Der Campusplatz der Goethe-Uni im Westend, aufgenommen aus der Skulptur Body of Knowledge heraus
Der Campus Westend der Goethe-Universität Bild © picture-alliance/dpa

Bildung braucht mehr Geld: Je mehr Studenten es gibt, desto höher ist der Bedarf. Die kommende Bundesregierung will nun stärker Hochschulen finanzieren. Denn der Druck, Drittmittel einzutreiben, wächst.

Mehr als zehn Milliarden Euro will die künftige Regierung zusätzlich in Hochschulen, Schulen und Forschungseinrichtungen investieren. Das wurde bei den Koalitionsverhandlungen entschieden. Warum? Weil der Finanzierungsbedarf in den letzten Jahren enorm gestiegen ist – die Qualität leidet. Bislang finanziert der Bund nur projektbezogen Hochschulen, künftig will er in die Grundfinanzierung der Hochschulen einsteigen. Woher haben die Hochschulen bisher ihr Geld bekommen?

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Bildungspolitik ist in Deutschland bisher Ländersache – und damit auch die Hochschulfinanzierung. Die Länder finanzieren die Hochschulen zu 70 Prozent. In Hessen stellt die Landesregierung den Hochschulen in diesem Jahr über 1,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Hinzu kommen 265 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt 2020, den das Land Hessen und der Bund je zur Hälfte finanzieren. Außerdem gehen noch Gelder aus dem Hochschulbauprogramm "Heureka" für Baumaßnahmen in die Kassen der Hochschulen.

Grundfinanzierung aus Drittmitteln

Die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Birgitta Wolff, sagt, in den letzten zehn, fünfzehn Jahren sei sehr viel mehr Geld in die Hochschulen geflossen. "Gleichzeitig sind die Studierendenzahlen aber überproportional gestiegen", sagt Wolff. "Wir haben dadurch eine Situation bekommen, dass zwar mehr Geld im System ist, die Grundfinanzierung aber ganz stark abgesunken ist im Vergleich zum Gesamtvolumen."

Heißt konkret: Das Budget pro Student ist deutlich gesunken. Und gleichzeitig seien auch die Verwaltungskosten gestiegen, so Wolff. Denn durch die zeitlich begrenzten Drittmittel, die das Land Hessen und der Bund zur Verfügung stellen, müssen sich die Universitäten für diese Mittel bewerben. Sie können keine Professoren, sondern nur Dozenten und Post-Doktoranden zeitweise einstellen. Diese Stellen müssen ausgeschrieben, besetzt und wieder neu ausgeschrieben werden. Birgitta Wolff sieht diese Entwicklung problematisch. "Bei uns steigen ganz massiv Drittmittel; das ist schon ein bisschen schräg, dass wir selbst unsere Grundgeschäfte mittlerweile aus Drittmitteln bestreiten."

Die Drittmittel spielen in der Hochschulfinanzierung eine immer wichtigere Rolle. Die Europäische Union hat ihre Zuschüsse in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Der Bund übernimmt rund 25 Prozent, die Deutsche Forschungsgemeinschaft etwa 33 Prozent. Die Wirtschaft steuert 19 Prozent bei. Laut dem Stifterverband für die Deutsche Wirtschaft fließt immer weniger Geld von Unternehmen an die Hochschulen. Die Unternehmen beauftragen demnach immer häufiger private Partner im Ausland mit Forschungsarbeiten. Was steigt, sind Spendengelder, zum Beispiel von Sponsoren. Sie spielen in der Hochschulfinanzierung aber nur eine kleine Rolle.

Private finanzieren sich aus Studiengebühren

Auch die private Frankfurt School of Finance and Management bekommt Spendengelder aus der Wirtschaft, und nimmt auch Forschungsarbeiten an. "Drittmittel helfen natürlich", sagt der künftige Präsident Nils Stieglitz. "Aber für die Finanzierung unseres laufenden Betriebes spielt die Drittmittelfinanzierung eigentlich keine Rolle."

Die Frankfurt School of Finance and Management finanziert sich allein über Studiengebühren. Ein Bachelorstudium kostet zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Damit standen ihr im letzten Jahr knapp 83 Millionen Euro zur Verfügung  - einen Überschuss von etwa 4,6 Millionen Euro musste die gemeinnützige GmbH reinvestieren. Zum Vergleich: Die zum Wintersemester 2007/2008 eingeführten Studiengebühren hatten dem Land Hessen insgesamt 92 Millionen Euro eingebracht. Das Geld war zur Verbesserung der Lehre verwendet worden und gar nicht zur Hochschulfinanzierung.

Sendung: hr-iNFO, 6.2.2018, 6.10 Uhr

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