Andreas May
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Die hessische Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) verzeichnet einen massiven Anstieg an Verfahren, bei denen es um die Verbreitung, den Erwerb und den Besitz von Kinderpornografie geht. Der Anstieg sei v.a. auf Meldungen großer Provider wie Google und Facebook zurückzuführen, sagt May in "Das Interview".

"Wir werden derzeit überschwemmt mit Kinderpornografie-Verfahren", sagt der Leiter der ZIT, Oberstaatsanwalt Andreas May, in hr-iNFO. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2017 seien etwa 1.200 neue Verfahren bei der ZIT eingegangen. Das seien in etwa so viele wie im kompletten vergangenen Jahr. "Es lässt sich jetzt schon absehen, dass sich die Verfahrens-Zahlen in diesem Jahr circa verdreifachen werden. Das ist eine unglaubliche Steigerung", so May.

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May führt diesen Anstieg vor allem auf Meldungen großer amerikanischer Provider wie Google oder Facebook zurück. Diese seien gesetzlich verpflichtet, ihre Datenbestände nach kinderpornographischen Schriften zu durchforsten. Hinweise auf deutsche Täter würden täglich von den Amerikanern an das Bundeskriminalamt gemeldet und von dort an die ZIT weitergegeben. Die ZIT bewertet dann das Material. Verfahren mit hessischem Bezug verfolgt die ZIT selbst, alle anderen Verfahren werden an die zuständigen Staatsanwaltschaften in den anderen Bundesländern weitergereicht, erklärt May.

"Das wahre Ausmaß kennen wir nicht"

Die ZIT ist eine Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit Sitz in Gießen. Sie kümmert sich zentral um besonders schwere und aufwändige Verfahren aus dem Bereich Cybercrime. Dabei arbeitet sie eng mit dem BKA zusammen. 80 bis 90 Prozent der Verfahren der ZIT kommen aus dem Bereich Kinderpornografie.

Die Verbreitung, der Erwerb und der Besitz von Kinderpornografie sei ein Delikt, "das mit Sicherheit eine ganz, ganz hohe Dunkelziffer hat", so Oberstaatsanwalt May. "Das heißt, wir kennen das wahre Ausmaß dieser Kriminalitätsform gar nicht."

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Podcast Cybercrime

Oberstaatsanwalt Andreas May ist auch Protagonist in einem neunteiligen Podcast zum Thema Cybercrime, der seit 1. Juni hier abrufbar ist. Die Autoren Henning Steiner und Oliver Günther haben sich auf Spurensuche begeben und bieten einen realistischen und umfassenden Einblick in das Phänomen Cybercrime.

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