und Läden stehen abends und nachts leer. Und je perfekter die eigene Wohnung wird, desto mehr ziehen sich die Leute aus dem öffentlichen Raum in ihren Kokon zurück. Die Stadt stirbt“, analysiert der Architekt. "In Vietnam zum Beispiel schlafen die Leute über ihrem Laden, da ist in den Straßen immer was los."

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Le-Mentzel ist überzeugt, dass Menschen eigentlich nomadisch veranlagt sind. "Wir sind nicht dazu gemacht zu sitzen, sondern zu gehen, voranzugehen", sagt er. Auch das will er mit seinen Tiny Houses möglich machen, die mit ihren  Rädern alle mobil sind. Le-Mentzel selbst kennt das Gefühl, auf der Flucht zu sein. In Laos geboren, kam er mit seinen Eltern als Flüchtlingsfamilie nach Deutschland. In Berlin machte er sich zunächst als Rapper "Prime" einen Namen, studierte später Architektur und entwickelte mit seinen billigen "Hartz-IV-Möbeln" zum Selberbauen das erste Projekt unter dem Motto "Konstruieren statt Konsumieren". Jetzt hat er das auch zum Prinzip des sparsamen Hausbaus gemacht und präsentiert bis Frühjahr 2018 mit Gleichgesinnten ein kleines Dorf aus Tiny Houses auf dem Gelände des Berliner Bauhausarchivs.

Tiny House
Auch in der kleinsten Hütte ist genügend Platz. Bild © picture-alliance/dpa
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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 6.9.2017, 21.30 Uhr

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