China Weihnachten Deko
Huang Jinhe verkauft in seinem Laden das ganze Jahr lang Weihnachtsartikel. Bild © ARD

Yiwu im Osten Chinas ist auf den ersten Blick eher unscheinbar. Lange Straßenzüge und Büro-Hochhäuser prägen das Stadtbild. Was man zunächst nicht sieht: In Yiwu werden rund 60 Prozent der weltweiten Weihnachtsartikel hergestellt.

Das vermutlich deutscheste Produkt in seinem Laden sei eine Spieluhr. Kunden in Deutschland verlangten Qualität, sagt Huang Jinhe.  Auch die kleinen weißen Stoffsternchen verkauften sich gut auf deutschen Weihnachtsmärkten und in den Deko-Abteilungen der großen Supermärkte. Huang steht in seinem Laden zwischen Dutzenden, rund drei Meter hohen Regalen, vollgepackt mit Weihnachtskram.

13 Cent die Tüte

Es sind vor allem kleinteilige Artikel: zum Beispiel weiß beflockte Christbaumkugeln, grün-goldene Glitzer-Sternchen, kitschig-blinkende Heiligen-Bilder und Krippenfiguren, die zwar nach Erzgebirge aussehen, aber ganz klar Made in China sind, genauergesagt: Made in Yiwu. Huang Jinhe nimmt eine Packung Gold-Rot-Glitzernde Deko-Schleifen aus dem Regal. "Eine Tüte kostet umgerechnet 13 Cent. Billigware! Mindestbestellmenge: einige Hundert Tüten", sagt er.

Huangs Laden befindet sich innerhalb des sogenannten internationalen Handelsmarktes von Yiwu, einem mehrere Quadratkilometer großen Gelände mitten in der ostchinesischen Stadt. Es reiht sich Laden an Laden, von Klamotten über Elektronik-Ware, von Schreibwaren bis eben zu Weihnachtsartikeln gibt es fast alles. Und zwar das ganze Jahr über.

Stofftiere nach Russland, Christbaumkugeln nach Deutschland

China Weihnachten Deko 2
Bild © ARD

"Dieses Jahr ist alles angesagt, was aus Stoff ist. Weihnachts-Stofftierchen zum Beispiel. Die verkaufen sich besonders gut in Russland. In Deutschland geht der Trend wieder zur Christbaum-Kugel-Optik. Vor allem in weiß." Rund 20 Mitarbeiter in Huangs Firma sind das ganze Jahr über auf der Suche nach neuen Trends. Sie entscheiden mit darüber, wie der Weihnachtsschmuck aussieht, der am Jahresende in Deutschland verkauft wird. "Unsere Trendscouts besuchen Messen im Ausland und schauen sich im Internet um."

Eine blinkende, singende Weihnachtsmann-Mütze zielt auf den südamerikanischen Geschmack. Deswegen singt sie auch auf Spanisch. Europäer mögen es lieber schlicht, sagt Huang Jinhe, zeigt auf einen rund 20 Zentimeter großen Deko-Weihnachtsbaum aus Plastik: „Diese Bäume hier lassen wir in riesigen Stückzahlen produzieren. Die sind sehr billig. Pro Stück kosten die bei uns umgerechnet 26 Cent. Kaum zu glauben, oder?“

Staubig, heiß, nicht sehr weihnachtlich

China Weihnachten Arbeiter
Bild © ARD

Wer wissen will, wo die Made-in-China-Plastikbäume genau herkommen, muss in ein Gewerbegebiet rund 20 Minuten außerhalb von Yiwu. Auf vier Stockwerken entstehen hier aus einfachem Draht und einer Menge grüner Plastikfolie Weihachtsbäume. Jin Minghua ist eine von rund 60 Arbeiterinnen und Arbeitern hier in der Fabrik. "Das ist der erste Schritt: Hier werden die Zweige mit den künstlichen Nadeln dran hergestellt. An dieser Maschine werden die Zweige gerollt", erklärt sie.

Die rund vier Meter lange Maschine spuckt unablässig mit grünem Plastik umzwirbelten Draht aus. Ein Arbeiter schneidet von diesem Endlos-Tannenzweig rund 50 Zentimeter lange Stücke ab. Ein Stockwerk höher stehen zehn junge Männer an großen Tischen. Oberkörper frei. Es ist staubig und heiß. Nicht sehr Weihnachtlich. Ventilatoren laufen.

Bezahlt wird pro Baum

Die Männer wickeln die künstlichen Tannenzweige um einen Stamm aus dünnem Metall, fixieren das Ganze mit Klebeband. Immer wieder dieselbe Tätigkeit, bis zu zehn Stunden am Tag. Bezahlt werden sie nicht nach Stundenlohn, sondern pro Baum. Ein Arbeiter kann so bis zu 1.100 Euro im Monat verdienen. "So sieht das fertige Produkt aus! Drüben in der anderen Werkstatt wird dann noch alles verpackt", so Jin Minghua.

China Weihnachten Arbeiter 2
Bild © ARD

Vorher werden die Bäume aber noch geschmückt. Von Arbeiterinnen wie Jin Yixia. Während ihre beiden Töchter in der Schule sind, dekoriert sie hier halbtags Weihnachtsbäume: "Ich schmücke die Bäume mit Glitzer-Lämpchen. Ich mache die Bäume also noch hübscher! Alles per Handarbeit." Im Gegensatz zu vielen Freunden feiern die 45-Jährige und ihre Familie Weihnachten, sagt sie. Um den Baum zum Fest müsse sie sich keine Sorgen machen. „Zu kaufen brauche ich natürlich keinen Baum… ich nehme mir hier einen aus der Fabrik mit! Wir Chinesen lieben Christbäume doch noch mehr als die Leute an anderen Ländern!“ 

Aus Respekt in die Kirche

Zurück im Weihnachtsartikel-Laden von Huang Jinhe: Gerade sind einige Kartons mit Keramik-Krippen-Figuren angekommen. Bei der Frage, ob auch er mit seiner Familie Weihnachten feiert, legt er die Figuren kurz beiseite und wird nachdenklich. "Wir sind eine buddhistische Familie. Wegen meines Berufs gehen wir aber immer an Weihnachten alle gemeinsam in die Kirche. Ich verkaufe Weihnachtsprodukte. Da sollte ich der Religion ein bisschen Respekt zeigen."

Weitere Informationen

Das Thema

...in der Übersicht
...als Podcast

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm