Paläontologe Kai Jäger
Paläontologe Kai Jäger Bild © privat

Kai Jäger ist vier Jahre alt, als er sein erstes Fossil am Vilicher Bach in Bonn ausgräbt. Das hat ihn seitdem nicht losgelassen. Mit seinem „Orchideenfach“ stürmte der 29-Jährige die Science Slam-Szene, jetzt hat er ein Buch geschrieben.

„Wenn man das ganze Leben verstehen will, muss man in die Vergangenheit schauen“, sagt Kai Jäger. Er ist nicht etwa Philosoph, sondern Paläontologe. Er erforscht, was Fossilien über die Geschichte des Lebens und die Evolution verraten. Damit möchte der 29-jährige Wissenschaftler aber nicht ungehört bleiben. Dafür stellt er sich auf die Bühne, vor tausenden Zuschauern – bei Science Slams. 2014 gewann er mit seinem witzigen Vortrag sogar die Deutsche Meisterschaft. Jetzt hat Kai Jäger ein Buch geschrieben: „Verwandtschaft ist ein Knochenjob“ heißt es und dreht sich um seine Forschungsarbeit.

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Ein sportlich, durchtrainierter Körper, seine braunen Haare trägt er meist zu einem kurzen Zopf zurückgebunden. Jäger ist kein Wissenschaftler, der für sich allein im stillen Kämmerlein forschen möchte. Für ihn liefert die Paläontologie wichtige Erkenntnisse für Gegenwart und Zukunft, wie Jäger meint. Klimawandel, Artensterben – all das lasse sich ableiten und einordnen. Und dazu zählt nicht auch zuletzt die verblüffende Erkenntnis, dass Dinosaurier gar nicht ausgestorben sind: „Vögel sind Dinosaurier. Sie sind nicht nur Nachkommen der Dinosaurier.“ Sie stünden im Stammbaum innerhalb der Raubsaurier, da sie sich aus ihnen entwickelt hätten.

Vielleicht würden irgendwann sogar Rückkreuzungen von Dinosauriern mithilfe von Vogel-DNA möglich sein, vermutet Jäger, der an der Universität in Bonn forscht und gerade seine Doktorarbeit schreibt. „Viele der Vogelmerkmale wie Federn oder der aktive Flug waren schon vorher bei den Dinosauriern vorhanden. Wenn man den Vogel genetisch so verändert, dass er wieder einen Schwanz und Zähne ausbildet, dann kommen wir Raubsauriern schon ziemlich nah.“

Wissenschaft braucht Aufmerksamkeit

Kai Jäger brennt für die Wissenschaft und die Paläontologie. Ihm ist es wichtig, die Begeisterung für sein Fach weiterzugeben. Dazu sei grundsätzlich alles erlaubt, sagt Jäger: „Alles, was die Aufmerksamkeit auf unser Fach lenkt, ist irgendwie gut.“ Science-Fiction-Filme wie “Jurassic Park”, Animationsfilme wie “Ice Age“ – oder eben auch die Science Slam-Vorträge würden der Wissenschaft helfen.

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Sendezeiten:

Freitag 28.04.: 19.35 Uhr
Samstag 29.04.: 14.05 Uhr & 18.35 Uhr

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Denn die Wissenschaft brauche die öffentliche Aufmerksamkeit dringender denn je: „Die Wissenschaft kämpft heutzutage an ziemlich vielen Fronten gegen Ignoranz.“ Das liege unter anderem auch daran, dass das Internet viele ungefilterte und schlichtweg falsche Informationen zugänglich mache, meint Jäger: „Es finden sich da leider immer Leute, die das schon vermutet haben und da dann ihre Bestätigung finden. So kann man auch erklären, warum der US-Präsident gerade sagt, Impfungen könnten Autismus verursachen. Da müssen die Wissenschaftler aktiv werden, um die Leute frühestmöglich mit den Fächern in Kontakt zu bringen.“

Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Wissenschaft

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Kai Jäger geht den Weg über den Science Slam. Junge Wissenschaftler stellen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor, sie haben nur zehn Minuten Zeit. Es muss anschaulich sein, spannend – und vor allem witzig. Jäger sieht in den Science Slams eine Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Wissenschaft: „Die Scherze sollen kein Selbstzweck sein. Wenn das Publikum lacht, dann ist es aufmerksam. Dann passt es gut auf, wenn ich Wissen vermittle.“ Und um als Wissenschaftler die Gunst des Publikums zu gewinnen, leckt Jäger auf der Bühne auch schon mal an einem Knochen – um zu testen, ob es sich um ein echtes Fossil handelt.

Genauso unterhaltsam wie Kai Jäger sich auf der Bühne gibt, ist auch sein neues Buch geschrieben. In „Verwandtschaft ist ein Knochenjob“ entlarvt Jäger-Mythen über seinen Job und erklärt, was Fossilien über unsere Herkunft verraten.

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Zur Person:

Kai Jäger ist 29 Jahre alt, deutscher Science Slam Meister 2014 und forscht und lehrt als Paläontologe an der Universität Bonn. Dort schreibt er auch gerade seine Doktorarbeit über das Kauverhalten früherer Säugetiere. Nun hat er ein Buch über seine Forschungsarbeit geschrieben – mit dem Titel „Verwandtschaft ist ein Knochenjob“. Es ist im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen und kostet 9,99 Euro.

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