BKA-Ermittler Jens Walser
Der Ermittler Jens Walser bleibt auch Sicherheitsgründen unerkannt. Bild © hr

Ein BKA-Ermittler will einen Kinderporno-Ring zerschlagen. Doch wie klärt er eine Straftat auf, wenn er so gut wie nichts hat: Weder Tatort, noch einen Verdächtigen, noch Namen eines Opfers?

Das ist genau die Situation, in der der BKA-Cybercrime-Ermittler Jens Walser im Herbst 2014 steckt. Er hat Fotos von einem Kind auf seinem Monitor – einem Missbrauchsopfer. Mehr nicht. Dieses Kind muss er finden. Und den Täter natürlich auch. Für Walser beginnt eine schwierige, zeitraubende und teils scheinbar aussichtlose Ermittlung. Eine zähe Puzzle-Arbeit, die sich über Monate hinziehen wird – in einem Kriminalfall, der selbst für erfahrene Ermittler, wie die des BKA, alles andere als alltäglich ist.

Für den Podcast "Cybercrime" haben mir Jens Walser und der zuständige Oberstaatsanwalt in stundenlangen Gesprächen Einblick in diese spannende Puzzle-Arbeit gegeben. Im Zentrum der Erzählung: Die Jagd nach dem Täter.

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Wie gelingt es ihm, nur mit Hilfe der Fotos zunächst den Tatort und dann sogar das Opfer zu identifizieren? Wieso führt ihn die Spur von Berlin aus nach Vorarlberg in Österreich, dann die Schweiz und schließlich nach Hessen, in die Wetterau? Welche Rückschläge erleben Walser und May bei ihren Versuchen, den Täter zu finden und zu überführen? Und warum ist es bei der Aufklärung so wichtig, möglichst so zu denken, wie der Täter?

JENS WALSER

Jens Walser, Anfang 30, ist Cybercrime-Ermittler des BKA. Jens Walser ist nicht sein richtiger Name. Cybercrime-Ermittler sind schon selbst Zielscheibe von Kriminellen geworden. Deshalb will er seine wahre Identität schützen. Walser arbeitet seit über zehn Jahren als Ermittler. Er ist einer von über 100 Beamten des BKA, die sich täglich vom Standort Wiesbaden aus auf die Jagd nach Kriminellen im Internet machen.

Cybercrime – da denken Viele zunächst an Viren, Würmer und Trojaner, an geklaute Zugangsdaten oder gehackte Webseiten. Auch mir sind vor der Recherche für diesen Podcast nicht direkt Kinderpornographie und Kindesmissbrauch eingefallen.

Das Internet ist dafür der Umschlagsplatz schlechthin

Und doch werden auch diese Straftaten von den speziell geschulten Cybercrime-Ermittlern des BKA verfolgt. Denn das Internet ist der Kommunikations- und Umschlagplatz für Pädophile und Missbraucher. Hier tauschen sie Fotos und Videos aus. Hier kommunizieren sie mit Gleichgesinnten. Deshalb hat das BKA Mitte 2016 den Ermittlungsbereich Kinderpornographie in den Bereich Cybercrime integriert.

Jens Walser gehört zu den Ermittlern, die sich freiwillig gemeldet haben, auch solche Fälle zu bearbeiten. Denn weil der Umgang mit Beweismaterial in diesem Bereich sehr belastend sein kann, setzt das BKA bei der Aufklärung solcher Fälle nur Freiwillige ein.

ANDREAS MAY

Oberstaatsanwalt Andreas May, Anfang 50, ist Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, kurz ZIT. Die ZIT ist eine Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Sitz ist Gießen. Dort arbeitet ein Team von Staatsanwälten, das sich nur um besonders schwere oder aufwändige Verfahren aus dem Bereich Cybercrime kümmert.

Für kleinere Fälle, wie einen einfachen Betrug auf ebay oder ähnliches, hat Mays fünfköpfiges Team keine Kapazitäten. Diese Fälle übernehmen zum Beispiel die landgerichtlichen Staatsanwaltschaften. Die Fälle der ZIT haben alle – wie May es ausdrückt – einen "besonderen Schwierigkeitsgrad". 

Der reale Fall, den wir im Podcast "Cybercrime" schildern, ist ein gutes Beispiel dafür. Denn die Verfolgung von Kinderpornographie und Kindesmissbrauch fordert die ZIT ungemein. 80 bis 90 Prozent der Verfahren der Zentralstelle kommen aus diesem Bereich, sagt May. Allein das sind etwa 1.000 Verfahren pro Jahr. Tendenz steigend.

Oft sind es so genannte Massenverfahren mit teils hunderten Verdächtigen. Denn die hohe Vernetzung der Täter, der Tausch verbotener kinderpornographischer Fotos und Videos über das Internet bringt es mit sich, dass meist bei einem überführten Täter Verbindungen zu vielen weiteren gefunden werden.

Mays Abteilung ist so etwas wie die Haus-Staatsanwaltschaft des BKA

Bei Internet-Verfahren sind zu Beginn der Ermittlungen Täter und Tatort oft unklar. Und damit auch die Frage, welche Staatsanwaltschaft zuständig ist. Die ZIT springt in solchen Fällen zunächst ein – bis weitere Informationen vorliegen. Wenn möglich wird der Fall dann später an eine örtliche Staatsanwaltschaft abgegeben.

Wer im Internet ermittelt, hat es oft mit Tätern zu tun, die sehr geschickt darin sind, ihre Identität zu verschleiern. Die anonym unterwegs sind, sich hinter Pseudonymen verbergen und nur verschlüsselt kommunizieren.

Nicht immer endet eine solche Jagd nach einem Täter mit einem Erfolg. Und so kommt es vor, dass Ermittler wie Jens Walser und Oberstaatsanwälte wie Andreas May nach monatelanger, teils jahrelanger Arbeit einen Fall schließen müssen, weil alle Spuren ins Nichts geführt haben. Auch damit müssen sie umgehen. Andreas May drückt es so aus: „Da muss man auch mal verlieren können.“

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