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In Bremen findet am Mittwoch ein Prozess statt, der Signalwirkung für die gesamte Republik hat. Es geht um die Frage: Sollen Fußballclubs für Polizeieinsätze rund ums Stadion bezahlen oder zumindest mitbezahlen? Momentan tragen die Kosten für die Sicherheit bei Fußballspielen die Steuerzahler.

Ein Fußballspiel genießen, sich über den Sieg der Lieblingsmannschaft freuen oder über eine Niederlage ärgern: Die Fans erleben dies Wochenende für Wochenende in den Stadien. Die vielen Polizisten, die den Weg in die Arenen säumen, fallen dabei kaum auf, es sei denn, sie müssen eingreifen. Das passiert selten. Einzig die Krawalle bleiben lange im Gedächtnis hängen. Selbstverständlich sollen die Polizisten rund um die Spiele nicht von den Vereinen bezahlt werden, sagt der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Bereits seit Beginn der Debatte vertritt er die Meinung, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt, und der komme seiner Aufgabe, die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, auch bei Fußballspielen nach.

In einer schriftlichen Stellungnahme an den Hessischen Rundfunk betont Beuth: "Dieser Einsatz unserer Schutzleute bindet erhebliche personelle Ressourcen, weil bis in den Amateurbereich Präsenz gezeigt werden muss und zum Teil auch weit abseits der Stadien. Gerade deshalb erwarte ich von allen Fußballfans ein klares Bekenntnis für einen gewaltfreien Fußball, und dass sie ihren Teil dazu beitragen."

Nicht mit zweierlei Maß messen

Zitat
„Wenn der Fußball an Polizeieinsätzen beteiligt werden würde, dann müssten auch die vielen kleinen Sportveranstaltungen wie Radrennen, Triathlons oder Laufveranstaltungen von den entsprechenden Vereinen bezahlt werden. Und das würde die finanzielle Leistungsfähigkeit vieler Vereine übersteigen.“ Zitat von Peter Beuth, Innenminister Hessen
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Allerdings merkte Beuth auch an, dass man nicht diejenigen mit zusätzlichen Kosten bestrafe dürfe, die sich nichts zu Schulden kommen lassen. Bei der Kostenübernahme durch Vereine könne man nicht mit zweierlei Maß messen: "Wenn der Fußball an Polizeieinsätzen beteiligt werden würde, dann müssten auch die vielen kleinen Sportveranstaltungen wie Radrennen, Triathlons oder Laufveranstaltungen von den entsprechenden Vereinen bezahlt werden. Und das würde die finanzielle Leistungsfähigkeit vieler Vereine übersteigen."

Für die beiden Spiele in der Fußball-Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und dem SV Darmstadt 98 im Jahr 2016 wurden Einsatzkosten von rund zwei Millionen Euro errechnet. Kosten, die ausschließlich das Land Hessen trägt. Ist eine Beteiligung an den Kosten beispielsweise durch die DFL sinnvoll?

Kosten von rund zwei Millionen Euro

Die Fans des SV Darmstadt 98 waren sich rund um das letzte Heimspiel gegen Berlin ziemlich einig: "Ich wäre für eine Kostenteilung, weil sie beide Interesse daran haben, dass nichts passiert", sagte ein Fan. Ein anderer stellte fest: "Bei jeder Demonstration, die angemeldet wird, kommt ja auch die Polizei und manchmal werden sie dann zum Teil noch mehr verprügelt als bei den Fußballern. Und deshalb denke ich, dass der Staat für seine Beamten sorgen soll. Und er soll auch dafür sorgen, dass es friedlich abläuft und den Polizisten nichts passiert." Ein weitere Fußballfan macht den Vorschlag, eine gemeinsame Lösung zu finden und die Kosten doch zu teilen.

Eine Aufteilung der Gelder zwischen dem Fußball und dem Land – eine Idee über die man sicher diskutieren kann. Stellt sich dann nur die Frage, wer für die Sicherheit der Besucher von Rockkonzerten, Fastnachtsumzügen oder Demonstrationen bezahlt. Der Gerichtsentscheid in Bremen könnte weitreichende Konsequenzen haben.

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