Feldbewässerung
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Der vergangene Winter war so trocken wie selten zuvor. Das hat Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Noch reicht es, aber wenn der Klimawandel sich so weiterentwickelt, könnte es zu Engpässen führen.

Die Trinkwasserquelle Gieserborn im Spessart: Mitten im Wald bei Biebergemünd an der hessisch-bayrischen Landesgrenze. Ein Brunnenhaus im Stil einer gotischen Kirche. Hier fließt die Bieber, ein Zufluss der Kinzig. Das Wasser wird hier in einer Aufbereitungsanlage durch kalkhaltiges Gestein gefiltert, damit es Trinkwasserqualität erhält.

Das Wasser fließt und plätschert zwar munter vor sich hin. Doch es ist deutlich weniger als normalerweise, sagt Norbert Möller. Er arbeitet hier seit knapp 35 Jahren. "Hier im Spessart ist’s seit 35 Jahren nicht so trocken gewesen wie zum jetzigen Zeitpunkt", sagt er. "Es gab trockene Jahre 1976 und 96, die sind aber nicht ganz so extrem ausgefallen wie jetzt dieses Jahr." Normalerweise fließen hier rund zehn bis 18 Millionen Liter Wasser am Tag. Jetzt sind es nur sieben Millionen. Der Grund: Zu wenig Niederschläge im vergangenen Winter.

Regendefizit kann nicht aufgeholt werden

"Diese geringen Niederschläge, die wir gesehen haben im vergangenen halben Jahr, haben hier bei den Quellwassergewinnungsanlagen zu einem entsprechenden Rückgang des Trinkwasserdargebots geführt", sagt Hubert Schreiber vom Wasserversorger Hessenwasser. Schon der Winter 2015 war sehr trocken, genau wie der vergangene Sommer. "Lange Monate, seit Juli letzten Jahres eigentlich sind wir in nem Niederschlagsdefizit im Vergleich zum langjährigen Mittel. Und dementsprechend bleibt die Schüttung auch aus."

Das Problem: Die fehlenden Niederschläge des Winters können jetzt nicht mehr nachgeholt werden. "Der Regen, der jetzt noch käme, ist sicher für die Landwirtschaft wichtig", sagt Schreiber. "Für die Wasserversorgung ist es jetzt gelaufen, das hydrologische Jahr. Das hydrologische Jahr endet Ende April und was bis dahin nicht in der Scheune ist, das kommt auch nicht mehr, um es mal platt zu sagen. Wir haben jetzt Vegetation, wir haben warme Temperaturen, das Wasser verdunstet, das kommt gar nicht mehr im Grundwasser an."

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Hessenwasser ist Teil der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main. Die Wasserversorger stellen sich gegenseitig bei Bedarf Wasser zur Verfügung. Außerdem greift Hessenwasser auf andere Wassergewinnungsanlagen zurück, zum Beispiel auf gefiltertes Mainwasser. Trotzdem: Bei lang anhaltender Trockenheit im Sommer mit hohem Wasserbedarf könnte es zu einer Wasserknappheit kommen. In manchen Regionen müsste dann die Wassernutzung eingeschränkt werden.

Sorge um den Sommer

"Wir sehen durchaus mit einer gewissen Sorge einem Sommer entgegen, der vor dem Hintergrund der natürlichen Engpässe, möglicherweise zu einem Engpass in der Versorgung führen könnte, wenn es eben ein langer, heißer Sommer wird", sagt Schreiber. Der Wasserversorger hat sich zwar auf mehr Trockenheit durch den Klimawandel und eine wachsende Bevölkerung eingestellt. Doch die Wasserknappheit kommt jetzt wohl doch schneller als gedacht. "Was uns schon überrascht, ist die Dynamik, die diese Situation jetzt angenommen hat."

Schreiber sagt: Noch kann Hessenwasser den Mangel an Quellwasser kompensieren. Das Netz aus anderen Gewinnungsanlagen und der Kooperation mit anderen Wasserversorgern funktioniere. Doch über kurz oder lang müsse sich etwas tun. Im Gespräch sind zum Beispiel Rechte zur Förderung von Wasser aus dem hessischen Ried. Sie seien schon vor Jahren beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt worden, kritisiert Schreiber: "Wenn wir nicht anfangen, was zu tun, können wir das Problem in der Tat kriegen. Und es wäre, wenn es denn soweit kommt, vermeidbar gewesen."

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