Tom Cruise in "Minority Report"
Tom Cruise in "Minority Report" Bild © Imago

Im Film "Minority Report" werden Menschen davon abgehalten, Verbrechen zu begehen, bevor sie sie verüben können. Der Dokumentarfilm "Pre-Crime" zeigt, dass die Realität die Science Fiction längst eingeholt hat.

Eines Tages klingelte es an der Haustür von Robert McDaniel, einem jungen schwarzen Mann in Chicago. Zwei Polizisten stehen an seiner Tür und warnen ihn, er werde überwacht. Alles war sich McDaniel zu Schulden kommen ließ war, daß er in einem armen Viertel der Stadt wohnt und sein guter Freund Opfer eines Mordes wurde. Diese beiden Faktoren brachten ihn auf die Liste von Verdächtigen der Polizei. Wie er auf die Liste kam, das konnte ihm aber keiner sagen. Darum geht es in der packenden Dokumentation "Pre-Crime" von Monika Hielscher und Matthias Heeder.

"Es gibt keine Gesetzsprechung, es gibt kein formales Verfahren, es gibt kein Angebot, wie jemand der auf der Liste ist, Infos erhalten kann, darüber warum und wie komme ich darunter", sagt Heeder. "Als wir begriffen hatte, was da passiert, da läuft einem schon ein Schauer über den Rücken."

Algorithmen zur Prävention

In Chicago werden seit Jahren Algorithmen erforscht, die Verbrechen verhindern sollen. Die Polizei füttert Computer mit Daten, banale Daten wie Alter, Wohnort und Hautfarbe, aber sie erstellt auch Personenprofile: Wo hält sich die betroffene Person auf, mit wem hat sie Kontakt, welche Seiten sucht sie im Internet auf. Verdächtige Personen werden häufiger kontrolliert, aber jeder Kontakt mit der Polizei schlägt sich negativ auf die Punktzahl nieder. Ein Teufelskreis, aus dem verdächtige Personen nicht mehr herauskommen.

Software Precobs
Mit der Prognosesoftware Precobs will die Polizei Kriminalität vorhersagen können. Bild © picture-alliance/dpa
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"Das sind Schicksalmaschinen", sagt Heeder. "Algorithmen sind Schicksalsmaschinen. Weil sie über ihr Leben entscheiden." Die computergenerierten Listen klassifizieren alle Menschen. Jeder bekommt Punkte. Egal ob Täter oder Opfer. Man muss also gar nicht gewalttätig sein, um auf die Liste zu kommen. Eine ziemlich gruselige Vorstellung, die aber in autokratischen Staaten wie China erklärtes Ziel sind. Auch in Deutschland werden Algorithmen angewendet, um Täter zur Strecke zu bringen, sagt Kriminalkommissar Günter Okon von der Kripo München.

Wie schon bei Steven Spielberg

"Musterhaftes Verhalten von Tätern kann durch Algorithmen, durch Statistiken erkannt werden", sagt Okon. "Und es ist so das in dem Gebiet, wo schon mal eingebrochen wurde eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass wieder eingebrochen wird. Das sind einfach statistische Aussagen." Statistik – also Computer entscheiden über Polizeieinsätze – nicht mehr Menschen. Die Dokumentation „Pre-Crime“ rüttelt auf – und wirft ein beunruhigendes Schlaglicht darauf, was wir schon bald erwarten müssen.

"Der Begriff 'Pre-Crime' Kommt von dem Film 'Minority Report' von Steven Spielberg, in dem eine Vorhersage getroffen wird über die Straftat eines Individuums das diese Straftat noch nicht begangen hat", sagt Okon. "Und eine Verhaftung wird präventiv vorgenommen, bevor die Straftat begangen wird."

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Der Dokumentarfilm macht klar: Pre-Crime ist kein Science Fiction mehr. Spätestens jetzt brauchen wie eine gesellschaftliche Debatte über das Verhältnis von Technologie und Demokratie. Sonst werden wir bald willkürlichen Kontrollen ausgesetzt sein, wie Robert McDaniels in Chicago.

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Sendung: hr-iNFO, 12.10.2017, 6.10 Uhr

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