Avi Kravitz
Avi Kravitz Bild © Martin Lifka

Über Monate hat Avi Kravitz hautnah miterlebt, wie ein großer deutscher Konzern von Hackern angegriffen wird. Ein außergewöhnlicher Fall, der auch sein Leben verändert hat. In unserem "Cybercrime"-Podcast erzählt er davon.

Die sieben Wörter fallen nicht sofort auf, wenn man auf die Facebook Seite von Avi Kravitz geht. Der Satz steht etwas unscheinbar unter dem Begriff "Steckbrief": "great things never came from comfort zones", "große Dinge entstehen nicht in Komfortzonen." Als ich diese Aussage zum ersten Mal gesehen habe, musste ich schmunzeln. Ich kannte Avi Kravitz schon mehrere Monate. Und meine prompte Reaktion war. "Ja, das passt!"

Auch in einem der vielen Interviews für unseren "Cybercrime"-Podcast kam Avi Kravitz irgendwann auf das Thema "Komfortzone": "Menschen verbringen gerne Zeit in ihrer Komfortzone, dort ist es bequem. Aber ich denke, richtiges Wachstum findet außerhalb der Komfortzone statt, immer wenn man sich zwingt, neue Dinge zu machen. Das ist für mich auch ein Ziel: dass ich versuche meine Komfortzone so oft wie möglich zu verlassen."

Wer länger mit Avi Kravitz zu tun hat, spürt: das Thema "Komfortzone" treibt den Mann um. Und das hat ganz viel mit dem Fall zu tun, um den es in unserem Podcast geht, die Hackerattacke auf das DAX-Unternehmen. Ein Fall, zu dem Avi Karvitz selbst eigentlich nur zufällig kam - weil ein alter Bekannter in via Facebook-Nachricht um Hilfe gebeten hatte, im November 2011.

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Die Story hinter dem Podcast

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Erste Versuche in Sachen "Komfortzone", erste Experimente mit dem Drang, sich ständig weiter zu entwickeln, Neues auszuprobieren, hatte Avi Kravitz allerdings schon deutlich früher unternommen. Zum Beispiel in Sachen "Hacking". Kravitz war gerade mal zehn oder elf Jahre alt, als er mit dem "Hacken" anfing. Und man kann wohl davon ausgehen, dass nicht immer alles so ganz legal war, was der Teenager Avi Kravitz so ausprobiert hat. Es folgte ein IT-Studium, anschließend im Jahr 2009 der berufliche Einstieg bei der österreichischen Firma SEC Consult in Wien, Spezialgebiet Cyber-Sicherheit.

SEC Consult wirbt für sich mit dem Slogan, dass das Unternehmen unter anderem eines der "größten White-Hat-Hacker Teams in Europa" habe. "White-Hat-Hacker" – so werden in der Szene die "guten" Hacker bezeichnet. Hacker, die nur in Systeme eindringen, wenn sie dazu die Erlaubnis des Betreibers haben. Weil der zum Beispiel wissen will, wie gut sein Netzwerk gegen echte Angriffe abgesichert ist.

Spaß als Notfallhelfer

Avi Kravitz war zunächst ein solcher "White-Hat". Und nicht nur das: er war auch gerade dabei, es sich ein bisschen gemütlich zu machen in seiner "Komfortzone", als an einem Freitagnachmittag sein Telefon im Wiener SEC-Büro klingelte. Am anderen Ende der Leitung - ein Kunde aus Rumänien, mit einem massiven Sicherheitsproblem in seiner IT. Und weil Avi Kravitz als einziger noch im Büro war, entschied er von einer Sekunde auf die andere: "Okay, das schaue ich mir an, ich fliege zum Kunden." Es war Avi Kravitz‘ erster Einsatz als "Incident-Responce"-Manager, als IT-Notfallhelfer. Und nach zwei Monaten in Rumänien war für ihn die Sache klar: "Das macht Spaß! Das will ich machen."

Was ihn an dem Job gereizt habe? Die Herausforderung, das Duell gegen einen Gegner, eben die Angreifer. Die Frage: "Wer ist besser?" Dazu kommt ein Hauch von Abenteuer. Wenn Avi Kravitz über Hackerangriffe spricht fallen nicht umsonst immer wieder Begriffe wie "Armee", "Krieg", "Zombies". Entsprechend war er im November 2011 auch sofort im "Jagdfieber", wie er es selbst sagt, als der Hilferuf des DAX-Unternehmens kam. Jener Hilferuf, mit dem auch in unserem Podcast alles beginnt.

Fast gescheitert am Stress

Am Ende wurde aus dem Hilferuf ein Einsatz, der nicht nur der bislang größte und wichtigste für Avi Kravitz gewesen ist. Der Fall hat Avi Kravitz auch an seine eigenen Grenzen gebracht und schließlich sein Leben verändert. Stichwort "Komfortzone"  – aus der wurde Avi Kravitz  nämlich innerhalb weniger Tage rausgeworfen, besser gesagt: herauskatapultiert.

Heute räumt Avi Kravitz ein: er wäre fast gescheitert. Der Stress, der psychische Druck, dazu eine extrem angespannte Umgebung. Darauf sei er nicht vorbereitet gewesen. Und schon gar nicht vorbereitet war er darauf,  von einem Moment auf den anderen Führung zu übernehmen – nicht nur "eingekaufter" Techniker zu sein, sondern Leiter des Einsatz, General in einer wochen-, monatelangen Abwehrschlacht gegen hochprofessionell organisierte und ausgestattete Hacker.

Wie ein Banküberfall

Im Rückblick sagt Avi Kravitz: "Ich habe immens, immens viel gelernt bei diesem Einsatz." Zum Beispiel, wie wichtig das Zwischenmenschliche in solchen Krisensituationen ist. Und welch außergewöhnliche psychische Belastung solche Attacken für die Betroffenen bedeuten: "Das ist wie ein Banküberfall, bei dem man die Bankräuber nicht sieht." Auch im Fall des DAX-Unternehmens seien sowohl die Chefs, wie auch die wenigen informierten Mitarbeiter extrem nervös und angespannt gewesen, niemand habe Fehler zugeben wollen.

Avi Kravitz hat daraus bald nach dem Einsatz Konsequenzen gezogen und eine Zusatzausbildung im Bereich Coaching und Kommunikation absolviert. "Das Krisenmanagement ist in solchen Fällen fast wichtiger als die technische Einsatzleitung", so eine seiner Lehren.  Aber auch auf seinem eigentlichen Fachgebiet, der IT-Sicherheit, hat ihn die mehrmonatige Abwehr auf eine neue Idee gebracht; nämlich eine digitale Falle für Hacker. Inzwischen ist aus der Idee eine eigene Firma geworden und der IT-Nothelfer Avi Kravitz sammelt jetzt auch erste Erfahrungen als Geschäftsmann. Über allem steht aber diese grundsätzliche Erkenntnis: "Raus aus der Komfortzone."

Für Avi Kravitz inzwischen fast eine Art Lebensmotto: "Auch, wenn das manchmal extrem fordernd ist, manchmal auch sehr schmerzhaft. Das Ergebnis ist unter dem Strich immer sehr positiv, hat immer mit Wachstum zu tun, mit neuen Erkenntnissen, mit Menschen, die man kennenlernt, Freude, Spaß. Oder wie  Avi Kravitz es in dem Sieben-Wort-Satz auf seiner facebook Seite ausdrückt: "Great things never came from comfort zones."

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