IAA
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Die Automobilbranche will sich auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt von ihrem Schmuddelimage befreien. Das wird nicht klappen, meint unser Kommentator. Zumindest nicht dieses Jahr.

"Zukunft erleben" – unter diesem Motto zeigen sich VW, BMW Mercedes und Co. dieses Mal auf der IAA. Das soll signalisieren: Die Branche hat begriffen. Dieselskandal, Kartell-Vorwürfe, drohende Fahrverbote, politischer Druck durch strengere Grenzwerte, die Autobauer standen noch nie so sehr in der Schmuddelecke wie zu dieser IAA. Und das selbstverschuldet. Punkt.

Jahrelanges Lügen und Betrügen, Tricksereien am Rande der Legalität und jetzt – so mir nichts dir nichts – ab in eine wunderbare saubere Auto-Zukunft? Mir fällt es schwer nach den Erfahrungen der letzten Jahre, wirklich daran zu glauben.

Hersteller, Politik, Kunden

Vor zwei Jahren, während der letzten IAA, ist der Dieselskandal bekannt geworden. Zwei Jahre in denen die Autobauer in meinen Augen vor allem eines gemacht haben: den Status Quo verteidigen – auf Verbrennungsmotoren beharren, den Diesel als klimafreundlich über den grünen Klee loben. Das ist mir einfach zu wenig.

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Dabei sind die Hersteller nur ein Teil des Problems: Die Politik spielt eine ähnlich unrühmliche Rolle und ein Teil des Problems sitzt am Steuer. Denn auch die Autofahrer könnten zeigen, wie ernst es ihnen mit saubereren und sparsamen Autos tatsächlich ist. Allerdings verlangen sie nach immer mehr technisch hochgerüsteten SUVs. Es ginge auch kleiner, sparsamer und damit umweltfreundlicher.

Vertrauen nachhaltig zerstört

Gut, viele Hersteller zeigen während der Messe tatsächlich neue Elektro-Autos. VW, BMW und Daimler wollen Dutzende Modelle anbieten. Schön. Was mich aber zweifeln lässt: Es sind nach wie vor vor allem Versprechen für die Zukunft. 2021, 2025, 2030 sollen sie kommen, 400, gar 700 Kilometer weit fahren, sie sollen in Minutenschnelle aufgeladen werden und, zu schön um wahr zu sein, sie sollen bezahlbar sein.

Vollmundige Ankündigungen habe ich in den letzten Jahren genug gehört und die Hersteller haben das Vertrauen zu nachhaltig zerstört. Zu viele Fragen sind offen, zum Beispiel die der Ladeinfrastruktur. Und so erwarte ich von der IAA mal wieder eine Auto-Show. Ob die Branche wirklich begriffen hat, wie ernst es ist, dass wird sich, befürchte ich, erst in den nächsten Jahren zeigen.

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Der Standpunkt gibt die Meinung des Autors und nicht die der Redaktion wieder.

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Sendung: hr-iNFO, 12.9.2017, 6.40 Uhr

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