Acker, auf dem ein Traktor Glyphosat spritzt
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Ist Glyphosat krebserregend oder nicht? Über den Unkrautvernichter wird schon lange und kontrovers gestritten. Politiker sind uneinig, ob seine Zulassung verlängert werden soll. Auch der Agrarausschuss der EU-Kommission konnte sich wieder nicht einigen. Wir beantworten wichtige Fragen zum Thema.

Glyphosat ist ein Wirkstoff, der in vielen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist. In Deutschland werden laut Umweltbundesamt jedes Jahr rund 6.000 Tonnen Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt. Es blockiert in der Pflanze ein bestimmtes Enzym, das für das Wachstum wichtig ist; dadurch sterben die Pflanzen bis zur Wurzel ab. Deshalb bekämpft man damit sehr effektiv Unkraut: Weil sämtliches Unkraut vernichtet wird, kann ein Bauer dann Getreide säen, ohne pflügen zu müssen.

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Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält

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Außerdem können Bauern mit Glyphosat kurz vor der Ernte dafür sorgen, dass alle Halme absterben und die Körner trocken und lagerfähig sind. So kann der Bauer die Ernte seines Getreides mit Hilfe des Pflanzenschutzmittels steuern. Glyphosat ist nachweisbar in Milch, Wasser, im Urin von Menschen und in Getreide. Deshalb kann es auch in Bier gefunden werden.

Fachleute streiten über Einstufung

Ob und wie gefährlich Glyphosat ist, darüber streiten sich die Fachleute: Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Im US-Bundesstaat Kalifornien muss deshalb seit Anfang Juli auf Verpackungen von Stoffen, in denen Glyphosat enthalten ist, der Warnhinweis "krebserregend" stehen.

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam dagegen 2015 zu dem Schluss, es sei "unwahrscheinlich“, dass von Glyphosat eine Krebsgefahr ausgehe. Auch die EU-Chemikalienagentur ECHA bestätigte im März die Einstufung von Glyphosat als „nicht krebserregend“. Allerdings blieb die Agentur auch dabei, dass Glyphosat ein Stoff ist, "der schwere Augenschädigungen verursacht und für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung giftig ist".

Union für Verlängerung, SPD dagegen

Ob Glyphosat weiter auf europäische Äcker gespritzt werden darf, ist zwischen den EU-Mitgliedsländern umstritten. Frankreich zum Beispiel sagte letztes Jahr klar "Nein!" Deutschland dagegen war und ist bis heute gespalten: Kanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) waren dafür, die Zulassung zu verlängern; Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und ihre Parteifreunde im Kabinett waren dagegen.

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Die Bundesregierung enthielt sich bei Abstimmungen zu Glyphosat bisher immer. Interne E-Mails, die dem WDR und der SZ vorliegen, zeigen, wie deutsche Behörden intern über das Krebsrisiko streiten. [mehr]

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Weil sich keine Mehrheit unter den EU-Staaten fand, verlängerte der Ausschuss die Zulassung erstmal noch um anderthalb Jahre –  bis Ende 2017 aus. Über eine Verlängerung muss bis Jahresende nun die Kommission entscheiden. Das EU-Parlament hat Ende Oktober schon dagegen gestimmt. Das Votum des Parlaments ist zwar nicht bindend, gibt aber eine Richtung vor. Ob in der Kommission eine Mehrheit für die Verlängerung zustande kommt, ist nach dem Votum des Parlaments und einer Unterschriftenaktion, in der mehr als eine Million EU-Bürger für ein Ende des Herbizids unterschrieben, ungewiss.

Sendung: hr-iNFO, 9.11.2017, 6:10 Uhr

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