Hacker
Bild © hr, Colourbox.de

Diese Hackerin tut alles, um unerkannt zu bleiben. Unsere Wortwechsel laufen über Mittelsmänner. "Anna", wie wir sie in unserem Gespräch nennen, gehört zu den kriminellen Hackern. Sie verdient mit Cybercrime ihren Lebensunterhalt. Was macht so einen Menschen aus?

"Anna". Eine Hackerin. Eine, die mit "Cybercrime" ihren Lebensunterhalt bestreitet. Aber auch eine, die für uns mysteriös bleibt. Im Schatten. Im Verborgenen. Denn treffen konnten wir, die Journalisten Oliver Günther und Henning Steiner, diese "Anna" nie. Weil sie das nicht wollte.

Sie ist die geheimnisvollste Akteurin in unserem Podcast. "Anna" legt so viel Wert auf Anonymität, damit ihr die Ermittlungsbehörden nicht auf die Spur kommen können. Daher ist selbst der Name, den wir ihr für diesen Podcast gegeben haben, der Name "Anna", nicht mehr als ein Pseudonym.

Videobeitrag

Video

zum Video Behind the scenes: Wie "Anna" ihre Stimme bekam

Ende des Videobeitrags

Ihre wahre Identität, ihren echten Namen, verrät sie niemandem. Sie hält ihn ebenso geheim wie den Ort, ja, selbst das Land, in dem sie lebt und arbeitet; wie ihr genaues Alter, oder auch wie ihre echte Stimme. Wir konnten "Anna" zwar Fragen stellen, doch ihre Antworten spricht im Podcast Cybercrime ein Computerprogramm.

Mehrere Absicherungsmaßnahmen

Der Weg dahin war schwierig. Aufwändig. Langwierig. Eine Kontaktperson hat die Verbindung hergestellt zwischen uns Journalisten und der Hackerin. Ein direktes Gespräch gab es nie. Weder persönlich, noch am Telefon, nicht einmal per Chat. Stattdessen hatten wir mehrmaligen schriftlichen Austausch mit "Anna". Wir haben Fragen formuliert und über die Kontaktperson an "Anna" weiterreichen lassen. Eine Person, der "Anna" vertraut. Zurück bekamen wir schriftlich formulierte Antworten. Auf dem gleichen Weg. Wieder mit Zwischenstation. Also wieder über die Kontaktperson.

Weitere Informationen

Die Story hinter dem Podcast

Ende der weiteren Informationen

Für Journalisten wie uns ist es wichtig, dass wir unsere Quellen überprüfen können, dass wir wissen, wer hinter einer Information steckt. Und welches Ziel diese Person möglicherweise verfolgt. Im Fall von "Anna" war das nicht möglich. Eine Person, die man nicht kennt, kann man nicht überprüfen.

Das Risiko

Und so bleibt für uns ein Risiko: Hat "Anna" unsere Fragen tatsächlich selbst beantwortet? Und wenn ja: Sagt sie uns die Wahrheit? Ist "Anna" tatsächlich eine Frau? Und verdient sie ihren Lebensunterhalt tatsächlich genauso, wie sie uns sagt? Indem sie Schwachstellen in Standardsoftware wie Browsern findet, die anderen Hackern dann ermöglichen, in fremde Systeme einzudringen?

Wir haben "Anna" daher auch eine für uns ganz entscheidende Frage gestellt: "Gibt es für uns irgendeine Möglichkeit nachzuvollziehen, ob Sie wirklich das sind, was Sie sagen?" Annas Antwort: offen, aber aus Sicht von uns Journalisten auch ernüchternd: "Nein! Jeder potentielle 'digitale Beweis' kann von mir gefälscht werden. Dementsprechend könnten alle Interviewantworten von mir frei erfunden sein."

"Können wir 'Anna' tatsächlich guten Gewissens erzählen?" "Glauben wir ihr das, was sie sagt?" "Sind wir uns ihrer ausreichend sicher? Oder ist das Risiko, einer Fälschung, einem Hirngespinst aufzusitzen, zu groß?" Diese Fragen haben wir uns immer wieder gestellt. Und es gab während der Vorbereitung und Umsetzung unseres Podcasts immer wieder Situationen, in denen unsere Zweifel sehr, sehr  groß waren. In denen es auf der Kippe stand, ob wir "Anna" tatsächlich zu einem zentraler Bestandteil unseres Podcasts machen – machen können.

Am Ende haben wir uns entschieden, unser ungewöhnliches Interview mit der dunklen Hackerin doch zu veröffentlichen. Trotz all unserer Zweifel. Denn Einblicke wie diese, Einblicke in der Welt der Täter sind rar. Etwas Besonderes. Und aus journalistischer Sicht hoch interessant.

Die größtmögliche Transparenz

Zwei Aspekte waren uns bei dieser Entscheidung wichtig:

Erstens: Wir können zwar nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob es genau diese "Anna" wirklich gibt. Sie wissen aber aus unserer monatelangen Recherche: Auf jeden Fall gibt es Personen wie "Anna". Das, was sie uns im Interview schildert, ist ein Blick in eine Welt, die tatsächlich existiert. Die Realität ist. Und zu der Menschen wie "Anna" gehören, für die Cybercime einfach ein Job ist, ein Job wie jeder andere.

Zweitens: Offenheit. Transparenz. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, unsere Zweifel hinsichtlich "Anna" auch im Podcast selbst zu thematisieren. Deutlich zu machen, unter welchen Bedingungen das Interview mit "Anna" zustande gekommen ist. Und was das für eine Einordnung, Einschätzung ihrer Antworten bedeutet.

Fest steht: Die von "Anna" erzählte Geschichte, ist eine Geschichte, die der Wirklichkeit von Tätern im Bereich Cybercrime entspricht. Ob es aber wirklich auch "Annas" Geschichte ist, das weiß nur "Anna" selbst. In "Annas" eigenen Worten klingt das dann so: "Mit diesem Risiko müssen Sie bei diesem Interview leben – genauso wie Sie auch mit dem Risiko von hochkritischen unentdeckten Schwachstellen in der Software in Ihrem Laptop und Smartphone leben."

Weitere Informationen

Dossier Cybercrime

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm