Ein Mann hält Raupen hoch
Insekten und Raupen stehen in vielen Ländern auf dem Speiseplan Bild © picture-alliance/dpa

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen anwachsen. Doch wo soll die Nahrung für alle herkommen? Sind Insekten als Fleischersatz die Lösung?

Felicité Malla lebt in Yokadouma im Westen von Kamerun. Hier im Herz von Afrika gehören Insekten zur Alltagsnahrung. Felicité verkauft Raupen auf dem Markt , für sie ist das Essen von Insekten nichts Ungewöhnliches. „Die Raupen sind wirklich voller Vitamine und Eiweiß, vor allem aber Vitamin A und B“, sagt sie. „Geeignet sind sie auch für Neugeborene und Kleinkinder. Man kann Brei aus dem Fleisch der Raupen herstellen, Kinder essen das gern und es ist sehr lecker. Raupen sind sehr nahrhaft.“

Felicité folgt damit einer Empfehlung der Welternährungsorganisation FAO. Die spricht sich seit 2013 in einer Schrift verstärkt für die sogenannte „Entomophagie“ aus, also das Essen von Insekten. Raupen, Larven, Grillen, Heuschrecken - all diese Tiere sollen in den Topf und damit den immensen Eiweißbedarf der schnell wachsenden Weltbevölkerung decken. Der Vorteil, so die FAO:  Insekten brauchen für die Produktion von Eiweiß weniger Futter als Rinder oder Schweine. Insekten können demnach aus zwei Kilogramm Nahrung ein Kilogramm Eiweiß produzieren; Rinder brauchen umgerechnet mehr als vier Mal so viel Futter - und ihre Magengase wie Methan tragen in Massentierhaltung zum Treibhauseffekt bei.

Raupen als Nahrung in Kamerun
Die Raupen werden in Kamerun getrocknet gegessen Bild © hr

Zucht steckt noch in den Kinderschuhen

Dabei gelten für die Insekten dieselben Regeln wie für unsere gewohnten Nutztiere, sagt Dr. Arthur Schiffmann vom Hessischen Landeslabor in Gießen: „Es gibt derzeit ungefähr 1900 Insektenarten, die als essbar eingestuft werden. Wie beim Fleisch gibt es verschiedene Insektenarten, die sich beim Eiweiß- und Fettanteil unterscheiden, es gibt unterschiedliche Eiweißanteile, je nachdem, ob das Tier noch wächst oder adult ist.“

Das stört die mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Welt nicht, die jetzt schon Insekten essen. Es könnte aber bei der Zucht eine Rolle spielen: Mehlwürmer, Rüsselkäfer, Heuschrecken und Co. werden nämlich im Moment meist wild gefangen und dann verzehrt. Die Zucht steckt noch ganz am Anfang. Knackpunkt dabei: Das Futter für die Insekten müsste dann einwandfrei sein und bei einer massenhaften Zucht befürchten Kritiker einen genauso hohen Einsatz von Antibiotika wie bei anderen Massentierhaltungssystemen.

Auch Insekten brauchen hochwertige Nahrung

Außerdem müsste dann auch für die Insekten extra Futter angebaut werden, so Arthur Schiffmann: „Man muss natürlich dazu sagen:  Insekten, die man als Lebensmittel züchtet, sind  keine Abfallentsorgungsinstrumente, sondern auch hier wird hochwertige Nahrung von den Insekten verarbeitet zu tierischem Eiweiß.“

Und so steckt die professionelle Zucht von Insekten als Nahrungsmittel weltweit noch in den Kinderschuhen. Mit den Insekten den Hunger in der Welt effektiv bekämpfen: das ist Moment noch ein Wunschbild.

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