Beichte
Bild © picture-alliance/dpa

Die Darmstädter Lilien scheinen dem ehemaligen Nationalspieler Kevin Großkreutz seine nächtlichen Eskapaden nachzusehen. Damit handeln sie in bester christlicher Tradition, denn laut Bibel hat jeder eine zweite Chance verdient. Aber gibt es nicht berechtigte Grenzen für dieses Prinzip?

Der Mensch ist böse von Jugend auf, sagt die Bibel. Seit Kain den Abel totschlug, zieht sich die Blutspur des Bösen durch das Zusammenleben der Menschen. Ohne zweite Chance wären wir alle verloren. Niemand kann seine Hände in Unschuld waschen. Die Antwort der jüdisch-christliche Tradition ist Barmherzigkeit. Klassisch für diesen Geist ist im Johannes-Evangelium der Bibel ist die Szene mit der Ehebrecherin, die man zu Jesus bringt.

Weitere Informationen

Darmstadt 98 schnappt sich Kevin Großkreutz

Das ist ein Transfer-Hammer: Kevin Großkreutz wechselt zu Darmstadt 98. Trainer Torsten Frings hat sich den Weltmeister gewünscht, Präsident Rüdiger Fritsch hofft auf die nächste Win-Win-Situation. [hessenschau.de]

Ende der weiteren Informationen

Sie wurde beim außerehelichen Sex ertappt, die Religionsgesetze sahen für dieses Vergehen die Todesstrafe durch Steinigung vor. Jetzt wollen die Umstehenden wissen, was Jesus dazu sagt, ob er ihr eine zweite Chance geben würde. Aber er sagt nur: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." (Johannes 8,1ff.) Einer nach dem anderen verlassen die Umstehenden die Szene. Am Ende bleibt Jesus mit der Frau allein zurück. "Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!"

Keiner hat das Recht, von oben herab zu verurteilen

Keiner ist ohne Schuld, deshalb hat keiner das Recht, von oben herab zu verurteilen. Vergebung ist tief drin im genetischen Code von Judentum und Christentum. Die andere berührende Geschichte einer zweiten Chance ist die vom verlorenen Sohn, oder besser gesagt, die vom barmherzigen Vater. Sie steht im Lukasevangelium der Bibel (15. Kapitel). Ein Mann hat zwei Söhne, der ältere arbeitet auf dem Hof, der jüngere lässt sich das Erbe auszahlen, zieht weg und verschleudert in der Fremde das ganze Geld. Als er am Ende ist, geht er in sich und kehrt reumütig zum Vater zurück.

Audiobeitrag
Das Thema

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Neue Chance für Kevin Großkreutz - Lilien holen den Weltmeister ans Bölle

Ende des Audiobeitrags

"Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden." (Lukas 15,20ff.)

Vergebung: "Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal"

Der Sohn bringt das Erbe durch und der Vater feiert ein Fest zu seiner Rückkehr. So ist Gott, sagt die Bibel. Barmherzig und stets geneigt, dem Reumütigen die zweite Chance zu schenken. Und nicht nur eine zweite. Einmal fragt Petrus Jesus danach, wie oft man einem Menschen Vergebung gewähren soll, der gesündig hat.

"Ist's genug siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal." (Matthäus 18,21-22). Und an einer anderen Stelle sagt Jesus: "Und wenn er siebenmal des Tages an dir sündigen würde und siebenmal des Tages wiederkäme zu dir und spräche: Es reut mich! so sollst du ihm vergeben." (Lukas 17,4)

Audiobeitrag
Das Thema

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Eine zweite Chance für Politiker - drei Beispiele

Ende des Audiobeitrags

Im Kerngebet des Christentums, dem Vaterunser, heißt es deshalb ganz in diesem Sinn: "Vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigen". Soll heißen: Alle leben davon, dass Gott vergibt und Menschen sich gegenseitig vergeben. So ein Miteinander wäre wohltuend, aufbauend, wir würden gnädig miteinander umgehen.

Die Bibel nennt so einen Lebensraum der Barmherzigkeit das "Reich Gottes". Das ist nicht nur jenseitig gedacht, sondern soll auf der Erde schon anfangen. Der christliche Gott steht für den Neuanfang, 70 Mal sieben Mal, wenn sein muss.

Weitere Informationen

Das Thema ...

... als Podcast
... in der Übersicht

Ende der weiteren Informationen

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt im Programm