Schreiber
Thorsten Schreiber mit Kindern aus Mourdiah (Mali) Bild © hr

Das hessische Unternehmen "Africa GreenTec" bringt Strom in abgelegene Dörfer, in dem es sie mit mobilen Solarkraftwerken versorgt. Gründer Torsten Schreiber sieht sich als sozialer Unternehmer: Ihm geht es nicht um maximalen Profit, sondern um gegenseitigen Vorteil.

"Ich bin halt mehr so ein Typ, der was macht, anstatt darüber zu reden", sagt Torsten Schreiber und redet dann doch darüber. Mit seiner Firma "Africa GreenTec" bringt er kleine, mobile Solar-Kraftwerke zur Stromerzeugung in afrikanische Dörfer. Solartainer heißen diese Mini-Kraftwerke, von denen mittlerweile einige in den westafrikanischen Staaten Mali und Niger stehen.

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"Dort, wo wir aktiv sind, haben 90 Prozent der Menschen keinen Zugang zu Elektrizität", sagt der hessische Unternehmer. Er erinnert sich noch gut an den Besuch des Stromkraftwerkes in Malis Hauptstadt Bamako: riesige, mit Diesel betriebene Kraftwerksblöcke aus den 50er Jahren, die viel CO2 produzieren, aber wenig effektiv sind. Schreiber sagt, anschließend habe er gedacht: "Das kann nicht wahr sein, hier musst Du etwas ändern – das war wie so ein Weckruf."

Solartainer in Deutschland mit Internetkapazität
Der Solartainer Bild © Thorsten Schreiber

Andere Kulturen, anderes Zeitgefühl

Jetzt versucht Schreiber gemeinsam mit seinen Partnern und Mitarbeitern, mit den Solartainern Dörfern günstig Strom zu liefern, die bisher davon abgeschnitten sind. Das Geld für diese Anlagen kommt zu einem Teil von Investoren, die per Crowdfunding via Internet gefunden werden, zu einem anderen Teil aus den Einnahmen, die mit dem Strom erzielt werden. Denn natürlich muss der Strom bezahlt werden.

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Abladen des Solartainers in Amaloul-Nomade

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Torsten Schreiber versteht sich als sozialer Unternehmer. Das Ziel von "Africa GreenTec" mit Sitz im hessischen Hainburg ist nicht Gewinnmaximierung. Es geht darum, mit den Kunden einen gegenseitigen Vorteil zu erzielen. Die Dörfer bekommen Strom und damit neue Chancen, wirtschaftlich etwas auf die Beine zu stellen. "Africa GreenTec" kann seine Kosten decken und den Investoren eine Rendite auf ihre Einlage zahlen.

In Mali oder in Niger trifft Torsten Schreiber nicht nur auf völlig andere Kulturen, sondern auch auf ein anderes Zeitgefühl: "Wenn ich in Mali bin, versuche ich, das Tempo herunterzufahren, ich versuche eben das Tempo der Anderen zu akzeptieren – das gelingt mir nicht immer."

"Überschrift des EU-Afrika-Gipfels ist heuchlerisch"

Unser Korrespondent hat Schreiber in einem Ort an der Elfenbeinküste getroffen. Dort machte er Zwischenstation auf dem Weg nach Mali. Er ist ein energischer und ein nachdenklicher Mann, der mit seinen 44 Jahren Erfolg und Misserfolg gleichermaßen durchlebt hat. Im internetbasierten Textilgeschäft war er jahrelang sehr erfolgreich, dann kam das Aus.

In dieser Zeit lernte Schreiber seine Frau kennen. Sie stammt aus Mali, die beiden reisten in ihr Heimatland. Und Schreiber sagt heute: "Das war auch ein Bruch in meiner eigenen Geschichte." Und der Beginn seines Engagements als sozialer Unternehmer mit dem Geschäftsfeld Afrika. Schreiber sagt von sich, er sei ein politischer Mensch. Er verfolgt die Ankündigungen von Bundesregierung und EU, in Afrika die Fluchtursachen bekämpfen zu wollen.

Schreiber weiß, dass sich in dieser Woche in Abidjan Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen und der Europäischen Union zu einem Gipfeltreffen versammeln - Thema "Investieren in die Jugend". "Ich finde diese Überschrift heuchlerisch", sagt Schreiber. Warum er das so sieht, wie er mit Korruption, mit einem anderen Lebenstempo und mit Geld umgeht, erzählt er in "Das Interview".

Sendung: hr-iNFO, 29.11.2017, 19:35 Uhr

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