Mariana Harder-Kühnel
Mariana Harder-Kühnel (AfD) Bild © hr

Vor 30 Jahren wäre sie noch in die CDU oder FDP eingetreten. Im Interview mit hr-iNFO spricht die Spitzenkandidatin der AfD darüber, warum sie Angst hat, eine Minderheit im eigenen Land zu werden und was sie Angela Merkel gerne mal fragen würde.

Als Spitzenkandidatin der hessischen AfD ist es gut möglich, dass Mariana Harder-Kühnel nach der Wahl im September in den nächsten Bundestag einziehen wird. Auf die Frage, was sie Angela Merkel gerne fragen würde, falls sie die Kanzlerin mal persönlich trifft, muss die Anfang 40-Jährige nicht lang überlegen: "Ich würde sie fragen, was sie sich dabei gedacht hat, als sie am 4.9.2015 die Grenzen geöffnet hat, was uns eine unkontrollierte Masseneinwanderung beschert hat." Harder-Kühnel ist sicher, das werde unserem Sozialstaat Probleme machen, die über Generationen nicht in den Griff zu kriegen seien.

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Sendetermin: Samstag (2.9.), 19:35 Uhr

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Im Gespräch mit hr-iNFO sagt die AfD-Politikerin, ein Staat müsse für sein Volk da sein. "Wir haben Probleme mit den Altparteien, weil sie in wesentlichen Schicksalsfragen am Volk vorbei regieren, eigentlich das Volk nicht mehr fragen." Aber wer ist eigentlich "das Volk", von dem AfD-Politiker so oft und gerne sprechen?

Mariana Harder-Kühnel
Mariana Harder-Kühnel im hr-iNFO-Studio mit Chefredakteurin Katja Marx und Landtagskorrespondent Christopher Plass Bild © hr

Die Antwort von Mariana Harder-Kühnel: "Das deutsche Volk sind alle deutschen Staatsbürger und jeder, der gelungen integriert ist." Gelungene Integration ist für sie, "wenn jemand loyal ist, wenn er die Sprache spricht und sich mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auseinandersetzt." Erst dann solle derjenige eingebürgert werden, sei dann Teil des deutschen Staatsvolks und gehört aus Harder-Kühnels Sicht dazu.

Herkunft spielt keine Rolle

Dabei will sich die erfolgreiche Rechtsanwältin und Mutter von drei Kindern nicht als Rassistin verstanden wissen. Ihren Kindern erkläre sie immer wieder, dass man auf den Menschen selbst schauen müsse und Herkunft keine Rolle spiele. "Jeder, der sich unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung anpasst, kann hier leben. Ist willkommen, wenn er seinen Lebensunterhalt selbst verdient, wenn er uns als Staat auch etwas bringt."

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Aber für Harder-Kühnel ist Integration eine Bringschuld. Sie nennt ihren Schwager aus Südamerika als Beispiel: "Innerhalb von einem Jahr hat er Deutsch gesprochen - und zwar so, dass er überall im Management ohne Probleme zurechtgekommen ist. Der hat seinen Lebensunterhalt selbst verdient, der wollte sich integrieren." Bei vielen Menschen, die aus dem islamischen Teil der Welt gekommen sind, sieht sie diesen Willen nicht.

"Habe Angst, dass wir zur Minderheit werden"

In hr-iNFO äußert Mariana Harder-Kühnel eine Befürchtung, die viele AfD-Mitglieder und Sympathisanten teilen: "Das Bild der verschleierten Frau ist fast schon Normalbild in Hanau und Offenbach. Und ich habe vor der Entwicklung Angst, dass es so normal wird, dass wir zur Minderheit werden und unsere Verhaltensregeln ganz unbewusst nach und nach anpassen. Das heißt ein Verlust von Freiheit und das möchte ich nicht."

Dennoch spricht sich die AfD-Politikerin im Gespräch mit hr-iNFO klar dafür aus, dass politisch Verfolgte weiterhin in Deutschland Asyl bekommen müssen. Allerdings ist sie ähnlich wie die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel der Meinung, dass es nicht im Grundgesetz verankert sein solle, sondern als einfaches Gesetz. Denn aus Sicht der AfD-Politikerin wird das Asylrecht derzeit missbraucht, um "wirtschaftliche Immigration in unvorstellbaren Massen zu ermöglichen." Und dafür sei unser Asylrecht nicht gemacht, so Harder-Kühnel.

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Interview-Reihe: "Macher, Menschen, Meinungsführer - Hessische Spitzenpolitiker zur Bundestagswahl"

In "Das Interview" haben wir in dieser Woche von Montag bis Samstag um 19:35 Uhr hessische Spitzenpolitikerinnen und -politiker zu Gast.

Montag: Nicola Beer, FDP
Dienstag: Volker Bouffier, CDU
Mittwoch: Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD
Donnerstag: Janine Wissler, Linke
Freitag: Tarek Al-Wazir, Grüne
Samstag: Mariana Harder, AfD

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