Rote "Heimat"-Buchstaben in Schwäbisch Gmünd
Heimat kann auch in Schwäbisch Gmünd sein Bild © picture-alliance/dpa

Der Begriff Heimat ist nicht neu - und  er wurde im Laufe der Jahre immer wieder von Politikern benutzt. Doch die Wahrnehmung des Begriffs hat sich in den letzten Jahren verändert. Was bedeutet "Heimat" eigentlich?

"Heimat" ist ein emotional aufgeladener Begriff, der von links, über die Mitte bis ganz rechts funktioniert - und den Parteien nicht erst seit der vergangenen Bundestagswahl für sich entdeckt haben. Einer, der ganz selbstbewusst zu seiner Heimatliebe gestanden hat, war Helmut Kohl. Er sagte: "Ich habe auch gar nichts dagegen, wenn einige Leute das dann karikieren oder gar als provinziell verstehen. Ich finde, wer kein Verhältnis hat zu seiner eigenen Heimat, kann kein Verhältnis zur Geschichte finden, beides ist unlösbar verbunden. Wer kein Verhältnis zur Geschichte hat, ist eigentlich ein armer Tropf, denn er versteht die Gegenwart nicht und die Zukunft kann er schon gar nicht begreifen und gestalten."

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Und so lud er als Bundeskanzler auch ganz selbstverständlich politische Größen wie Margaret Thatcher, George Bush, Boris Jelzin und Bill Clinton zu sich nach Hause ein in seine Villa in Ludwigshafen-Oggersheim. Aber auch die politischen Hochkaräter in der Provinz konnten nichts daran ändern, dass dem Begriff "Heimat" nach wie vor etwas Altbackenes anhaftete. Nicht zuletzt auch durch schnulzige Heimatfilme im Fernsehen. Hauptsache heimelig, gemütlich und immer mit einem guten Ende.

Ein problematischer Begriff


"Heimat" ist ein Begriff, der für jeden etwas anderes bedeutet. Für die einen ist es der kleine Ort, in dem man aufgewachsen ist, in dem man sich auskennt und sicher fühlt. Für die AfD bedeutet Heimat gleich ganz Deutschland. Und so hat die AfD im Wahlkampf auch gerne den Slogan eingesetzt: "Dein Land. Deine Heimat. Hol sie dir zurück." Offenbar trifft der Slogan eine Stimmung und ein Gefühl – und schürt gleichzeitig die Angst vor dem Verlust der Heimat.  Was die AfD am Ende mit über zwölf Prozent in den Bundestag bringt.

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Und so ist es dann Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit im Oktober mahnt: "Die Sehnsucht nach Heimat dürfen wir nicht denen überlassen, die Heimat konstruieren als ein 'Wir gegen Die', als Blödsinn von Blut und Boden, die eine heile, deutsche Vergangenheit beschwören, die es so nie gegeben hat. Die Sehnsucht nach Heimat, nach Sicherheit, nach Entschleunigung, nach Zusammenhalt, vor allen Dingen nach Anerkennung – diese Sehnsucht dürfen wir nicht den Nationalisten überlassen."

Für jeden etwas anderes


Als die Grüne-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt auf dem Parteitag nach der Bundestagswahl sagt, "wir lieben dieses Land, das ist unsere Heimat", bringt ihr das hingegen Kritik aus der eigenen Partei ein. "Heimat", empört sich die Grüne Jugend auf Twitter, sei ein Begriff der Gegenaufklärung und Irrationalität und ein "ausgrenzender Begriff". Anders sieht es da die Hessen-CDU. Im Landtagswahljahr setzt Ministerpräsident Volker Bouffier auf die Formel des Heimat-Gefühls.

In seiner Neujahrsansprache macht er deutlich, was er sich darunter vorstellt: "Ich wünsche mir, dass Hessen für alle Menschen in unserem Land nicht nur ein Ort ist, sondern eine Heimat. Eine liebenswerte und lebenswerte Heimat für Jung und Alt, für Familien und Alleinstehende, für Menschen, die schon immer hier gelebt haben, und die, die neu zu uns kommen. Kurzum, eine Heimat, in der wir uns zuhause fühlen."

Heimat - für die einen ist es die Uckermark, für den anderen Würselen, für manch anderen Gießen oder Offenbach. Fest steht: Heimat ist weitaus mehr als ein Begriff oder ein Stück Land. Heimat ist das "Zuhause-Gefühl", das die Politik nun für sich wiederentdeckt hat.

Sendung: hr-iNFO, 14.2.18, 12.50 Uhr

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