Meriem Lebdiri
Modest Fashion-Designerin Meriem Lebdiri Bild © Anadolu Agency

Meriem Lebdiri ist mit ihrem Label "Mizaan" international sehr erfolgreich. Modest Fashion steht für eine "zurückhaltende" Kleidung, die ihre Trägerin bedeckt. Ein Trend, der weltweit boomt.

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Vor wenigen Wochen hat Meriem Lebdiri an der bislang weltgrößten Modest Fashion Week in Dubai teilgenommen und ihre neue Herbst-/Winter-Kollektion für 2018 vorgestellt. Dort haben Top-Designer ihre aktuellen Entwürfe gezeigt: Roben wie aus Tausend und einer Nacht - lange fließende Gewänder, Kleider, Kaftans, Ponchos, Pluderhosen aus edlen Stoffen, zum Teil mit orientalischen Mustern bedruckt, mal indisch mal asiatisch angehaucht, kombiniert mit Tüchern und Schals um Hals und Kopf. Und das Ganze dekoriert mit ganz viel "Bling, Bling", erzählt Meriem Lebdiri. Eines ihrer bodenlangen Seidenkleider aus der neuen Kollektion wurde dabei auf Platz 4 der Top-Ten-Looks der Dubai Modest Fashion Week gewählt. 

Die 30-Jährige strahlt, wenn sie an die Shows in Dubai zurückdenkt, denn ihre "Mizaan"-Kollektion sei dort insgesamt sehr gut angekommen. Und dass, obwohl ihre Mode doch "sehr europäisch angehaucht" sei. Sie habe "normale" Stücke in erdigen Farbtönen in ihrer Kollektion – von Wintermänteln über Seidentuniken bis hin zu Volanthosen, aber kaum Abayas und Gewänder, die man im Modest Fashion Bereich sonst erwarten würde.

"Lust an der Verhüllung"

Modesty ist das englische Wort für Bescheidenheit, Zurückhaltung und Dezenz. Modest Fashion steht für eine Mode, die verdeckt und nicht enthüllt. Aber sie ist längst mehr als nur eine islamische Erfindung. Frauen tragen diese Mode nicht nur aus religiösen Gründen, denn Modest Fashion hat sich mittlerweile zu einem Mega-Trend entwickelt. Hochgeschlossen und lang ist für viele Fashionistas das neue Must-Have. Die "Vogue" spricht sogar von der "Lust an der Verhüllung".

Zwei dunkelhäutige Models mit organge-farbenen Kleidern aus der Mizaan-Modekollektion
Kleider aus der aktuellen Mizaan-Winterkollektion Bild © Selma Lebdiri - LEBDIRI STUDIOS

Meriem Lebdiri versteht Modest Fashion "als gemeinschaftliche Bewegung von jüdischen, muslimischen und christlichen Frauen, die einfach Spaß an Mode haben, und sich nicht unbedingt irgendwelchen Regeln unterwerfen wollen". Diese Mode werde von Frauen für Frauen gemacht, erklärt die junge Designerin. "Und da sind wir Frauen frei zu entscheiden, was für uns sein darf und was nicht.“ Manche Frauen entscheiden sich, zusätzlich ein Kopftuch zu tragen, was aber nicht zwingend sei. "Modest Fashion ist nicht entsprungen aus dem, dass die muslimische Frau jetzt herausbricht und aus sich herauswächst", sagt Meriem Lebdiri. "Wir sind schon immer selbstbewusst und wir entscheiden schon immer, was wir tragen. Nur haben wir heute mehr Möglichkeiten."

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Mi., 14.2. um 19:35 Uhr
Sa., 17.2. um 14:05 Uhr
So., 18.2. um 10:05 und 18:35 Uhr

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Modest Fashion sei auch keineswegs nur für die modebewusste Muslima mit Kopftuch gemacht. "Das ist überhaupt nicht so“, sagt Lebdiri, "es ärgert mich auch jedes Mal, wenn ich über mich lese: sie macht Mode mit Kopftuch – das stimmt überhaupt nicht. Natürlich schließe ich muslimische Frauen ein, aber ich schließe keine anderen aus. Ich mache Mode, die Brücken bauen kann.“  

Schwester Selma unterstützt seit Beginn

Die Zentrale ihres Unternehmens sitzt in der Pfalz in der Nähe von Mannheim. Ihre Mode lässt Meriem Lebdiri in Frankfurt beim Start-up-Projekt "Stitch by Stitch“ fertigen, eine Schneiderei-Werkstatt, in der geflüchtete Näherinnen ihre Fähigkeiten einsetzen können. Vielleicht möchte Meriem Lebdiri, die auch einen Lehrauftrag an der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Mannheim hat, damit auch etwas zurückgeben und andere Frauen stark machen. Denn die in Algerien geborene und in Deutschland aufgewachsene Designerin erinnert sich noch genau, wie schwierig es am Anfang für sie war, ihren Traumberuf zu leben.

Models mit Kleidern aus der aktuellen "Mizaan"-Kollektion
Lebdiri: "Natürlich schließe ich muslimische Frauen ein, aber ich schließe keine anderen aus." Bild © Selma Lebdiri - LEBDIRI STUDIOS

Immer wieder bekam sie zu hören, Kopftuch zu tragen und Modemacherin zu sein, passe gar nicht zusammen. Als sie 2012 ihre Firma gründete, fand sie zunächst keine Models und Fotografen, die für sie arbeiten wollten. Heute ist das anders. Damals sprang ihre Schwester Selma ein. Bis heute macht sie die Foto-Shootings, ist Creative Director und kümmert sich als Kommunikationsdesignerin um die "Mizaan"-Kampagnen.

"Unsere Gesellschaft ist bunt, auch wenn es viele nicht wahrhaben möchten"

"Mizaan" heißt auf Arabisch Gleichgewicht oder Balance. Meriem Lebdiri hat ihr Label so genannt, weil sie sich als junge Frau selbst habe ins Gleichgewicht bringen wollen, als sie angefangen habe, Kopftuch zu tragen. Damals hatte sie für sich keine passende Kleidung gefunden und ihre eigene Mode entworfen. Ihre Lehrer hätten sie gefragt, ob sie nicht mehr deutsch sein und nicht mehr dazu gehören wollte. Auch später war sie im Internet Vorwürfen ausgesetzt, sie wolle mit ihrer Mode Frauen abschotten und eine "Parallelgesellschaft" erschaffen. Das habe ihr anfangs zugesetzt, sagt Meriem Lebdiri, "aber wer mir zuhört, mich sieht, meine Kollektionen und Arbeit kennt, und die Erfolge, die ich bisher gefeiert habe, und immer noch der Meinung ist, dass ich unterdrückt bin oder für Parallelgesellschaften stehe, dem kann ich einfach nicht mehr helfen."

Models auf dem Laufsteg der Dubai Modest Fashion Week
"Mizaan"-Models auf dem Laufsteg der Dubai Modest Fashion Week Bild © Rooful

Ihre Mode sei für starke Frauen gemacht, betont Lebdiri. Der Erfolg gibt ihr recht: die Modest Fashion Designerin aus der Pfalz hat vor Dubai bereits zweimal an der Washington D.C. Fashion Week teilgenommen, wurde 2015 in London zu den Top Ten der Modest Fashion Awards nominiert, und ist grade dabei, neben ihrer Luxus-Marke "Mizaan" für Businessfrauen ein zweites Label zu gründen. Es soll die jüngere Generation und den kleineren Geldbeutel ansprechen und in diesem Sommer in Paris, Istanbul und Jakarta gelauncht werden. Für die Zukunft wünscht sich die Modemacherin, dass es eines Tages normal sein wird, sich anders zu stylen und trotzdem deutsch zu sein. "Unsere Gesellschaft ist einfach bunt", sagt Meriem Lebdiri, “auch wenn es viele nicht wahrhaben möchten."  

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 14.2.18, 19:35 Uhr

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