Strommast bei Frankfurt
Strommast bei Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Die Energiewende stellt Stromnetzbetreiber wie Tennet vor immer größere Probleme. Denn nicht immer ist genügend Wind da; manchmal aber auch viel zu viel. Dann muss Tennet blitzschnell reagieren, damit es nicht zum Blackout kommt.

Das Kontrollzentrum von Tennet: Die Mitarbeiter schauen konzentriert auf ihre Computerbildschirme. Sie haben das Stromnetz ständig im Blick, von Schleswig-Holstein über Hessen bis Bayern: Auf den Bildschirmen erscheint ein Labyrinth aus Linien und Punkten. Die Linien sind Stromtrassen, die kreuz und quer durch Deutschland verlaufen. Die Punkte sind zum Beispiel die großen Offshore-Windräder in der Nordsee. Sie liefern Strom für ganz Deutschland, erklärt Volker Weinreich, der Leiter des Kontrollzentrums: "Von hier aus kontrollieren wir, dass die Anlagen laufen und auch, wie viel Energie vom Meer an Land gebracht wird. Auch hier kommt es heute schon zu Einschränkungen, dass wir nicht alles, was auf der Nordsee produziert werden kann, tatsächlich auch aufnehmen."

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Bei Sturm produzieren die großen Windräder in der Nordsee so viel Strom, dass die Leitungen ihn gar nicht aufnehmen können. "Wenn wir eine Stromleitung zu hoch belasten, würde das am Ende dazu führen, dass die Stromleitungen ausfallen, das heißt, abgeschaltet werden müssen", sagt Weinreich. "Unsere Aufgabe ist es, genau das zu vermeiden: dass das Stromnetz in irgendeiner Form nicht mehr vollständig zur Verfügung steht."

Im akuten Ernstfall leuchten auf dem Bildschirm rote Lichter auf und ein Alarmsignal ertönt, ein Gong, der zur richtigen Maßnahme ruft, so Weinreich. Dann wird es hektisch im Kontrollzentrum, damit es keinen Blackout gibt. "Da müssen wir eingreifen und fahren diese Windenergieanlagen runter und ersetzen den Energiebedarf in Süddeutschland durch das Hochfahren konventioneller Kraftwerke wie Gas oder Kohle."

Mehr als tausend Eingriffe pro Jahr

Kommt eine Sturmfront auf die Nordseeküste zu, wissen das die Mitarbeiter im Kontrollzentrum schon zwei Tage vorher – dank einer guten Wettervorhersage. Sie greifen dann zum Telefon, rufen die Kraftwerksbetreiber im Süden an und warnen sie vor, damit sie auch rechtzeitig ihren Strom liefern. Es darf nämlich keine Lücke geben. Auch bei Windstille müssen Atom- und Kohlekraftwerke einspringen. Das kommt immer häufiger vor, sagt Weinreich: "Vor 15 Jahren mussten wir etwa zwei bis fünf mal in das Netz eingreifen jährlich; mittlerweile sind wir bei 1000 bis 1500 Eingriffen jedes Jahr." Die Energiewende bedeutet also für die Männer und Frauen im Kontrollzentrum bei Hannover immer mehr Arbeit. Und ständige Bereitschaft: "Wenn Sie sagen, das Netz ist auf Kante genäht: ja natürlich, ohne geeignete Maßnahmen wäre das Netz heute schon überlastet", sgat Weinreich. "Es funktioniert nicht mehr ohne tägliche Eingriffe der Mitarbeiter, die dieses Netz führen.“

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Tennet will deshalb die Leitungen ausbauen, damit mehr Strom hindurch fließen kann. Auch die umstrittene Südlink-Trasse von Niedersachsen bis Bayern gehört dazu, eine Art Autobahn für Windenergie. Doch bis dieser Netzausbau fertig ist, dauert es noch Jahre. Bis dahin müssen die Mitarbeiter im Kontrollzentrum bei Hannover immer auf der Hut sein, damit es keinen Blackout gibt.

Sendung: hr-iNFO 28.11.17, 06:10 Uhr

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