Eine Frau sitzt allein in einem dunklen Raum, den Blick nach unten gesenkt
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Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland und sind die häufigste Ursache der jährlich rund 10.000 Suizide. Doch obwohl diese Krankheit so weit verbreitet ist, gibt es viele Vorurteile. Wir räumen mit einigen auf.

1. Depression ist keine richtige Krankheit

Das ist eindeutig falsch. Allerdings ist es häufig schwierig ein Stimmungstief von einer echten Depression zu unterscheiden. Jeder von uns ist mal niedergeschlagen, traurig und antriebslos, weil es gerade nicht so gut läuft. Bei Menschen mit einer Depression werden Probleme aber unüberwindbar. Je nach Schwere der Krankheit sind sie permanent überfordert und erschöpft, quälen sich mit düsteren Gedanken, können keinerlei Freude und Begeisterung mehr empfinden oder denken an Selbstmord.

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Depressionen sind diese Woche auch Thema in der Sendung "Fit & Gesund". Sendedatum: Samstag (8.4.), 6:35 Uhr. Im Anschluss können Sie die Sendung hier als Podcast nachhören.

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Zu den seelischen Symptomen kommen noch körperliche hinzu, wie Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus oder Verdauungsprobleme. Da diese Beschwerden anfangs im Vordergrund stehen, wird eine Depression vom Arzt oft erst spät erkannt. Auch das Gehirn ist im Ausnahmezustand. Die Botenstoffe, die für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, geraten aus der Balance, Stresshormone steigen. Sind die Symptome schon 14 Tage oder länger da, sollte ein Betroffener unbedingt zum Arzt. Depression ist eine echte Krankheit und gut behandelbar.

2. Nur psychisch labile Menschen bekommen eine Depression

Mit psychisch labil hat das nichts zu tun. Egal ob Manager, Steuerfachangestellte oder LKW-Fahrer - jeder von uns kann an einer Depression erkranken. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, glücklich verheiratet oder Single. Laut Deutscher Depressionshilfe bekommt jeder fünfte Bundesbürger ein Mal im Leben eine Depression. Weltweit sollen es mehr als 300 Millionen Menschen sein. Entscheidend ist die Veranlagung. Einerseits genetisch - wer einen depressiven nahen Angehörigen hat, hat ein dreifach erhöhtes Risiko selbst eine Depression zu bekommen. Andererseits sind auch Traumatisierungen und Missbrauch in der frühen Kindheit Risikofaktoren.

3. Frauen sind anfälliger für eine Depression

Das scheint in der Tat so zu sein. Wie die Diagnosen zeigen, erkranken Frauen doppelt so häufig an einer Depression wie Männer. Das liegt vor allem an den hormonellen Schwankungen durch die monatliche Regelblutung, aber auch bei Geburt und Wechseljahren.

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Allerdings, so sagen Wissenschaftler, gibt es wahrscheinlich noch einen anderen Grund: Frauen gehen offener mit dem Thema Depression um und suchen sich früher ärztliche Hilfe – auch bei leichteren depressiven Phasen. Männer versuchen, sich erst alleine über Wasser zu halten - häufig mit Alkohol und anderen Suchtmitteln - und gehen erst zum Arzt, wenn die Depressionen gar nicht mehr auszuhalten sind. Bei mittleren und schweren Verlaufsformen der Krankheit sind die Behandlungszahlen von Männern und Frauen nämlich vergleichbar.

4. Depressionen werden immer häufiger

Ja, das sollte man meinen. Nimmt doch der Druck in unserer Gesellschaft immer weiter zu: Arbeitsverdichtung, Informationsflut, immer mehr Stress. Zu wenig Zeit für Ruhe und Ausgleich. Tatsächlich hat die Zahl der Diagnosen zugenommen. Experten geben allerdings Entwarnung. Früher gab es vermutlich nicht weniger depressive Menschen. Es wurde nur nicht offen über die Schwermut und ihre Symptome gesprochen.

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Heute ist das Tabu aufgebrochen. Durch Aufklärungsarbeit, aber vielleicht auch, weil sich Stars wie Robbie Williams oder Justin Bieber geoutet haben. Betroffene begeben sich früher in Behandlung. Ärzte sind heute besser in der Lage, eine Depression zu diagnostizieren. So entsteht der Eindruck, dass Depressionen häufiger sind.

5. Antidepressiva machen abhängig

Ein Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Antidepressiva beeinflussen den gestörten Stoffwechsel im Gehirn. Sie fördern die Signalwirkung von Botenstoffen wie Serotonin und Noradrenalin und sorgen für eine Normalisierung der Prozesse im Gehirn. Das tun sie allerdings sehr langsam. Ein Patient merkt erst nach ein bis zwei Wochen Einnahme erste Verbesserungen. Um den Zustand längerfristig zu stabilisieren, muss er die Medikamente mindestens vier bis sechs Monate einnehmen. Wichtig dabei: Antidepressiva dürfen nicht abrupt abgesetzt werden. Aber sie machen weder high noch süchtig.

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