IS
Standbild eines undatierten Propaganda-Videos, das vom IS am 19.05.2017 ins Internet gestellt wurde Bild © picture-alliance/dpa

Die Terrormiliz wird aus ihren einstigen Machtzentralen im Irak und in Syrien immer weiter zurückgedrängt – und schwört auf Rache. Aufrufen zu neuen internationalen Anschlägen im heiligen Ramadan folgten Taten: in Kabul, in Bagdad, in London und Teheran. Wird der IS unter Druck noch gefährlicher?

Die jüngste  Audio-Botschaft  der IS-Propaganda-Abteilung  enthält  Durchhalteparolen: "Löwen von Mossul, Raqqa und Tal Afar", heißt es da an die Terroristen gerichtet, die in ihren einstigen Machtzentralen im Irak und in Syrien immer weiter zurückgedrängt werden.  "Kämpft wie ein Mann gegen die Ungläubigen und Abtrünnigen". Gemeint sind die verfeindeten schiitischen Muslime.

Gleich danach folgt ein Aufruf zu neuen internationalen Anschlägen im heiligen Ramadan. Terror statt Einkehr – ein weiteres Mal wird der islamische  Fastenmonat hiermit perfide missbraucht.  Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurde die IS-Botschaft am Montag veröffentlicht. Die Authentizität des Audios könne nicht mit völliger Sicherheit bestätigt werden. Doch die Stimme des Mannes, der vorgibt, offizieller Sprecher des IS zu sein, ist die gleiche wie schon bei früheren Aufnahmen. Das klingt nach  Routine.

Mit dem Rücken zur Wand

In Wahrheit stehen die Dschihadisten mit dem Rücken zur Wand. In Syrien läuft der Sturm auf Raqqa. Kurdische und arabische Kämpfer der sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) konnten dabei in der vergangenen Woche die strategisch wichtige Zitadelle und große Wohngebiete aus den Händen des IS befreien, mit Unterstützung der US-Koalition aus der Luft.

Im nordirakischen  Mossul, genau wie Raqqa über drei Jahre  IS-Hochburg, meldeten Armee und  Sicherheitskräfte zuletzt  die "komplette Befreiung" des westlichen  Stadtbezirks al-Sindschili. Die Terrormilizen sollen jetzt nur noch einen Teil der Innenstadt unter Kontrolle haben. 

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi sieht den Fastenmonat Ramadan dabei  als gutes Omen für seine eigene Mission. Man werde "in diesen heiligen Tagen den Krieg für uns entscheiden." Die Terroristen hätten vor allem in der Altstadt enorme Zerstörung hinterlassen, "um uns zu demonstrieren, dass sie nicht kampflos aufgeben. Aber jetzt können wir sagen, dass wir die Sieger sein werden."

Wechsel zu Plan B: Zivilisten im Visier

Doch um welchen Preis? Militärisch in die Enge getrieben, schwört der IS auf Rache. Wie etwa in Bagdad: Wenige Tage nach Ramadan-Anfang sprengten die Terroristen  in der irakischen Hauptstadt mit einer Autobombe eine belebte Eisdiele in die Luft. Am Abend, als die Menschen nach dem langen Fastentag mit ihren Familien durch die Stadt spazierten, sich und ihren Kindern etwas Süßes gönnen wollten . Die feige Tat forderte Dutzende Todesopfer und Schwerverletzte.

So wie bei den anderen IS-Anschlägen seit Beginn des Fastenmonates:  im afghanischen Kabul, in London und zuvor  in der iranischen Hauptstadt Teheran. Dort ist der Islam Staatsreligion. Der schiitische Islam. Wie hieß es in der Audio-Botschaft ? "Abtrünnige".  Als Schutzmacht der Schiiten gilt der Iran für die Terroristen als größter Feind. Die iranische Führung rechtfertigte ihr militärisches Vorgehen in Syrien immer damit, dass man Anschläge verhindern wolle. Man begründete so auch die Finanzierung und Ausbildung von Milizen, die in Syrien und im Irak gegen den IS kämpfen. Aber  selbst diese umstrittene Taktik hat  den Terror  in Teheran nicht  verhindern können.

Dass der IS, wenn er unter Druck gerät, noch gefährlicher werden kann,  wird  allerdings  schon länger prophezeit. Der IS habe seine Strategen, die entschieden hätten, "zum Plan B zu wechseln", sagte Youssef al Kilaby, der Sprecher der irakischen Volksmobilisierungstruppen,  schon vor einem Jahr. "Statt Krieg gegen uns zu führen, zielen sie jetzt auf Zivilisten."

So bekämen die IS-Terroristen  Aufmerksamkeit - "bei uns, in der Region, in der ganzen Welt. Militärisch sind sie mit ihrem Kampf dann am Ende", so der Militärexperte al Kilaby. Bislang hat er sich getäuscht. Der IS kämpft - wenngleich angeschlagen - immer noch und terrorisiert zusätzlich die Welt mit seinen Anschlägen.

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