eingeschweißte Salatgurken
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Immer häufiger wird Obst und Gemüse verpackt. Laut Naturschutzbund NABU ist der Kunststoffbedarf bei Obst seit 2000 um fast 80 Prozent gestiegen, bei Gemüse waren es sogar mehr als 160 Prozent. Das wird mehr und mehr auch zum Problem für den Handel, denn immer mehr Kunden stört das viele Plastik.

Großeinkauf in einem Marburger Einkaufszentrum: Zwischen Aldi und Tegut schieben die Kunden nicht nur Wagen voller Obst und Gemüse zu ihren Autos, sondern auch Wagen voller Plastikmüll. EU-Weit produziert niemand so viel Verpackungsmüll wie die Deutschen. Während in letzter Zeit viele Großketten wie Lidl oder Rewe die Plastiktüten von ihren Kassen verbannt haben, knistert es an den Obst- und Gemüsetheken weiter.

Äpfel im Sechserpack und eingeschweißte Gurken gibt es bei Aldi. Und auch Tegut verkauft Mangos in Folie und Bio-Tomaten im Plastikschälchen. Das hat Gründe: Manche Produkte bleiben in der Plastikhülle länger frisch, vor allem aber können sie so leichter etikettiert werden. Kunden wie Katharina und Tillmann stört das trotzdem, gerade bei Bioprodukten: "Also wenn man am Regal steht und Biogurken sieht, die noch mal in Plastik verpackt sind – das ist doch genau an der Sache vorbei, die man mit Bioprodukten eigentlich erreichen will."

Kunden wollen weniger Verpackung

Immer mehr Kunden fordern deshalb ein Umdenken der Händler. In einer Umfrage der Bundeszentrale für Ernährung haben 70 Prozent der Befragten gesagt, sie suchen im Laden sogar gezielt nach Produkten mit wenig zusätzlicher Verpackung. Einige Händler reagieren darauf: Rewe, zum Beispiel, testet gerade, ob die Kunden ihr Obst und Gemüse auch in Mehrweg-Behältern oder Netze statt in dünne Tütchen füllen würden.

Immer beliebter werden auch Alternativ-Läden, die ihre Ware mit keiner oder kaum Verpackung anbieten. Wie auch im  Obst- und Gemüseladen Heinzelmännchen in der Marburger Obsterstadt. Hier bedient die Inhaberin Claudia Gerdes die Kunden vor der großen Theke und fragt: "Haben Sie eine Tasche dabei? Und dann stellen die ihren Korb hin und dann packen wir das ein. Ein Schälchen Himbeeren – das packen wir dann auch mal in Zeitungspapier ein, damit nichts raus kullert."

Papiertüten gibt es auch, aber Claudia Gerdes ermutigt ihre Stammkunden, eigene Behälter mitzubringen. Und sie stellt fest: Die Kunden werden sensibler für Verpackungsmüll. Manche Kunden bringen von daheim  nicht nur einen Jutebeutel mit, sondern auch einen gebrauchten Eierkarton.

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Das Milliardengeschäft mit Plastikverpackungen

Knapp die Hälfte aller Verpackungen ist aus Kunststoff, ein Drittel ist aus Papier und Pappe. Der Rest besteht aus Metall, Glas und Aluminium.

In Deutschland werden jedes Jahr vier Millionen Tonnen Kunststoff-Verpackungen hergestellt für Tüten, Folien, Joghurtbecher oder Flaschen. Die Verpackungshersteller verbuchen damit jährlich einen Umsatz von 14 Milliarden Euro.

Von Kunststoffverpackungen profitieren nicht nur die Hersteller sondern auch Lebensmittelfirmen und Entsorgungsbetriebe.

In Zukunft könnten aber Kunststoffe eine Alternative sein, die aus Abfällen aus der Landwirtschaft entstehen. Vorausgesetzt, sie kosten weniger als das billige Rohöl – nur dann wären Bio-Kunststoffe konkurrenzfähig.

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Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 02.11.2017, 06.05 Uhr

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