Lars Reichow
Bild © Mario Andreya

Mit seinem seinem letzten Auftritt bei "Mainz bleibt Mainz" ist er zur Zielscheibe geworden: Er bekam Hassmails und Drohungen, nachdem er die AfD satirisch aufs Korn genommen hatte. Trotzdem tritt er auch in diesem Jahr wieder auf und will Haltung zeigen. Wir haben mit ihm über Courage, Donald Trump und sein neues Bühnenprogramm "Lust" gesprochen.

Lars Reichow arbeitet gerade an seiner neuen Büttenrede für die Mainzer Fernsehsitzung am 9. Februar. Und natürlich denkt er dabei an das, was im vergangenen Jahr passierte (siehe Video am Ende des Artikels, Anm. der Red.): "Es war eine sehr brenzlige Situation, es war alles sehr aufgeladen politisch", sagt Reichow. Er war nach seinem Auftritt in der Bütt im Internet wegen seiner kritischen Bemerkungen über die AfD beschimpft worden. Damals hatte der rheinland-pfälzische AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge noch während der Live-Sendung vorzeitig den Saal verlassen.

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Zwar habe er viele positive Reaktionen bekommen, erzählt Reichow, aber auch Hassmails, Beleidigungen und Drohungen. "Das geht dann bis zur Androhung von körperlichen Sanktionen." Verängstigt habe ihn das aber nicht, sagt der Kabarettist: "Man muss sich heute einfach wappnen und sagen: Im Internet sind viele Scheinriesen und viele Mutige, die aber gar nicht rausgehen aus dem Internet, um sich zu zeigen und dann sind sie auch nicht gefährlich."

"Wir müssen unsere Demokratie retten"

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Lars Reichow bei "Mainz bleibt Mainz"

Sendetermin: 9. Februar ab 20:15 Uhr [mehr]

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Lars Reichow lässt sich nicht einschüchtern, er will weiter machen und in seiner Büttenrede bei "Mainz bleibt Mainz" in diesem Jahr wie gewohnt Haltung zeigen und Klartext reden. Er habe sogar schon Nachfragen von AfD-Anhängern im Netz bekommen, berichtet er schmunzelnd: "Die haben mir geschrieben – na, wollen Sie uns dieses Jahr wieder verunglimpfen? Und dann habe ich gedacht, die können’s ja gar nicht abwarten. Ich weiß nicht, ob ich einen Vorabdruck meiner Rede schon mal ins Netz stelle für die AfD-Anhänger?" Und dann fügt er ernst hinzu: "Mir geht es auch da wieder nur um die Sache, dass man sagt: Wir müssen unsere Demokratie retten, wir müssen aufpassen, dass das ganze Gebäude nicht zerstört wird von Leuten, die daran sägen."

Zitat
„Wir müssen aufpassen, dass das ganze Gebäude nicht nicht zerstört wird von Leuten, die daran sägen.“ Zitat von Lars Reichow
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Der Mainzer Kabarettist, Entertainer, Moderator, Sänger und Pianist, der auch als "Klaviator" bekannt wurde, ist bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem renommierten "Deutschen Kleinkunstpreis". Vor kurzem wurde er mit dem "Courage-Orden" des Bürstädter Heimat- und Carneval-Vereins geehrt. Und zwar, weil er in seinen Bühnenprogrammen "immer wieder aufs Neue couragiert Missstände in Politik und Gesellschaft" aufgreife und Haltung zeige, heißt es in der Begründung des Vereins. Dieser Preis ist nicht irgendein Karnevalsorden, sondern es gibt eine lange Liste hochkarätiger Vorgänger. Die beiden letzten Preisträger vor Reichow waren Bestseller-Autorin Nele Neuhaus und der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach.

Courage zeigen bedeute für ihn nicht nur das Vermeiden von einem Wegschauen in der Gesellschaft und Zivilcourage in gefährlichen Situationen, sondern auch Haltung und Courage im politischen Sinne, sagt Reichow. Er habe sich persönlich verändert durch die aktuelle Situation und sich als Kabarettist weg von der reinen Entertainment-Schiene bewegt: "Ich sehe mich ein bisschen als politischen Akteur."

Es sollte erotisch werden - doch dann kam Trump ...

Das habe sich aber erst nach und nach entwickelt, denn er sei immer wieder zu bestimmten Themen gefragt worden und habe sich überlegen müssen, welche Haltung er vertritt. "Die politische Beteiligung, dieses Engagement kam erst langsam durch diese öffentliche Pflicht. Man kommt immer mehr in so ein Gefühl rein: Dazu muss ich mich auch äußern." Gerade aber in der Unterhaltungsindustrie gebe es viele, die zu bestimmten Themen keine Position beziehen und sich auch nicht festlegen wollten: "Natürlich: Wenn man sich politisch äußert, treibt man einen Keil in die Gesellschaft. Und im selben Moment teilt sich das Unterhaltungsmeer in zwei Wellen und die eine Hälfte findet das doof, was man sagt, und die andere Welle ist begeistert und fühlt sich angesprochen."

Auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm "Lust" erlebt man einen politisch engagierten Kabarettisten, der leidenschaftlich Position bezieht gegen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Er habe ursprünglich ein "hocherotisches Programm" schreiben wollen, erzählt Reichow, doch dann sei ihm die politische Entwicklung dazwischengekommen. Die Präsidentschaft Donald Trumps zum Beispiel, der Einzug der AfD in den Bundestag oder die mühsame Regierungsbildung in Deutschland.

Lars Reichow schafft es auf der Bühne immer wieder, privates geschickt mit dem politischen zu verbinden. Der ehemalige Lehrer möchte dabei aber auf keinen Fall "erzieherisch" rüberkommen: "Ich will meine Meinung klar äußern, ich will rumbrüllen auf der Bühne und vorführen, was ich mir überlegt habe. Das Publikum soll sich vielleicht in diesen Zeiten so ein bisschen politisch angestupst fühlen, dass man sagt: Überlegt euch bitte auch eine Haltung. Das ist mir egal welche, aber lasst euch nicht so treiben, wartet nicht ab, bis wir untergegangen sind."

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Lars Reichow auf Tour

Informationen zu Lars Reichows aktueller Tour "Lust" finden Sie hier.

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