Pullkowski Faas
Bild © Peter Pullkowski

Wie akkurat sind Wahlumfragen eigentlich? Und: Wie wirken sich die Umfrageergebnisse auf das Wahlverhalten aus? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Politikwissenschaftler und Wahlforscher Thorsten Faas.

Kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen scheint die SPD in der Wählergunst abgerutscht zu sein. Der ARD-Deutschlandtrend sieht sie deutlich hinter der CDU. Außerdem ist Kanzlerin Merkel beliebter als ihr Herausforderer Martin Schulz. Beeinflussen Demoskopen mit der Veröffentlichung solcher Daten so kurz vor der Landtagswahl womöglich das Verhalten der Wähler in NRW?

Zu hohe Erwartungen geweckt

Der Mainzer Wahlforscher Professor Thorsten Faas kennt solche Zusammenhänge und stellt sich die die Frage, wie schnell der "Schulz-Zug" jetzt noch unterwegs ist, nach zwei verlorene Landtagswahlen und nicht mehr so guten Umfragewerten. "Das ist eine spannende Diskussion, weil der rasante Start des Schulz-Zugs Erwartungen geweckt hat, die man jetzt rückblickend doch als übertrieben charakterisieren könnte." Viele SPD-Anhänger und vielleicht auch der Kandidat selbst hätten wohl gedacht, dass der Aufwärtstrend sich einfach immer weiter fortsetze.

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Der Wahlforscher wirkt nachdenklich. Haben sich Schulz und die SPD allzu sehr mitreißen lassen von einen Feuerwerk, das Meinungsforscher, Medien und Netz-Aktivisten abgebrannt haben? Die Realität brachte Ernüchterung: erst im Saarland, dann in Schleswig Holstein.

Eine Entscheidung pro Kramp-Karrenbauer

Bei der Wahl an der Saar sieht Faas Wechselwirkungen zwischen Umfrageergebnissen und Wählerverhalten. Der Hype um Schulz hatte der SPD gleichzeitig gute Werte und ein Dilemma beschert: "Setzten wir jetzt offensiv auf Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün und wollen die im Saarland wirklich beliebte Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer aus dem Amt verdrängen? Oder wollen wir die große Koalition, die im Saarland ebenfalls beliebt ist, fortsetzen?" Vor dieser Entscheidung hätten die Genossen gestanden und natürlich hätten das auch die Wählerinnen und Wähler gesehen. Doch im Saarland gab es eine klare Präferenz: nämlich die beliebte CDU-Ministerpräsidentin im Amt zu behalten.

Deswegen, so die Analyse des Wahlforschers, hat die CDU Stimmen von Wählern bekommen, die die bewährte Ministerpräsidentin und ihre große Koalition stützen wollten. Die SPD verlor Stimmen, weil sie in den Umfragen so stark war.

Kraft ist wichtiger als Schulz

Die Wechselwirkung von Umfragen und Wahlverhalten ist nicht neu: "Sie haben eine Umfrage und darauf reagieren Menschen, dann zeigt eine neue Umfrage, dass sich das Verhalten geändert hat und auch darauf reagieren dann wieder Menschen -  das ist für Demoskopen natürlich ein Alptraum." Und ein Grund dafür, dass der Wahlbürger aktuell so schwer einzuschätzen ist und Umfragen danebenliegen. Dazu kommt in Teilen der Bevölkerung ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber allem, was zu dem etablierten politischen System zu gehören scheint. Insgesamt sind immer weniger Menschen bereit, sich ausführlich am Telefon befragen zu lassen.

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Das gilt auch für die Umfragen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn heute viel über die schwindende Popularität von Martin Schulz geredet wird. Faas glaubt nicht, dass das in NRW eine entscheidende Rolle spielen wird: "Der entscheidende Punkt am Ende wird sein, wie beliebt ist die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft relativ zu dem, was wir in Schleswig Holstein erlebt haben, also relativ zu Torsten Albig. Ist sie ein Zugpferd, mehr als das Albig gewesen ist?" Klar ist: Soll der Schulz-Zug wieder in Fahrt kommen, muss in Düsseldorf eine erfolgreiche SPD Ministerpräsidentin einsteigen.

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