Inklusion
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Inklusion bedeutet: die gemeinsame Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder in Kindergärten und Schulen. Während sie in Deutschland vorangeht, bleibt Hessen zurück. Ein Überblick, was die Politik, das Recht und die Pädagogik unter Inklusion verstehen.

Inklusion ist ein Menschenrecht. Das hat die UN-Behindertenkonvention bestimmt. Danach hat jeder Mensch das gleiche Recht an der Gesellschaft teilzuhaben. Behinderte Menschen genauso wie nicht behinderte Menschen. Bezogen auf die Schule heißt das: "Alle Schüler müssen die Möglichkeit haben, ihre wohnortnahe Regelschule zu besuchen und dort die für sie notwendige Unterstützung zu erhalten."

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zum Artikel GEW: "Politischer Wille zu Inklusion fehlt in Hessen"

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Die Inklusion in Deutschland insgesamt kommt voran: Jedes Jahr kommen mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an eine Regelschule als im Vorjahr. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Hessen ist Schlusslicht dabei. Demnach besuchten im zu Ende gehenden Schuljahr 2016/17 in Hessen lediglich 26,8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf in Hessen eine Regelschule. Eine Quote von 88,9 Prozent erreichte hingegen Spitzenreiter Bremen.

2013 beschließt Hessen Umsetzungsplan

Die Rechtsgrundlage für ein inklusives Schulsystem hat die UN geschaffen. Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention 2006 unterzeichnet. Die Länder hatten sich zuvor damit einverstanden erklärt. Da Bildungspolitik Ländersache ist, muss jedes Land die UN-Konvention selbst umsetzen.

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zum Artikel Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – wie steht es um die Umsetzung der Inklusion an unseren Schulen?

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In Hessen hat der Landtag im Jahr 2011 ein neues Schulgesetz erlassen. 2013 hat Hessen einen Umsetzungsplan beschlossen. Danach soll die inklusive Beschulung in der Regelschule stattfinden in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen sonderpädagogischen Beratungszentrum. Sollte eine Regelschule allerdings keinen Platz haben, kann sie den Schüler abweisen.

Eltern können Platz beim Schulamt einfordern

Eltern, die keinen Platz für ihr behindertes Kind an einer Regelschule in ihrer Nähe bekommen, können diesen Platz beim Schulamt einfordern. Kriegen sie den Platz nicht, können die Eltern dagegen klagen.

Im Jahr 2012 wurden rund fünfhundert Schüler von Regelschulen abgewiesen. Ein Grund war zum Beispiel, dass eine Grundschule keine Rollstuhlrampe hatte.

Umsetzung wird scharf kritisiert

Hessens ehemaliger Justizminister Rupert von Plottnitz (Grüne) kritisierte diese Abweisungen scharf. Er sagte, die Landesregierung hätte die Inklusion beschlossen, dann aber die Hände in den Schoß gelegt.

2013 kritisierte das Schwarzbuch der Inklusion den Umsetzungsstand. Professoren für Behindertenpädagogik,die Bildungsgewerkschaft GEW, der Landesbehindertenrat und der Elternbund klagten die hessische Landesregierung an,zu wenig für die Umsetzung der Inklusion getan zu haben.

4400 Planstellen für Förderschullehrer

Die Landesregierung hingegen rühmt sich mit dem Erfolg, die Zahl der Kinder, die eine Förderschule besuchen, von 4,31 auf 4,29 Prozent gesenkt zu haben. Knapp achttausend Kinder mit Förderschulbedarf besuchen jetzt eine Regelschule in Hessen.

Ihnen steht nicht nur die Teilnahme am Unterricht zu, sondern auch eine individuelle sonderpädagogische Betreuung. Im Schuljahr 2017/18 gibt es etwa 4400 Planstellen für Förderschullehrer. Etwa 2000 von ihnen werden an einer Förderschule unterrichten, die meisten von ihnen, rund 2200 an einer Regelschule. Sie sind allerdings nicht einer einzelnen Schule zugeordnet, sondern betreuen Kinder an verschiedenen Schulen stundenweise.

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