Supermarkt
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Bald könnte uns im Supermarkt um die Ecke genau das erwarten, was im Netz längst Standard ist: Angebote, die individuell auf unsere Vorlieben abgestimmt sind. Digitale Technik macht’s möglich. Gesichtserkennung, wie sie aktuell bei Real getestet wird, ist nur der Anfang. Wie könnte der Supermarkt der Zukunft aussehen? Ein Gedankenspiel.

Schon beim Betreten des Marktes weiß der Zentralcomputer, dass ich da bin - dank Smartphone. Das sucht ständig eine Wlan-Verbindung. Dabei wird eine Kennnummer angegeben. Der Supermarkt  kann jetzt ganz leicht zurückverfolgen, wer sich aktuell im Markt aufhält.

Und auch, ob ich eher viel oder eher wenig Geld zur Verfügung habe, verrät mein Smartphone. Denn über die Netzwerknummer ist auch klar, was für ein Modell ich habe. Bei einem eher exklusiven habe ich wohl ein höheres Einkommen.  

Ich will meinen Einkauf nicht selbst tragen. Die alten Einkaufswagen haben längst ausgedient. Der Wagen ist mittlerweile ein Einkaufsassistent, ein Roboter, der mir eigenständig durch den Laden folgt. Der merkt sich, was ich in den Wagen ablege. „Kundin 2416:  frische Tomaten", sagt er.

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"Targeting" im Supermarkt

Zielgerichtete Werbung für bestimmte Personengruppen - sogenanntes "Targeting" - kannte man bisher vor allem aus dem Internet. Jetzt ist die Technik auch für den stationären Handel ausgereift. Die Supermarktkette Real bietet derzeit Platz für "TV in der Kassenzone": ein Bildschirm, daneben eine Kamera, die die Gesichter der Kunden nach Alter und Geschlecht scannt - und die Werbung entsprechend anpasst. [mehr]

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Alles, was ich hier tue, wo ich mich länger aufhalte, was ich kaufe, wird erfasst. Das kann auch Vorteile haben: Ich bekomme Rabattgutscheine auf's Smartphone für Dinge, die mich wirklich interessieren. Zum Beispiel für meine Lieblingslimo, die gibt es jetzt in einer neuen Geschmackssorte, die nehme ich mit.

Viele teure Handys eingeloggt? Preise anheben!

Aber nicht nur Rabatte sind möglich. Mit den neuen, digitalen Preisschildern kann der Supermarkt Preise im Minutentakt ändern. Das passiert vor allen Dingen, wenn ich direkt nach Feierabend einkaufen gehe. Wenn dann viele neue und exklusive Business-Geräte im Laden sind, können die Preise schonmal nach oben gehen. „Aktuell sind 84 iPhones eingeloggt. Hebe den Preis für Tiefkühlpizza.“

Aus der Kombination an Dingen, die ich immer wieder kaufe, weiß der Markt, dass ich viel Obst und Gemüse esse und wahrscheinlich Vegetarierin bin. Auf dem Bildschirm des Einkaufswagens läuft zwischendrin Werbung. Und ich kenne die Werbung. Weil ich die auch in sozialen Netzwerken angezeigt berkomme, Facebook zum Beispiel. Weil die Werbemodule der App immer wieder über die Netzwerkadressen abfragen, wo ich gerade bin.

Wenn ich etwas suche, hilft mir die Supermarkteigene Navigationsapp. Und natürlich merkt sich das System, wonach ich gesucht habe. Auch wo ich mich besonders lange aufhalte wird registriert. „Kundin 2416 seit drei Minuten in der Süßigkeitenabteilung“

Kein lästiges An-der-Kasse-Stehen mehr

Ich kann mich heute nicht entscheiden. Schon meldet sich die App und empfiehlt mir einen Schokoriegel. Ob ich den mal ausprobiere? In der App kann ich auch Produkte scannen. Ich reagiere zum Beispiel allergisch auf Mandeln. Den Schokoriegel muss ich nur vor mein Handy halten und schon weiß ich, was drin ist. Alles klar, der geht.

Jetzt will ich aber auch gehen. Ich muss mich dafür an keine Kasse anstellen. Wieder mal übernimmt mein Handy. Der Einkaufswagen überspielt, was in ihm gelandet ist und per App bezahle ich. Und wieder weiß der Markt, was ich mit nach Hause nehme.  Früher bin ich mal gerne einkaufen gegangen. Ich fühle mich irgendwie gläsern, wie ein offenes Buch und es gibt nichts, was ich dagegen tun könnte. Schöne neue Einkaufswelt!

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