Dietmar Nietan und ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller
Dietmar Nietan und ARD-Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller Bild © hr

Er ist der Herr übers Geld bei der SPD, aber er ist auch ein "politischer Schatzmeister" mit klaren Ansichten: Dietmar Nietan ist ein enger Vertrauter von Parteichef Martin Schulz, was aber nicht heißt, dass er ihn und seine Fehler verklären würde.

Als Kind hat der 53-jährige Nietan sein Taschengeld gespart - für Modellflugzeuge und auch schon mal für die Bethel-Sammlung seiner Religionslehrerin. Jetzt muss er nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis bei der SPD sparen und stellt die Partei auf eine "neue Bescheidenheit" ein. Nietan versichert, natürlich könnte sich die SPD einen weiteren Wahlkampf leisten, falls es Neuwahlen gibt. Aber er sagt auch: "Eine Neuwahl wäre finanztechnisch gesehen absolut schrecklich, weil damit die Spielräume, in die Erneuerung der SPD zu investieren, noch kleiner würden und das wäre letztlich nicht gut für die Entwicklung der Partei."

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Auf eine Neuauflage der Großen Koalition hat Nietan persönlich wenig Lust, aber er findet, die SPD sollte jetzt auf jeden Fall ergebnisoffen mit der Union reden und eine GroKo nicht von vorne herein ausschließen. In den entscheidenden Parteitag von Donnerstag bis Samstag geht er "sehr angespannt, weil es eine Richtungsentscheidung wird: Gehen wir mit dem Offenhalten aller Optionen in die Gespräche mit der Union oder stellen wir uns selber ein Beinchen, indem wir uns Optionen jetzt schon verbieten und damit letztlich nur schwächer agieren können?"

Nietan setzt darauf, dass sich der Parteitag hinter die Linie von Martin Schulz und der übrigen Parteispitze stellt, aber er hat gerade in den letzten Wochen eins gelernt: "Am besten bereitet man sich vor, indem man mit dem Unmöglichen rechnet". Für den weiteren Weg fordert der Nordrhein-Westfale Geschlossenheit der SPD-Spitze ein. Kritik sei natürlich immer erlaubt - auch an Parteichef Martin Schulz. Aber die müsse dann in den Gremien auch offen geäußert werden. "Was nicht geht, ist eine Strategie nach dem Motto, jetzt setzen wir mal von außen Nadelstiche und machen Andeutungen, mal sehen, ob der Kollege nicht am Ende des Tages so genervt ist, dass er die Brocken hinwirft. Das ist nicht nur menschlich unanständig, sondern schädigt die Partei." Nietan ist sich sicher, dass die SPD nur eine Chance hat, wenn die Führung Team spielt. Er habe den Eindruck, sagt er, dass das inzwischen alle verinnerlicht haben.

Sendung: hr-iNFO, 6.12.17, 19:35 Uhr

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