G20 Randale
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Der G20-Gipfel in Hamburg ist lange vorbei. Aber noch immer diskutiert Deutschland über die linksextremistische Gewalt bei diesem Ereignis. Wie hat sie sich in der Geschichte der Bundesrepublik entwickelt? Ein Überblick.

Schwere Gewaltverbrechen von Linksextremisten in Deutschland gab es vor allem in den sechziger und siebziger Jahren.

"Der Schock saß tief"

Am 9. November 1969 gab es einen versuchten Bombenanschlag auf die Teilnehmer einer Gedenkfeier an die Reichspogromnacht der Nazis 1938. Die Terrorgruppe nannte sich "Tupamaros Westberlin". Der Bombenleger hieß Albert Fichter, so der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar: "Die Bombe versagte zwar, der Schock saß aber tief. NS-Überlebende hätten erneut Opfer werden sollen. Dieses Mal durch die Kinder der Tätergeneration."

Einige Monate später wurden bei einem Brandanschlag auf das jüdische Altersheim in München sieben Menschen getötet. Die meisten waren Überlebende des Holocaust. Bis heute weiß man nicht, wer die Täter waren, aber viele vermuten, dass auch dahinter die "Tupamaros Westberlin" steckten.

RAF tötet, Brandstiftung bei Demos

Bis 1993 tötete alleine die RAF 34 Menschen. Ein militanter Gegner der Startbahn West erschoss 1987 am Frankfurter Flughafen zwei Polizisten. Seitdem bedeutet linksextremistische Gewalt vor allem Brandstiftungen und Gewalttaten bei Demonstrationen. Am 1. Mai, in Berlin-Kreuzberg und in Hamburg, oder bei Krawallen um die Rote Flora in Hamburg oder in der Rigaer Straße in Berlin.

Vor allem die vermummten Autonomen bei Demos sind das Problem, so der ehemalige Innenminister Otto Schily, SPD: "Das ist eine Erfahrung, die wir mit dem schwarzen Block von Ereignis zu Ereignis machen: dass immer der schwarze Block für Krawall sorgt. Und dann sind die Polizistinnen und Polizisten Adressaten von Steinwürfen, von Verbalinjurien und von Gewalttaten."

Anstieg der Gewalt um 20 Prozent

8.500 gewaltorientierte Linksextremisten verzeichnet der Verfassungsschutz für letztes Jahr. Die Gewalt von Linksextremisten hätten zwar im Vergleich zu 2015 abgenommen, aber, so Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen: 2015 hatte es auch besonders viel Gewalt gegeben, wegen des G7-Gipfels in Elmau und der EZB-Eröffnung in Frankfurt.

Aber auch, wenn man diese Großereignisse heraus rechne, sei die Zahl der Gewalttaten gestiegen, um 20 Prozent. "Und das ist natürlich etwas, was wir über die Jahre hinweg als besorgniserregend sehen müssen, weil es eine deutliche Steigerung ist", so Maaßen. Und nach den G20-Krawallen wird die linksextremistische Gewaltbilanz 2017 wohl wieder stark ansteigen. Die Polizei konnte in Hamburg nur relativ wenige Verdächtige verhaften.

Hauptsache prügeln

Genau deshalb wissen wir eigentlich gar nicht, wer genau diese Gewalttäter eigentlich sind, meint Sebastian Haunss, Protestforscher an der Uni Bremen, aber es seien wohl nicht nur Linksextremisten: "Bei den jährlichen Auseinandersetzungen am 1. Mai in Berlin oder in Hamburg hat man immer wieder gesehen, dass da eine Reihe von Leuten anreist, weil sie die Gelegenheit nutzen wollen, sich mal ordentlich mit der Polizei zu prügeln. In Berlin ist sogar mal ein Polizist festgenommen worden, der selbst angereist war, um an den Krawallen teilzunehmen."

Auch in Hamburg sollen diesmal, so berichten Medien, viele unpolitische jugendliche Krawalltouristen mitgemacht haben. Und Linksradikale aus Italien, Frankreich, Spanien und anderen Ländern. Und Gaffer, die bei Plünderungen einfach mitmachten.

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