Die Tür eines Sprechzimmers steht halb offen
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Für die Genesung eines Patienten sind die richtigen Medikamente und Behandlungsmethoden entscheidend. Nicht weniger wichtig ist aber eine gute Verständigung zwischen Arzt und Patient. Wir haben vier Tipps, wie das gelingt.

1. Die Vorbereitung

Dr. Franziska Bässler ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie leitet die AG Kommunikation an der Uniklinik in Heidelberg - einer Klinik, die als ein Vorreiter bei der Arzt-Patienten-Kommunikation gilt. Sie sagt, dass sich nicht nur der Arzt auf ein Gespräch vorbereiten sollte, sondern dass auch der Patient schon im Vorfeld eine Menge dazu beitragen kann, dass die Kommunikation mit dem Arzt gelingt.

"Wenn Sie als Patient die Möglichkeit haben, ein Arzt-Patienten-Gespräch vorzubereiten, dann würde ich Ihnen empfehlen, überlegen Sie sich, welche Themen Ihnen wichtig sind, notieren Sie sich die Fragen, auf die Sie Antworten haben möchten, nehmen Sie diesen Zettel auch mit in das Arzt-Patienten-Gespräch, schreiben Sie auf, was der Arzt sagt. Und wenn Sie das möchten, nehmen Sie eine Person Ihres Vertrauens mit, die Sie gegebenenfalls auch in dem Gespräch unterstützen kann."

2. Auf Augenhöhe miteinander sprechen

Das hält Dr. Harald Ehrhardt von der Uniklinik in Gießen für extrem wichtig. Er ist dort als leitender Oberarzt in der Frühchen-Medizin – der Neonatologie – tätig. Sein Credo ist: ehrliches Interesse zeigen, nachfragen, die anderen ausreden lassen und ihren Standpunkt verstehen. Über Befunde nicht nur sprechen, sondern sie auch zeigen. Auch wörtlich auf Augenhöhe sprechen – das heißt: Der Arzt sollte nicht höher sitzen als der Patient und von "oben herab" mit ihm sprechen.

Und noch eins: "Tipp Nummer eins ist, dass man keine direktive Gesprächsführung wählt. Dass man nicht sagt: Sie müssen operiert werden oder wir machen jetzt das. Weil damit nehmen Sie dem Patienten jede Möglichkeit, nach Alternativen zu fragen. Der Patient wird überfahren. Und in dem Moment ist das Gespräch letzten Endes schon beendet, auch wenn Sie sich danach noch die Zeit nehmen, über mögliche Komplikationen oder mögliche Verläufe weiterzusprechen."

3. Dem Zeitdruck trotzen

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Die "Allianz für Gesundheitskompetenz"

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden im deutschen Gesundheitssystem jährlich 15 Milliarden Euro verschwendet, weil zwischen Ärzten und Patienten nicht genug und verständlich kommuniziert wird. Die Bundesregierung, die Spitzen der Verbände der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie alle großen Ärzte- und Patienten-Organisationen haben sich deshalb zu einer "Allianz für Gesundheitskompetenz" zusammengeschlossen.

Ziel ist die Entwicklung einer bundesweiten Strategie zur Förderung der Gesundheits- und Kommunikations-Kompetenz der Bevölkerung und aller im Gesundheitswesen Beschäftigten. Dazu soll unter anderem ein nationales digitales Gesundheitsportal aufgebaut werden, das wissenschaftlich überprüfte Angebote vernetzt und ständig aktualisiert. Eine Machbarkeitsstudie wird derzeit vom Gesundheitsministerium finanziert, Ende des Jahres könnte es losgehen.

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Jeder weiß, unter welchem Zeitdruck Ärzte arbeiten. Noch dazu bekommen sie das Arzt-Patienten-Gespräch kaum oder gar nicht vergütet. Zwar wird immer klarer, dass das nicht so bleiben kann, aber bis sich etwas ändert, wird es dauern. Derweil, sagt Dr. Bässler, versuchen die Ärzte, die knappe Zeit unter den Patienten gerecht und fair aufzuteilen. "Deswegen kann es eben auch passieren, dass ein Patient unterbrochen wird, was er wahrscheinlich als unhöflich wahrnimmt", sagt sie. "Aber es kann eben auch sein, dass der Arzt im Kopf hat, ich möchte noch was anderes Wichtiges fragen, ich habe noch was Medizinisches, was ich unbedingt dem Patienten mitteilen möchte. Deswegen sollte man das nicht persönlich nehmen und gegebenenfalls den Arzt darauf ansprechen: Ich habe das Gefühl, wir haben gerade nicht viel Zeit. Man sollte dann gemeinsam nach Lösungen suchen, wie beispielsweise zeitnah einen Wiedervorstellungstermin anzubieten."

Auch Neonatologe Dr. Ehrhardt kämpft mit knapper Zeit. Aber er ist davon überzeugt, dass die Arzt-Patienten-Kommunikation trotzdem gelingen kann: "Für manche Patienten ist es natürlich unumgänglich, dass man das sofort bespricht. Dann versuche ich, die Aufgaben, die ich gerade erledigen muss, an Kollegen zu übergeben oder auch die Gesprächsführung an einen Kollegen zu übergeben, der ebenfalls in diesem Fall gut Bescheid weiß."

4. Schulungen

Eine gute Kommunikation kann man lernen. Deshalb entstehen an immer mehr Unis Kommunikations-Labors, in der Medizinstudenten sich auf reale Arzt-Patienten-Gespräche vorbereiten. Aber nicht nur das. Dr. Bässler erzählt, dass die Uniklinik Heidelberg jetzt auch Patienten-Schulungen entwickelt. "Das Angebot soll beinhalten, dass beispielsweise Rollentrainings stattfinden. Denn das eine ist ja immer das, was man so in der Theorie weiß. Und wenn man dann aber in der Praxis im Kontakt ist, ist man plötzlich überfordert und weiß nicht genau, wie man das Gespräch weiterführen kann. Und da kann es eben sehr hilfreich sein, wenn man das vorher schon mal geübt hat und auch Unterstützung von den Zuhörern bekommen hat, wie man da beispielsweise in der Situation seine Bedürfnisse besser zum Ausdruck bringen kann."

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Das Internetportal "Was hab ich?" macht Medizinersprache verständlich

Arztbriefe verstehen ist eine Wissenschaft für sich. Oft verstehen Patienten nicht, was der Arzt in einem Entlassungsbrief geschrieben hat. Seit 2011 können Patienten ihre Arztbriefe einscannen und an www.washabich.de senden, ein Internetportal, auf dem Ärzte und Medizinstudenten ehrenamtlich Diagnosen übersetzen.

Studenten dürfen ab dem achten Fachsemester am Portal mitarbeiten. Die Patienten müssen Termine für das virtuelle Wartezimmer machen, erst dann können sie ihre Befunde übersetzen lassen. Das dauert dann in der Regel eine Woche. Seit 2011 haben mehr als 1.600 Studenten und Ärzte im Hintergrund mehr als 32.500 Briefe in verständliches Deutsch übersetzt – das sind knapp 13 Briefe täglich.

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