Robert Menasse
Robert Menasse Bild © picture-alliance/dpa

Der Österreicher Robert Menasse hat den Deutschen Buchpreis 2017 bekommen. Für einen Roman, der von der Europäischen Kommission handelt. Im Interview verrät er, warum er Hoffnung für den Kontinent hat und warum er stets sein Publikum fotografiert.

"Ich weiß, was es heißt, einen Roman zu schreiben und ich habe große Hochachtung vor jedem, dem das gelingt", sagt Robert Menasse. Mit seinem Buch "Die Hauptstadt" ist ihm das nicht zum ersten Mal gelungen. Doch dieses Mal hat er sogar den Deutschen Buchpreis dafür bekommen. Am Tag darauf sagt der 63-jährige Wiener: "Ich habe es gehofft, aber nicht erwartet. Ich fand, dass jeder der nominierten Romane von der Shortlist und auch noch viele aus der Longlist genauso diesen Preis verdient hätten."

Audiobeitrag
Das Interview Symbolbild

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Robert Menasse - Schriftsteller und Buchpreis-Gewinner 2017

Ende des Audiobeitrags

Rund 200 nominierte Bücher gab es, dann die Longlist mit den 20 besten Titeln, gefolgt von der Shortlist der sechs allerbesten. Und dann, am Vorabend der Frankfurter Buchmesse, die Kür des einen Gewinners im Frankfurter Römer. So spannend wird seit Jahren die Verleihung des Deutschen Buchpreises inszeniert. In diesem Jahr wurde mit "Die Hauptstadt" ein Roman ausgezeichnet, dessen Helden eigentlich denkbar ungeeignet erscheinen für eine spannende oder anrührende Geschichte: die Beamten der Europäischen Kommission. Doch Menasse hat sie in lebendige Menschen verwandelt.

Weitere Informationen

Liveticker: Die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

[mehr auf hessenschau.de]

Ende der weiteren Informationen

"Ich wollte zeigen, dass dieses große Abstraktum EU in Wirklichkeit etwas sehr Konkretes ist, etwas Menschengemachtes", sagt Menasse. "Es geht der EU nicht darum, den Menschen ihre Heimat zu nehmen. Denn im Gegensatz zu den Nationalisten sagen ja die Europäer: Vielfalt ist Reichtum." Menasse hält nicht viel von nationalen Identitäten. "Ich bin Wiener und ich sehe nicht ein, warum ich mit einem Menschen in einem Tiroler Tal, nur weil er den selben Pass hat wie ich, mehr gemein haben soll, als  mit einem Menschen in Bratislava, das 40 Minuten von Wien entfernt ist, aber auch eine Stadt - nur zufälligerweise die Hauptstadt einer anderen Nation. Das ist alles irrational." Warum er Hoffnung für Europa hat? "Mit Europa kann man Wahlen gewinnen. Und mit Europa kann man sogar den Buchpreis gewinnen."

In "Das Interview" verrät uns der Schriftsteller auch, warum er immer sein Publikum fotografiert: "Ich habe einen Facebook-Account und ich weiß nie, was ich da drauf stellen soll, Privates kommt nicht in Frage. Und dann habe ich mir gedacht, es gibt ja nichts Sinnvolleres, als das Bild einer qualifizierten Öffentlichkeit zu veröffentlichen."

Weitere Informationen

Das Interview ...

... als Podcast
... in der Übersicht

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 10.10.2017, 19.30 Uhr

Jetzt im Programm