Oliver Reese
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Er hat die Frankfurter Kulturszene in den vergangen acht Jahren entscheidend mitgeprägt. Im Sommer verlässt Schauspiel-Intendant Oliver Reese Frankfurt und übernimmt das Berliner Ensemble.

Seine Bilanz am Schauspiel kann sich sehen lassen: fast 1,4 Millionen Zuschauer in den letzten acht Spielzeiten, ein Besucherzuwachs um 61 Prozent, 255 Premieren, über 5.000 Vorstellungen und 90 Prozent Auslastung. Oliver Reeses Erfolgsrezept waren erstklassige Schauspieler, die er nach Frankfurt holte und fest verpflichtete. Constanze Becker, Marc Oliver Schulze oder Corinna Kirchhoff sorgten für den gewissen Wiedererkennungswert und zogen das Publikum in Ihren Bann.

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Sendezeiten

Mi., 17.5. um 19:35 & 21:35 Uhr
Sa., 20.5. um 10:05 & 18:35 Uhr
So., 21.5. um 14:05 Uhr

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Aber neben dem großen Schauspielertheater verstand es Reese auch, das Schauspiel mitten in der Stadt in der Bevölkerung zu verankern, indem es sich auch für aktuelle Debatten öffnete. In Frankfurt habe er gelernt, welche gesellschaftliche Relevanz das Theater habe, sagt er, "Gewissheiten, die wir hatten, über Europa, über das wie gut es uns geht und wie gefestigt die Demokratie ist, hat es zerrissen. Zwischen Erdogan und Trump und Le Pen und dem Brexit sind bedrohliche politische Entwicklungen in ganz kurzer Zeit passiert, in so einer Zeit reicht es nicht, einen guten Don Carlos zu spielen. Man braucht aktuelle Stücke und man muss sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzen."

Bestnote fürs Publikum

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Die Zeit in Frankfurt hat ihn als Theatermacher verändert. Seine Erfahrungen nimmt Reese mit in die Hauptstadt, wo er ab August Intendant des berühmten Berliner Ensembles wird. Auf die Frage, was ihm am meisten fehlen werde, antwortet Reese ohne zu zögern: "Auf jeden Fall das Frankfurter Publikum, denn schöner als hier kann’s so schnell nicht werden: die Treue von Zuschauern, bei denen man merkt, die kommen wieder und wieder und akzeptieren ihr Haus." Überhaupt betont er im Interview immer wieder die besondere Beziehung zu den Frankfurter Zuschauern: "Dem Publikum kann ich nur die Bestnote ausstellen."

Seinem Nachfolger Anselm Weber rät Reese: "Nicht so viele Klassiker spielen, mehr Mut zur Gegenwart." Eine der großen Herausforderungen für den neuen Intendanten wird die Sanierung beziehungsweise der mögliche Neubau des Schauspiels. Das Gebäude aus den 60er-Jahren ist marode – von desolaten Klimaanlagen über Risse in den großen Frontscheiben bis hin zu Platten, die sich vom Haus lösen und herunterfallen. Auch da positioniert sich der scheidende Schauspiel-Intendant ganz klar "Wenn die Kosten so hoch sind, wie zu befürchten steht - im Juni wird die Machbarkeitsstudie endgültig vorliegen, es ist davon auszugehen, dass die Summe 500 Millionen plus ist - ich wäre für einen Neubau an selber Stelle."

Gemischte Gefühle

Der Abschied aus Frankfurt ist für Reese auch eine Heimkehr nach Berlin, wo er bereits früher am Maxim-Gorki-Theater und am Deutschen Theater gearbeitet hat. Wechsel sei wichtig am Theater, sagt er, allerdings habe er schon auch gemischte Gefühle: "Mir bedeutet das auch ganz viel, jetzt zu gehen, und ich richte es auch extra so ein, dass ich am Tag nach der letzten Vorstellung wegfliege. Ich muss dann erst mal wirklich einen radikalen Schnitt machen und lasse es nachbeben."

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Reeses neue Wirkstätte, das Berliner Ensemble, ist eines der berühmtesten Theater in Deutschland. Dort waren schon Bertolt Brecht und Helene Weigel, Peter Zadek und Heiner Müller künstlerische Leiter. Das zollt Reese einigen Respekt ab. Dort will er als neuer Intendant vor allem neue Stücke und neue Autoren entdecken, die er auch aktiv in die Theaterarbeit mit einbeziehen möchte. Auf den "Theaterdonner", den sein aktueller Vorgänger Claus Peymann im Vorfeld inszeniert hatte, reagiert Reese gelassen. Peymann hatte ihn unter anderem als "handzahmen Verwalter" bezeichnet und ihm vorgeworfen, "das Berliner Ensemble wird ausgelöscht", weil ein großer Teil der Schauspieler nicht übernommen werde. Am Haus freuten sich sehr viele Mitarbeiter auf einen Wechsel, sagt Reese und das sei auch bei vielen Zuschauern so, "die sich wünschen, dass an dem Haus ein anderer Stil herrscht, weniger Klassiker, weniger sehr alte Regisseure, mehr Aufbruch, mehr Themen. Also Berlin freut sich."

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