Diesel Fahrverbot
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Der Feinstaub-Anteil der Diesel-Pkw ist laut Professor Matthias Klingner vom Fraunhofer-Instituts für Verkehrssysteme so gering, dass er kaum ins Gewicht falle. Eine These, die es zu überprüfen gilt.

Feinstaub ist gerade gar nicht das Problem: im Streit um Dieselfahrverbote geht es um Stickstoffdioxid – No2. Feinstaub-Grenzwerte werden – seit der Russpartikelfilter Standard ist - ausschließlich in der Innenstadt von Stuttgart überschritten, die Stickoxid-Werte aber in 60 Städten in Deutschland, u.a. in Limburg, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach. Und dort ist der Anteil der alten Diesel unstrittig sehr hoch. Zwei Drittel der No2-Emissionen stammen hessenweit aus dem Verkehr und fast ausschließlich aus Dieselfahrzeugen.

Zusammenhang zwischen Feinstaub und Stickoxid


Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Schadstoffgruppen auf den Professor Klingner anspielt. Die Ingenieure in den Automobilfirmen haben – um die Feinstaub-Grenzwerte einzuhalten – hohe NOx-Emissionen in Kauf genommen. Die beste Lösung wären geschlossene Russpartikelfilter gewesen. Doch die muss man von Zeit zu Zeit austauschen. Stattdessen wählte die Industrie "offene" Partikelfilter. Im Grund wird dazu eigens No2 hergestellt, mit dem der Filter dann während der Fahrt ausgeblasen wird. Davon kriegt der Fahrer nichts mit. Das ist auch ein Grund, warum die Stickoxidwerte in der Praxis so viel höher waren als auf dem Papier.

Die Hersteller konnten diesen einfachen Weg gehen, weil sie Kontrollen nicht fürchten mussten. Das ist jetzt anders. Deshalb kämpfen sie jetzt für höhere Feinstaubwerte. Dann müssten sie den Filter nicht so stark mit Stickoxiden durchblasen. Auch das wäre wieder eine billige Lösung. Man kann ohne weiteres auch die Grenzwerte beider Schadstoffe einhalten. Mit einem Partikelfilter und einem richtig eingestellten Harnstoff-Reinigungs-System. Das ist aber teurer.

Feinstaub-Anteil tatsächlich gering


Was den Feinstaub betrifft, ist der Anteil des Verbrennungsmotors tatsächlich gering. Allerdings kommen aus den Motoren vor allem ultrafeine Teilchen, deren chemische und physikalische Eigenschaften die Weltgesundheitsorgansiation WHO für Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich macht. Die Rechnung ist vage, aber angeblich soll das jeden von uns achteinhalb Monate Lebenszeit kosten.

Sendung: hr-iNFO, 07.09.2017, 6:25 Uhr

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