Müllsortieranlage in Peking (China)
Müllsortieranlage in Peking Bild © picture-alliance/dpa

Wohlstandsmüll aus dem Westen wurde lange nach China exportiert. So bekamen die einen Geld für ihren Abfall, die anderen haben ihn verwertet. Doch damit ist jetzt Schluss: China hat die Importe teilweise verboten und Auflagen verschärft. Das stellt auch Deutschland vor Probleme.

Das erste Schreiben an die Welthandelsorganisation kam im Sommer. China kündigte an, die Einfuhr von Müll künftig besser zu kontrollieren – oder gleich ganz zu verbieten. Zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

Jetzt hat die chinesische Regierung die Auflagen noch mal konkretisiert. Seit Anfang Januar ist die Einfuhr von 24 Abfallarten nach China verboten, darunter diverse Plastiksorten, Metall- oder Elektroschrott. Chinas Regierung nennt die Anti-Müll-Initiative "Operation Grüner Zaun". Der Müll, der noch importiert werden darf, muss besser sortiert und weniger verunreinigt sein.

Müll oft toxisch verunreinigt

Bislang ist China weltgrößter Müll-Importeur. Seit gut 30 Jahren exportieren die größten Industrienationen mit gigantischen Containerschiffen viel von ihrem Abfall in die Volksrepublik. Im vergangenen Jahr waren es rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll aus aller Welt. Ein Geschäft für beide: Der Westen wurde auf diesem Weg gewinnbringend seinen Müll los. Und China hat daraus Rohstoffe und extrahiert oder Materialien recycelt: Kupfer, Eisen oder auch Papier.

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Ein Problem: Der Müll aus dem Westen kam oft toxisch verunreinigt in China an. Zum anderen hat das Land mittlerweile genug eigenen Müll. Nach offiziellen Angaben hat die Volksrepublik im vergangenen Jahr rund 200 Millionen Tonnen Hausmüll produziert und weitere 3,3 Milliarden Tonnen Industrieabfälle - rund zehnmal mehr als vor zehn Jahren. Laut aktuellem Fünfjahresplan steckt China deshalb allein in den kommenden Jahren viele Milliarden Euro in den Bau von neuen Müll-Verbrennungsanlagen. Chinas Abfallwirtschaft kommt kaum hinterher, den eigenen Müll zu verbrennen oder zu recyceln.

EU ohne Strategie

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Die neuen Regelungen in China stellen auch die deutschen Müll- und Recycling-Unternehmen vor neue Herausforderungen. Bislang wurden viele Abfälle kaum sortiert oder aufbereitet, sondern einfach gewinnbringend nach China verkauft. Künftig muss der Müll deutlich besser getrennt werden, um überhaupt die Chance zu haben, ihn nach China zu verschiffen.

Und: Die EU-Länder müssen sich grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie sie v.a. ihren Plastikmüll künftig reduzieren können, wenn dieser nicht mehr nach China verkauft werden kann. Eine einheitliche Strategie dazu fehlt bislang. Ansonsten bleibt Europa auf hundert Millionen Tonnen Plastikmüll sitzen.

hr-iNFO, 8.1.18, 16:10 Uhr

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