Bundestagwahl Wahlplakate
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Die AfD hätte mit Abstand die meisten Sitze und Martin Sonneborns Partei wäre Oppositionsführer: So sähe es im Bundestag aus, wenn die Zahl der Facebook-Follower entscheidend wäre. Woran liegt das? Wir haben uns Aktivitäten und Strategien der Parteien angeschaut.

Besucht man auf Facebook die Seiten der Parteien in Deutschland, denkt man hin und wieder unweigerlich an ein gewisses Zitat der Bundeskanzlerin: "Das Internet ist für uns alle Neuland." Dabei ist Angela Merkel, was soziale Netzwerke angeht, die absolute Stimmenkönigin der deutschen Politik. Fast zweieinhalb Millionen Menschen folgen der Kanzlerin bei Facebook. Und damit fast 20 Mal so viele wie ihrer Partei.

CDU: #fedidwgugl - prägnant ist anders

Denn trotz dem hohen Zuspruch in Umfragen ist die CDU in den sozialen Netzwerken maximal Parteienmittelmaß: nur knapp 140.000 Follower bei Facebook. Dabei versucht die Partei alles, um auch im Netz erfolgreich zu sein. Für den Bundestagswahlkampf wurde sogar ein eigener Hashtag entwickelt: #fedidwgugl. Prägnant ist anders. Wobei CDU-Generalsekretär Peter Tauber ja meinte: "Das ist total einfach: fedidwgugl – für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne Leben wollen."

SPD: Schulz, Schulz und Schulz ...

Einen Hashtag hat die SPD nicht. Dafür hat die SPD Martin Schulz. Und das wird auf der Facebook-Seite sehr deutlich. Denn neben Bildern von Martin Schulz postet die Partei dort vor allem Bilder von Martin Schulz. Dazwischen schleichen sich immer wieder mal kleine Seitenhiebe in Richtung CDU. Der Erfolg dieser Strategie ist angesichts von 150.000 Followern jedoch fraglich.

Linke: Erfolgskurs - zumindest bei Facebook

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Besser läuft es da für die Linke. Mit 200.000 Followern hat die Partei die erfolgreichste Facebook-Seite aller aktuell im Bundestag vertretenen Parteien. Weshalb Spitzenkandidat Dietmar Bartsch, was das Soziale Netzwerk angeht, zweifelsfrei postulieren dürfte. "Regierungskurs oder Oppositionskurs? Und ich sage, da gibt es eine ganz klare Antwort: Erfolgskurs, liebe Genossinnen und Genossen. Das ist unser Weg."

Und diesen Weg geht die Partei im Netz mit vielen Zitaten und großen weißen Buchstaben auf schwarzem oder rotem Grund. Damit erinnert der Facebook Auftritt der Linken rein optisch etwas an die Zeitung mit den vier großen Buchstaben.

FDP: Wie eine Werbekampagne für Edelmode

Der Auftritt der FDP hingegen erinnert eher an eine Werbekampagne für Edelmode. Hochglanz-Fotos in Schwarz-Weiß von Christian Lindner im feinen Anzug. Dazu kurze Texte in Magenta und Gelb. Und sogar einen Hashtag haben die Liberalen noch. Bei "Denken sie neu" ist immerhin der Inhalt sofort ersichtlich.  Die Followerzahl: rund 100.000. 

Die Partei: Inhalte überwinden

Ob Inhalte auf Facebook überhaupt erfolgsentscheidend sind, ist eine andere Frage. Nicht grundlos ist die Satirepartei Die Partei mit ihrem Credo "Inhalte überwinden" ausgesprochen erfolgreich im Netz. Knapp 270.000 User folgen den Spaßmachern auf Facebook.

AfD: Erfolgsmodell Asylpolitik

Nur die AfD hat noch mehr Facebook-Fans (330.000). Deren Erfolgsmodell ist wohl ihre Haltung zu Fragen der Migrations- und Asylpolitik. Insbesondere Postings zu diesem Thema werden bei Facebook tausendfach geteilt. Ob sich dieser Reichweitenvorteil auch in Wählerstimmen ummünzen lässt, zeigt sich aber erst im September. 

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Sendung: hr-iNFO, 9.8.2017, 6:30 Uhr

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