Tarek Al-Wazir
Tarek Al-Wazir (Grüne) Bild © hr

Auf die Kleinen kommt es an. Tarek Al-Wazir glaubt, dass bei der Bundestagswahl die drittstärkste Kraft entscheidend sein wird. Warum das die Grünen sein könnten und wie sich seine Partei von der AfD unterscheidet, darüber spricht Hessens Wirtschaftsminister in Das Interview.

Audiobeitrag
Das Interview Symbolbild

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Tarek Al-Wazir - hessischer Wirtschaftsminister (Grüne)

Ende des Audiobeitrags

Mit Blick auf das TV-Duell am Sonntag ist der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen sicher, die spannende Frage ist nicht Merkel oder Schulz, "sondern die Richtung, die diese Republik nimmt, wird davon bestimmt werden, wer auf Platz drei kommt." Und da sieht Al-Wazir seine Partei, die Grünen, noch nicht abgeschlagen. Auch wenn sie nach der aktuellsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen bei acht Prozent und damit hinter der FDP und gleichauf mit der AfD liegt.

Keine Gemeinsamkeiten mit der AfD

Weitere Gemeinsamkeiten mit der Alternative für Deutschland will der Grünenpolitiker aber nicht zulassen. Auch wenn hr-iNFO-Programmchefin Katja Marx an die Anfänge der Grünen erinnert, in denen parteiinterner Streit, Provokation und radikale Thesen dazu gehörten, so wie heute bei der AfD. Der wichtigste Unterschied ist laut Al-Wazir jedoch: "Die Grünen wollten ja nach vorne in die Zukunft hin etwas verändern und die AfD ist vor allem rückwärtsgewandt. Das es mal so werden soll wie 'in guten alten Zeiten', die ja – wie wir wissen – gar nicht so gut waren."

Tarek Al-Wazir
Tarek Al-Wazir (Mitte) im hr-iNFO-Studio mit Chefredakteurin Katja Marx und Landtagskorrespondent Christopher Plass Bild © hr

Dennoch habe das Entstehen der jungen Partei AfD eine Dynamik in die politische Landschaft gebracht, die Al-Wazir umtreibt: „Die Frage ist, wie kriegen wir es eigentlich hin, die Gesellschaft mitzunehmen? Ein Teil des Problems ist, dass sich ein Viertel, ein Drittel der Gesellschaft nicht mitgenommen fühlt in einem erfolgreichen Land.“ Das habe es schon mal in den 90er-Jahren gegeben. Stichwort: Globalisierungs-Debatte. Man müsse dafür sorgen, dass Wohlstand verteilt werde, dass es Zugangsgerechtigkeit gebe und Aufstiegschancen.

Gegen "Sofortismus" und Rüstungsexporte

Kritik übt der 46-Jährige an der Entwicklung in den Medien "Ich stelle manchmal fest, dass in dieser elektronischen Mediendemokratie der Wille, auch das prozesshafte von Politik zu sehen, nicht mehr da ist." Als Beispiel nennt er die Ehe für Alle, die Ende Juni im Bundestag beschlossen wurde, woran die Grünen schon seit vielen Jahren schrittweise gearbeitet hätten. Al-Wazir kritisiert die Tendenz, dass aus Sicht mancher alles immer sofort gehen müsse. "Die sozialen Netzwerke haben diesen 'Sofortismus' noch verstärkt."

Al-Wazir gewährt auch einen Einblick in sein persönliches Leben. Seine Familie väterlicherseits lebt im Jemen. Der Blick in diese vom Krieg geschundene Region erde ihn, sagt er. Der gebürtige Offenbacher ist in regelmäßigem Kontakt mit seinem Vater, jedoch begleitet ihn die Sorge, dass seiner Familie etwas zustoßen könne. Vergangene Woche habe Saudi-Arabien im jemenitischen Sanaa versehentlich ein Haus von Zivilisten bombardiert, einzige Überlebende der ganzen Familie sei ein kleines Mädchen gewesen, so Al-Wazir.

Bei diesem Thema wird der erfahrene Politiker, der für seine scharfe Zunge bekannt ist, nachdenklich und leise. "Allein dafür würde sich das Regieren auf Bundesebene schon lohnen. Es ist eine Schande, dass Deutschland weiter Waffen nach Saudi-Arabien exportiert." Er ist sich sicher: Sollten die Grünen an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein, wird sich an den derzeitigen Verfahren für Rüstungsexporte etwas ändern.

Weitere Informationen

Interview-Reihe: "Macher, Menschen, Meinungsführer - Hessische Spitzenpolitiker zur Bundestagswahl"

In "Das Interview" haben wir in dieser Woche von Montag bis Samstag um 19:35 Uhr hessische Spitzenpolitikerinnen und -politiker zu Gast.

Montag: Nicola Beer, FDP
Dienstag: Volker Bouffier, CDU
Mittwoch: Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD
Donnerstag: Janine Wissler, Linke
Freitag: Tarek Al-Wazir, Grüne
Samstag: Mariana Harder, AfD

Die Interviews können Sie im Anschluss hier als Podcast nachhören.

Ende der weiteren Informationen
Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 1. September 2017, 19:35

Jetzt im Programm