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Das Buch, das Martin Schäuble schon fertig in der Schublade hat, liest sich wie eine Blaupause des Falles Franco A.: Ein als Flüchtling getarnter Soldat plant einen Anschlag. Die Realität hatte seinen Roman "Endland" eingeholt.

Ein Bundeswehr-Soldat nimmt die Identität eines Flüchtlings an und verübt einen Anschlag. Solche perfiden Pläne kennen wir, seit Franco A. aufgeflogen ist. Demnächst erscheint ein Roman, der so einen Terroranschlag aus der rechten Szene beschreibt. "Endland" heißt das Buch, Martin Schäuble hat es geschrieben. Bemerkenswert ist, dass er das tat, bevor der Bundeswehrskandal bekannt wurde.

Schäubles Roman erscheint Ende Juli. In seinem Buch lässt er eine rechte Terrorzelle aus der Bundeswehr heraus einen Anschlag planen. Dafür nimmt ein junger Soldat die Identität eines Geflüchteten an. Erst auf einer Lesereise erfuhr Schäuble aus dem Fernsehen, dass seine Geschichte Realität geworden ist: "Ich habe das erst mal gar nicht so richtig ernst genommen, dann bin ich in’s Bett und dann machte es 'Plong' und ich merkte: Das ist jetzt tatsächlich passiert."

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Die Realität ist zu abstrus

Schäuble ist auch deswegen so erstaunt, weil es Franco A. in der Realität gelingt, sich als Syrer auszugeben, obwohl er die Sprache nicht spricht und erkennbar nicht aus diesem Kulturkreis kommt. Sowas hätte Schäuble seinen Lesern nicht vorsetzen wollen, sein Soldat tarnt sich als Ukrainer.

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Fr., 19.5. um 19:35
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Martin Schäuble, Jahrgang 1978, hat bislang vor allem Sachbücher veröffentlicht, er ist ein sorgfältiger Rechercheur. Auch für den Roman "Endland" hat er sich viel Zeit genommen: Er hat den Wahlkampf der AfD in Mecklenburg Vorpommern begleitet, hat Wähler und Wahlkämpfer getroffen und viele Gespräche geführt.

Unterwegs in Mecklenburg Vorpommern

"Alle meine Bücher basieren auf Recherchen vor Ort. Ich möchte wirklich die Menschen kennenlernen über die ich schreibe. Wieso sie zum Beispiel radikal geworden sind – oder wie sie das selbst nennen würden." Er hat zugehört, er hat einige Wochen in Mecklenburg Vorpommern gelebt und er hat die Parteiprogramme gelesen. Er war bei Kundgebungen dabei und hat die Sprache von Rechtspopulisten studiert.

Mit seinem Buch will Schäuble zeigen, wie sich Deutschland verändert, wenn Rechtspopulisten Ihre Programme umsetzen können. "Da stehen so viele Dinge drin, die müssen wir uns genau überlegen. Es geht mir da gar nicht so sehr um Wehrpflicht oder den Grenzschutz, sondern um all das, was man da mitwählen würde: Das traditionelle Familienbild – erzkonservativ, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Bevorzugung der Reichen, Privatisierung der Arbeitslosenhilfe, Abschaffung des Euro."

Bitte keine weiteren Parallelen

All das macht Deutschland zu "Endland", einem eingemauerten Land. Flüchtende werden Invasoren genannt, auf die geschossen wird. Einer radikalen Splittergruppe in der Bundeswehr geht all das aber nicht weit genug. Sie plant einen Anschlag – und genau da wird Schäuble von der Realität eingeholt. "Ich hoffe wirklich, dass der Fall um Franco A. die einzige Parallele zu meinem Roman bleibt und dass ich da nicht noch mehr voraussehe."

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