Kurden im Irak
Kurden demonstrieren in Erbil im Irak für das Unabhängigkeitsreferendum Bild © picture-alliance/dpa

Die Kurden im Irak träumen seit Jahren von einem eigenen Staat. Ein Referendum soll ihnen dabei helfen. Doch viele Akteure versuchen, die Abstimmung noch zu verhindern. Schon in der Vergangenheit wurde ein Kurdenstaat immer verhindert. Wir erklären wie und weshalb.

Schätzungsweise 25-30 Millionen Kurden leben in Syrien, im Iran, in der Türkei, im Irak und ein kleiner Teil auch in Armenien. Sie sprechen drei verschiedene kurdische Sprachen und gehören auch unterschiedlichen Religionen an. Manche sind Jesiden, Alewiten, andere Muslime und Christen. Der Historiker und Politikwissenschaftler Ismail Küpeli zu 'den' Kurden: "Die Kurden in den jeweiligen Staaten haben sich in den letzten 80 bis 90 Jahren auseinanderentwickelt. Es sind sprachliche, kulturelle, aber besonders auch politische Differenzen, weswegen man nicht von 'den Kurden' sprechen kann."

Engländer wollten kurdischen Staat

Einen kurdischen Staat hat es nie gegeben. Im Osmanischen Reich existierten verschiedene kurdische Fürstentümer. Nach der Auflösung des Osmanischen Reiches wurden die kurdischen Gebiete aufgeteilt. Obwohl die Gründung eines kurdischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg von den Engländern angedacht war, wurde die Idee verworfen, um der türkischen Atatürk-Bewegung nicht im Weg zu stehen. In diesem Raum sei kein Platz mehr für einen kurdischen Staat vorgesehen, sagt Küpeli.

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Bis Anfang der Neunziger war es in der Türkei sogar verboten, kurdisch zu sprechen. Auch in Syrien, im Irak und Iran wurden Kurden als Minderheiten unterdrückt. Aber nur in der Türkei wurde ihre Existenz geleugnet. In der Türkei werden die Kurden von der Partei HDP vertreten, bei der letzten Parlamentswahl holte sie elf Prozent der Stimmen. Jedoch sitzen viele Abgeordnete der HDP im Gefängnis wegen Terrorverdachts. Schon früher wurde der HDP vorgeworfen, der Terrororganisation PKK zu nahe zu stehen.

Seit Arabischem Frühling und Syrien-Krieg hat sich Lage verschlechtert

Seit dem Arabischen Frühling und dem Syrien-Krieg hat sich die Situation vieler Kurden verschlechtert. Wobei aus westlicher Sicht die Kurden, die den IS bekämpfen, zu Verbündeten geworden sind. Die türkische Regierung bekämpft die Kurden in Syrien. Und auch ein kurdischer Staat auf irakischem Gebiet ist für die Türkei ein Albtraum, wo doch die türkischen Kurden auch so schon ein immer größeres Problem werden, so der Politikwissenschaftler Küpeli: "Militante Kräfte gewinnen auch dort an Oberhand und das ist ein zentrales Problem in der Türkei derzeit."

Auch der Iran fürchtet einen kurdischen Staat. Er warnt, die Region könne dadurch noch instabiler werden. Im Iran selbst unterstützen die iranischen Kurden den wiedergewählten Präsidenten Rohani, auch weil er im Wahlkampf versprochen hat, die Rechte der iranischen  Minderheiten zu stärken. Im Irak ist der Widerstand der Kurden gegen die irakische Regierung dagegen gewachsen. Im Irak gibt es die Autonome Region Kurdistan, mit einem eigenen Parlament in Erbil und einer eigenen Streitkraft, die Peschmerga. Seitdem die Kurden die US-Armee im zweiten Golfkrieg unterstützt haben, ist ihre Autonomie in der irakischen Verfassung verankert.

Präsident der Autonomens Region Kurdistan ist Mazud Barzani. Seine Partei, die Demokratische Partei Kurdistans, fordert eine Drei-Staaten-Lösung: Laut ihnen muss es einen schiitischen, einen sunnitischen und einen kurdischen Staat im Irak geben. Die Autonome Region Kurdistan pocht auf eine Drei-Staaten-Lösung, auch weil sie ihre eigene Macht in Gefahr sieht. Die Amtszeit Barzanis wurde nur wegen der Bedrohung durch den IS verlängert. Seine Gegner drängen auf einen Wechsel. Barzani wird von seinem politischen Gegner bedroht, von der irakischen Regierung, die strikt gegen das geplante Referendum ist. Und auch die Türkei, der Iran und Syrien wollen einen kurdischen Staat auf irakischem Boden um jeden Preis verhindern.

Sendung: hr-iNFO, 20. September 2017, 6:45 Uhr

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