Ein Autofahrer schaut auf sein Smartphone
Gefährlich: Smartphone am Steuer Bild © picture-alliance/dpa

Ablenkung durch Handys ist besonders im Straßenverkehr ein Problem: Sie kann tödlich enden. Damit das Risiko verringert wird, aber der Fahrer dennoch über sein Smartphone kommunizieren kann, wird die Autoindustrie erfinderisch.

Autofahren und Alkohol - das ist für viele ein Tabu. Während der Fahrt aber das Telefon am Ohr zu haben oder eine Nachricht zu lesen oder zu schreiben, das ist Alltag. Auch nachdem sich die Strafen erhöht haben: 100 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister, bei Unfall jeweils das Doppelte und Fahrverbot. Dennoch wird es immer noch als Kavaliersdelikt angesehen.

Audiobeitrag
Das Thema

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Wissenswert: Auto-Ablenkung durchs Handy

Ende des Audiobeitrags

Dabei gehört das Handy zu den häufigsten Unfallursachen und hat den Alkoholeinfluss als Unfallgrund weit hinter sich gelassen. In den Sekunden, in denen der Fahrer nicht auf die Straße schaut, steigt die Unfallgefahr um das 23-Fache; wer bei Tempo 50 nur fünf Sekunden lang den Blick von der Fahrbahn abwendet, legt etwa 70 Meter im Blindflug zurück.

Laut einer Allianz-Studie von 2016 ist jeder zehnte Unfall mit Getöteten im Straßenverkehr auf Ablenkung zurückzuführen. Im Jahr 2015 "starben fast 3.500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen", heißt es darin. "256 davon, weil einer der Unfallbeteiligten alkoholisiert war. Deutlich mehr Personen (etwa 350) kamen durch Ablenkungsunfälle ums Leben." Dabei ist die Dunkelziffer nach Polizeimeinung noch um einiges höher, da die Unfallverursacher kaum zugeben, abgelenkt gewesen zu sein, und die Beamten das Telefon nicht selbstverständlich als Beweismittel auswerten dürfen.

Schlagwort: Connectivity

Das Problem hat die Autoindustrie erkannt. Connectivity ist das Schlagwort, das hierfür verwendet wird. Der Autofahrer soll auch im Auto weiterhin auf allen Wegen erreichbar sein und die Systeme im Auto selbst durch mobile Daten ergänzt werden. Deswegen ist es wichtig, diese Systeme möglichst sicher im Auto zu integrieren.

Das Telefonieren in einem Auto per Freisprechanlage ist natürlich möglich - aber eigentlich schon fast wieder out. Wichtiger ist heute etwa der Empfang und das senden von Nachrichten. Bei BMW z. B. werden neue E-Mails auf dem Display des Autos angezeigt. Es gibt aber aus Sicherheitsgründen Einschränkungen: Eine Antwort wird mittels Spracherkennung diktiert. Nicht bei allen Autoherstellern ist das möglich. Bei Mercedes sieht man auch im Diktieren eine zu große Ablenkung und lässt dies nur im Stand zu.

Günstige Lösungen mit Smartphones

Nachrichten vorlesen lassen, das Smartphone mit dem Auto verbinden - das ist aber grundsätzlich kein Alleinstellungsmerkmal mehr für große und teure Autos. Auch bei Kleinwagen gibt es mittlerweile Lösungen dafür. So kann man sich etwa auch in dem kleinen Opel-Modell Corsa oder Karl neue Nachrichten vorlesen lassen und auf diese Antworten.

Audiobeitrag
Das Thema

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Podcast

zum Artikel Tut der Staat genug gegen Handys am Steuer?

Ende des Audiobeitrags

Vor allem bei den günstigeren Autos setzen die Hersteller darauf, Software, Rechenleistung und Mobilfunkverbindung des Smartphones zu nutzen und das Display des Autos nur als Widergabe und Steuereinheit zu verwenden. Das geht in der Regel mit Apple wie auch mit Android-Smartphones.

Besitzer älterer Autos können diese Funktion mit speziellen Radios nachrüsten - oder es auch direkt mit dem Smartphone versuchen. Android Auto etwa funktioniert auch, ohne an ein Auto angeschlossen zu sein. Dann wechselt das Handy in einen speziellen abgespeckten Modus und ist auch per Spracheingabe zu steuern. Mit einer Halterung am Amaturenbrett kann man dann realtiv einfach und Preiswert das Smartphone auch legal im Auto nutzen.

Weitere Informationen

Strafen für Handynutzung am Steuer

  • In Deutschland gibt es ein Bußgeld von 100 Euro und einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung erhöht sich die Strafe auf 150 Euro und bei Sachbeschädigung auf 200 Euro. In diesen Fällen gibt es jeweils zwei Punkte.
  • In der Schweiz beträgt das Bußgeld umgerechnet knapp 86 Euro. Wenn die Hanynutzung als grobe Verkehrsregelverletzung eingestuft wird, kann es aber teurer werden. Außerdem drohen dann der Führerscheinverlust und bis zu drei Jahre Haft.
  • Mit die strengste Regelung gibt es in Italien: Hier müssen Autofahrer bis zu 646 Euro zahlen, wenn sie das Handy am Steuer nutzen; außerdem droht der Führerscheinverlust. Über noch härtere Strafen wird diskutiert.
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 30.11.2017, 6.10 Uhr

Jetzt im Programm