Wulf Killmann
Wulf Killmann Bild © Wulf Killmann

Wulf Killmann unterstützt die Gemeinden auf Fidschi und anderen Pazifikinseln dabei, sich den Folgen des Klimawandels anzupassen. In hr-iNFO Das Interview berichtet er, wie es sich anfühlt, in einem versinkenden Paradies zu arbeiten.

Wulf Killmann lebt und arbeitet seit sieben Jahren auf den Fidschi-Inseln und erlebt dort, was "Klimawandel" tatsächlich bedeutet: wie das Wasser langsam aber unerbittlich in die Dörfer an der Küste eindringt. "Der Meeresspiegel steigt pro Jahr im Schnitt um sechs Millimeter an", sagt Killmann, "das sind im Jahrzehnt sechs Zentimeter, das sind in 100 Jahren 60 Zentimer – das ist das konservative Szenario.“ Was wenig klingt, ist bedrohlich für die Inseln im Südpazifik, deren Küsten nicht weit über dem Meeresspiegel liegen.

Ein Dorf auf den Fidschi-Inseln liegt gefährlich nah am Wasser
Das Wasser kommt den Dörfern gefährlich nah, die Mauer bietet keinen Schutz mehr Bild © Wulf Killmann

Die Insel Ono hat so schon mehr als 15 Meter an Land verloren. Die 40 Bewohner des direkt am Meer gelegenen Dorfes Narikoso müssen weichen, ihnen bleibt nur der Umzug auf eine Anhöhe in der Nähe. Ihre Häuser stehen direkt am Meer, in der besonders gefährdeten "roten Zone". Der Rest des Dorfes wird irgendwann folgen müssen – vielleicht in 20 Jahren. "Wenn sie zum Beispiel Springfluten haben einmal im Monat, die höher ausfallen als normal, dann schwappt das in’s Haus, in den Hof, dann stehen die morgens bis zu den Knöcheln im Wasser", sagt Killmann. "Jetzt beginnt die Zyklon-Saison im Südpazifik und jeder Sturm, auch wenn es kein schwerer ist, bringt das Wasser in’s Haus."

Ein erschreckendes Szenario

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zum Artikel Wulf Killmann - Projektleiter der GIZ im Südpazifik

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Selbst wenn das Wasser dann wieder abfließe, bleibe der Boden versalzen, Trinkwasser sei ebenso gefährdet wie der Anbau von Pflanzen. Immer häufiger werden die Menschen auf dem Fidschis von heftigen Stürmen bedroht, zuletzt von Zyklon  "Winston", der Anfang letzten Jahres über die Insel fegte. "Das ist schon erschreckend, was dann passiert: Die Dächer fliegen weg, die Häuser werden umgeblasen – das sind natürlich keine Steinhäuser wie bei uns, viele Häuser sind aus Holz gebaut – Bäume stürzen um, Felder werden verwüstet", erzählt Killmann. "Und wenn sie dann drüber hinwegfliegen, die Bäume die stehen bleiben, haben alle keine Blätter mehr. Das war für mich das Erschreckendste: Sie fliegen über das Land uns alles ist grau. In den Tropen sind Sie es gewohnt, ein grünes Bild zu haben. Alles grün! Ob es nun Kokospalmen sind oder andere Bäume. Plötzlich ist alles grau."

Kinder in einem Boot im Wasser vor der Mauer, die überflutet ist
Die Hochwassermauer, die jetzt geflutet ist, hat vor zehn Jahren noch das Dorf vom Wasser getrennt. Bild © Wulf Killmann

Wulf Killmann beschreibt ein erschreckendes Szenario, die Folgen der Erderwärmung, die 16.000 Kilometer entfernt von Deutschland schon jetzt die Existenz der Menschen bedroht. Steigende Meeresspiegel, die Zunahme von tropischen Wirbelstürmen, Überschwemmungen und lange Dürreperioden machen den mehr als 11 Millionen Einwohnern der Region zu schaffen. Der Entwicklungshelfer bleibt aber trotzdem optimistisch: Er leitet die Projekte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die sich im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Südpazifik engagiert.

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Sendezeiten:

Mittwoch, 8.11. um 19:35 Uhr
Samstag, 11.11. um 14:05 Uhr
Sonntag, 12.11. um 10:05 Uhr und 18:35 Uhr

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"Klima-Anpassungsprogramme“ heißen die offiziell und das klingt fast harmlos. Tatsächlich geht es darum, den Menschen ein Überleben in ihrer Heimat zu ermöglichen, ihnen dabei zu helfen, mit den gravierenden Folgen der Erderwärmung fertig zu werden. Die GIZ unterstützt Umsiedlungen, entwickelt aber auch neue Anbaumethoden für die Nahrungsmittelproduktion. Sie fördert die Einführung neuer Nutzpflanzen, die mit dem extremen Bedingungen besser zurecht kommen sollen.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 8.11.17, 19:35 Uhr

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