Maschinengewehr der Wehrmacht in Illkirch-Kaserne
Bundeswehrkaserne Illkirch: eine Maschinenpistole vom Typ MP 40, die bei der Deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde, und ein Wandbild eines deutschen Soldaten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs In der Kaserne war der terrorverdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert. Bild © picture-alliance/dpa

Nach der Festnahme des rechtsextremen Offiziers Franco A. will Verteidigungsministerin von der Leyen entsprechenden Tendenzen in der Bundeswehr auf die Spur kommen. Auch die Lieder der Bundeswehr hat die Ministerin als kritikwürdig entdeckt, denn die größten Hits aus Wehrmachtszeiten sind zum Teil auch heute noch Evergreens.

Konkret geht es um das Buch „Kameraden singt“, das jeder Soldat kostenlos auf Anfrage bekommt und über dessen Inhalt sich seit über 26 Jahren niemand große Gedanken gemacht hat. Klein und handlich ist das Büchlein, auf dem Cover sind Fotos von Bundeswehr-Soldaten am Lagerfeuer, beim Bergklettern, bei Manövern. Singen ist ein alter Soldatenbrauch, steht im Vorwort, und das Liederbuch solle dazu beitragen, dass in der Truppe wieder mehr gesungen wird.

Rund die Hälfte sind Volks- und Folklore-Lieder, wie man sie zum Beispiel aus der Mundorgel kennt. Der Rest ist unter Marschliedern oder Soldatenliedern zusammengefasst - unter anderen „Ob's stürmt oder schneit", auch Panzerlied genannt. In einer Strophe heißt es: "Mit donnerndem Motor, so schnell wie der Blitz, dem Feinde entgegen, im Panzer geschützt. Voraus den Kameraden im Kampf ganz allein. So stoßen wir tief in die feindlichen Reih'n."

Unverändert ist der Text bis heute so, wie er damals in der NS-Zeit gedichtet wurde. Das Verteidigundministerium moniert jetzt, das Lied wurde missbraucht, als Ausdruck nationalsozialistischer Überhöhung. Es geht also auch um den Zusammenhang, nicht nur um die Texte selbst, die ohnehin schon für die Ausgabe 1991 kritisch eingekürzt wurden. Das gilt auch für „Schwarz-braun ist die Haselnuss“, gerne angestimmt in der Hitlerjugend, aber eben auch in Konzentrationslagern.

Der Zusammenhang ist wichtig

Man darf darüber streiten, ob die Lieder gesungen werden sollten oder nicht: Aber in welchem Zusammenhang sie bekannt wurden und gesungen wurden, sollte man dabei nicht vergessen. Gutes Beispiel: Das Westerwald-Lied. Schöne, eingängige Melodie – gut nachvollziehbar , dass man das auf Wanderungen und Märschen anstimmt. Aber dieses Lied war sozusagen einer der Hits der Wehrmacht, europaweit bekannt.

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Das weiß jeder, der das Liederbuch aufschlägt, denn es wird in der Fußnote erklärt: „Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Es hat - vor allem im Ausland – Signalcharakter für das der Bevölkerung zugefügte Unrecht des Krieges. Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird." Oder ob es überhaupt noch etwas im Liederbuch zu suchen hat. Unabhängig davon: Einen solchen Kommentar hätte man sich auch bei den anderen Lieder gewünscht. Gerne auch noch detaillierter. Ansonsten ist das Liederbuch der Bundeswehr eine Zusammenstellung von Altbekanntem - wie "Hoch auf dem gelben Wagen", "Im Frühtau zu Berge" und "Wir lagen vor Madagaskar".

Die Bundeswehr und ihre Traditionen: von einigen in der Truppe werden sie noch heute falsch verstanden. Die Macher des Liederbuches für die Bundeswehr waren 1991 ein bisschen gedankenlos, ein wenig kritisch, aber nicht zu sehr. Und - das darf man ruhig zugeben - auch für positive Überraschungen gut: wie mit "When the saints go marching in" von Louis Armstrong.

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