Verkehrssünderdatei Flensburg
Akten aus der "Verkehrssünderdatei" in Flensburg Bild © picture-alliance/dpa

Wer sich im Straßenverkehr nicht an die Regeln hält, kann mit Punkten in Flensburg bestraft werden. Die Verkehrssünderdatei gibt es seit nunmehr sechs Jahrzehnten. Das Punktesystem wurde allerdings erst viel später eingeführt.

Über die rote Ampel fahren: ein Punkt in Flensburg. Mehr als 21 Kilometer pro Stunde zu schnell fahren: bedeutet auch einen Punkt. Zu wenig Abstand lassen: bis zu zwei Punkten. Die Liste der möglichen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung ist lang. Kein Wunder also, dass es einige Menschen gibt, die Punkte in Flensburg gesammelt haben.

Mehr als zehn Millionen Autofahrer haben einen Eintrag in der Verkehrssünderdatei. Die meisten wegen zu hoher Geschwindigkeit. So wie Baris Bayval. Er war in einer 100er-Zone 41 Kilometer pro Stunde zu schnell. "Ein Monat Fahrverbot und damals zwei Punkte in Flensburg", sagt er. Bayval arbeitet im Außendienst, fährt momentan rund 3.000 Kilometer in der Woche. Da könne so etwas schon mal vorkommen, sagt er.

Maßnahme gegen Verkehrstote

Anders bei Natascha. Sie hat vor etwa einem Monat ihren ersten Punkt in Flensburg bekommen. "Eine Freundin hatte Geburtstag und da war ich die Fahrerin", sagt sie. "Und dann war am Ende eine Person zu viel fürs Auto. Und dann dachte ich mir: Komm, für das kurze Stück nimmst du sie mit. Fünf Minuten waren es nur und dann war prompt eine Polizeikontrolle. Super ärgerlich."

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Zahlen und Fakten

Registriert werden Verkehrssünder-Punkte beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg im Verkehrszentralregister (VZR). Die entsprechende Verordnung stammt vom 25. Juli 1957, in Betrieb ging das Register am 2. Januar 1958. Das berüchtigte Punktesystem wurde 1974 eingeführt, zuvor wurde in der Verkehrssünderdatei nur registriert, wenn jemandem der Führerschein versagt oder entzogen wurde. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes hatte 2015 etwa jeder 10. Deutsche Punkte, von den 8,6 Millionen Betroffenen waren 6,7 Millionen Männer. Die meisten Einträge gab es wegen Geschwindigkeitsverstößen.

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Im Juli 1957 wurde der Grundstein gelegt für die heutige Verkehrssünderdatei. Damit wollte die Bundesregierung etwas gegen die vielen Verkehrstoten unternehmen. Ein Jahr später nahm die Datei ihre Arbeit auf. Vor 60 Jahren gab es noch keine Punkte, sie wurden erst später eingeführt. Auch sonst haben sich die Regeln der Verkehrssünderdatei im Laufe der Jahre immer wieder geändert. Zuletzt 2014.

"Punkte als Berufsrisiko"

Außendienstler Bayval sieht das Verkehrsregister kritisch: "Man sollte es schon in Relation setzen. Es gibt Leute, die fahren im Jahr ihre 75.000 bis 90.000 Kilometer und die werden genauso bestraft wie jemand, der 6.000 fährt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir - die Berufsfahrer, Pendler, wie auch immer – geblitzt werden, ist sehr hoch, aber wir werden genauso bestraft."

Ein Lösungsansatz: einfach keine Verkehrsregeln brechen. Doch Bayval entgegnet: "Wenn man einfach mal die Kilometer dagegensetzt, die man fährt, da passiert das halt mal. Das gehört dazu, ist Berufsrisiko." Und so werden wohl auch in Zukunft immer wieder Punkte in der Verkehrssünderdatei notiert.

Sendung: hr-iNFO, 25.07.2017, 06:31 Uhr

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