Bauarbeiter auf einem Gerüst
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In Deutschland wird so viel gebaut wie lange nicht. Handwerker sind da auf den Baustellen sehr gefragt. Überall ist die Rede vom Fachkräftemangel und Nachwuchsproblemen. Aber stimmt das überhaupt?

Felix Rausch aus Frankfurt-Kalbach ist Heizungsbauer und Geschäftsführer eines kleinen Meisterbetriebs. Und das bedeutet: Er ist viel auswärts unterwegs. Zu neunzig Prozent arbeitet er beim Kunden – also auf Baustellen oder in Haushalten. Heizungen, Klimaanlagen, Badezimmer – alles, was die Haustechnik betrifft, wird von seinem Betrieb bearbeitet. Sieben Mitarbeiter arbeiten in der Firma. Und die Auftragslage ist gut. Es gibt viel zu tun im Handwerk. So viel, dass Rausch auf der Stelle drei neue Mitarbeiter einstellen könnte – wenn es geeignete Bewerber gäbe.

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zum Artikel Fachkräftemangel im Handwerk - woran liegt's und wie gegensteuern?

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Zu viele junge Leute gehen aber lieber studieren, beklagt er. Und das kann Folgen haben: "Das führt dazu, dass man immer länger auf einen Handwerker warten muss, oder irgendwann auch gar keinen mehr findet. Es gibt Handwerksberufe, wo sie heute schon in Deutschland suchen müssen, dass sie überhaupt noch die Berufe finden. Es gibt erste Berufe, die sterben langsam aus. Das wird vielleicht nicht von heute auf morgen passieren, aber Sie werden es merken, wenn Sie morgen beim Handwerker anrufen und ein neues Bad wollen, dass das einen Moment dauert – mindestens zwei, drei Monate.“

"Der Arbeitsmarkt ist leergefegt"

Die Auftragsbücher der hessischen Handwerker sind also voll. Das bestätigt auch Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main. Trotzdem gibt es zu wenige Fachkräfte und Nachwuchsprobleme. Zwar habe es im vergangenen Jahr einen leichten Anstieg von etwa drei Prozent bei neuen Ausbildungsverträgen gegeben. Etwas mehr als 10.000 Lehrlinge haben in Hessen 2017 einen neuen Ausbildungsvertrag bekommen. "Aber die Situation ist so, dass die Betriebe aufgrund der Nachfrage bereit sind, weitere einzustellen“, sagt Ehinger. "Und wir hätten mit Sicherheit eine Größenordnung von ein- bis zweitausend zusätzlichen Ausbildungsplätzen, die frei wären. Das hängt damit zusammen, dass einfach der Arbeitsmarkt leergefegt ist."

Aber warum gibt es trotz der guten Auftragslage so wenig Nachwuchskräfte? Das könnte an der Bezahlung liegen. Während der dreijährigen Ausbildung sei die Bezahlung zwar nicht die beste, hält Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger dagegen, aber wer es im Handwerk bis zum Meistertitel geschafft habe, könne mit vier- bis fünftausend Euro Einstiegsgehalt rechnen. "Das kriegen Sie als Jurist niemals", sagt Ehinger. "An der Bezahlung allein liegt’s sicher nicht. Das hängt sicher damit zusammen, dass die grundsätzliche Ausbildung auch im Elternhaus heißt: Unser Kind soll’s besser haben, es wird akademisch ausgebildet.“

Beruf wird immer moderner

Also liegt es am Image der Handwerksausbildung, beziehungsweise an dem Run auf die Studienplätze an den Unis. Stichwort: Überakademisierung. Das sieht auch Heizungsbauer Felix Rausch so. Dabei verändere sich der Beruf des Heizungsbauers ständig. Gerade in den letzten vier Jahren werde er durch die Digitalisierung immer moderner – und dadurch auch attraktiver für junge Menschen. "Wir können heute Heizungsanlagen einbauen, die können Sie von zuhause aus steuern, oder vom Büro, oder wenn Sie im Flieger sitzen und das Handy benutzen dürfen", sagt Rausch, "dann können Sie die Heizung schon anstellen und haben es kuschelig warm. Es ist ein spannender Beruf.“

Dass auf Großbaustellen immer weniger deutsch gesprochen wird, liegt laut Felix Rausch aber nicht am Fachkräftemangel. Sondern eher daran, dass in den meisten Fällen nur der günstigste Anbieter den Zuschlag bekomme: "Da wird mit dem Subunternehmer vom Subunternehmer vom Subunternehmer gearbeitet. Und da kommt meistens auch nix Gescheites bei raus. Wir haben auch aus dem europäischen Ausland Mitarbeiter eingestellt. Aber die bekommen bei uns auch eine Ausbildung im Beruf und wenn die sprachliche Barrieren haben, dann gibt’s ohne Probleme Möglichkeiten für Deutschkurse, um fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu sein.“

Sendung: hr-iNFO, 11.1.18, 06:10 Uhr

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