Michael Wilk
Michael Wilk Bild © hr

Michael Wilk reist seit Jahren zu Hilfseinsätzen nach Syrien. Zuletzt war der Arzt und Psychotherapeut in der umkämpften Stadt Rakka. Die Eindrücke von dort lassen ihn nicht los.

Auf den ersten Blick wirkt Michael Wilk beim Interview gefasst und ruhig. Doch er gesteht, dass ihm viele Bilder aus Rakka immer noch im Kopf herumspuken und ihn nachts unruhig schlafen lassen: "Zum Beispiel, als uns ein Militärtransporter eine Mutter mit ihren drei toten Kindern vor die Tür gelegt hat. Das sind Sachen, die möchte man nicht sehen und die fressen sich ins Bewusstsein."

Audiobeitrag
Das Interview Symbolbild

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Michael Wilk - Arzt und Notfallmediziner

Ende des Audiobeitrags

Obwohl er als erfahrener Notarzt schon viele schlimme Situationen erlebt hat und selbst auch Psychotherapeut ist, lassen ihn solche Eindrücke nicht kalt. In Rakka hat er mit der Hilfsorganisation Kurdischer Roter Halbmond in sogenannten "Trauma Stabilization Points" Verletzte behandelt und Helfer medizinisch geschult. All das geschah inmitten heftiger Kämpfe, kurz bevor die syrische Stadt vom IS befreit wurde.

Die Entscheidung für den Einsatz im Krisengebiet

Wilk, der auch ein sehr politischer Mensch und Aktivist ist, berichtet über seine Motive, als Arzt in Syrien zu helfen: "Ich habe 2014 im Fernsehen diese barbarische Auseinandersetzung um die kurdische Stadt Kobane wahrgenommen, die fast vollständig erobert worden war vom IS. Ich habe damals die Entscheidung treffen müssen: Gucke ich weiter Fernsehen und halte mich distanziert in der Rolle des Betrachters oder bringe ich meine Fähigkeiten dort ein."

Diese Überlegung hat dazu geführt, dass er ein halbes Jahr später in einem Krankenhaus im Krisengebiet gearbeitet und viele Freundschaften geschlossen habe. Sechs Einsätze führten ihn bislang schon nach Nordsyrien. Dort war er vor allem in der von Kurden bewohnten Region Rojava, wo die Infrastruktur und auch Krankenhäuser wieder aufgebaut würden.

Michael Wilk
Bild © privat

Das Zurückkommen fällt schwer

Wilk will sich, wie er sagt, in eine gesellschaftliche Veränderung einbringen, die er als "emanzipativ" bezeichnet. Seine persönlichen Bindungen zu den Menschen dort seien immer enger geworden. Wilk fällt es nach jedem Einsatz schwer, wieder hier anzukommen. Sehr bewegt sagt er: "Man sitzt hier mit dem Hintern im Warmen und in Sicherheit und da unten ist die Hölle los."

Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, klarzustellen, dass die aktuelle Situation in Syrien seiner Meinung nach oft zu oberflächlich dargestellt werde. "Es wird medial gern der Eindruck vermittelt, der IS ist besiegt, die Leute könnten ja wieder zurückkehren, das Problem wäre erledigt. Mitnichten!"

Weitere Informationen

Das Interview

... als Podcast
... in der Übersicht

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 3.11.2017, 19.16 Uhr

Jetzt im Programm