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Lutz Hartmann (Mitte) auf seiner Farm in Äthiopien Bild © privat

Um Migration aus Afrika einzudämmen, setzt die Bundesregierung auch auf die Privatwirtschaft. Deutsche Unternehmen sollen verstärkt in Afrika investieren, um Jobs zu schaffen und jungen Afrikanern so eine Perspektive zu bieten. Ein erfolgversprechender Ansatz?

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Lutz Hartmann hat eine Farm in Afrika gepachtet, genauer: in Äthiopien. Darauf will er Zwiebeln, Tomaten und Papaya anpflanzen. Das Land habe eine gute Voraussetzung vom "Investment Case" her, meint Hartmann: Äthiopien sei mit 85 Millionen Menschen ein riesiges Land und ein Drittel des Landes sei vollkommen unfruchtbar. "Das heißt, die anderen zwei Drittel müssen das andere Drittel mit ernähren". Lukrative Aussichten also.

Vor einem Jahr hat der Jurist das Grundstück gepachtet und 1,5 Millionen Euro in fruchtbare Erde und Wasser investiert. 400 Kilometer von Addis Abeba, der Hauptstadt entfernt, wo er seine Ernte für den einheimischen Markt verkauft, kein Exportgeschäft.

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Hartmann will Geld verdienen. Aber Jobs hat er auch schon geschaffen.  Genauso will es die Bundesregierung. Wirtschaftliche Interessen und politische Ziele gehen Hand in Hand. Das Problem aktuell ist nur, dass Hartmann mit seiner Farm eine Ausnahme darstellt.

Unternehmern fehlt die Perspektive

Deutsche Unternehmen trauen sich nicht, in Afrika zu investieren – leider, sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika Vereins der deutschen Wirtschaft. Deutsche Unternehmen würden nicht aus dem Motiv der Fluchtursachenbekämpfung nach Afrika exportieren oder dorthin investieren. "Sie werden es nur tun, wenn sie dort eine Perspektive haben“, so Kannegießer.

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Perspektive - das heißt Geld verdienen. Doch der afrikanische Markt gilt bei vielen deutschen Unternehmen als unsicher. Gründe dafür: Korruption, schwache Infrastruktur oder fehlende Facharbeiter. Rund 400.000 deutsche Unternehmen sind im Ausland tätig, davon nur 1.000 in Afrika.

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Kannengießer wünscht sich, dass mehr Entwicklungsgelder an die Unternehmer fließen. Und er nennt erstmals eine Summe. 500 Millionen - vom gesamten Enwicklungshaushalt mit etwa acht Milliarden Euro. Er würde es begrüßen, wenn man sagen würde: "Das ist dieses Stück Subvention, was wir uns jetzt leisten, um ein bestimmtes politisches Ziel zu erreichen.“ Das Ziel ist klar: Jobs schaffen für junge Afrikaner, damit die nicht nach Europa kommen. Und Märkte sichern für deutsche Unternehmen.

"Subventionen sind der falsche Ansatz"

Das sei jedoch der falsche Ansatz, sagt Axel Dreher. Er ist Professor für Internationale Wirtschafts- und Entwicklungspolitik an der Uni Heidelberg und zählt weltweit zu den Top-Ökonomen. Er sagt, die Kooperation von Staat und Wirtschaft sei nicht das, was Afrika voranbringe - schon gar nicht die Subvention deutscher Unternehmen.

So würde man nämlich "schlechte wirtschaftliche Umfelder subventionieren mit Steuergeldern aus Deutschland." Das verzerre den Wettbewerb: "Ich subventioniere Unternehmen, die dann konkurrieren mit anderen, besonders auch mit lokalen Unternehmen, die keinen Zugang haben zu diesen Subventionen und die dadurch einen Nachteil erleiden", so Dreher. Sprich: Subventionen für deutsche Unternehmen schwächen am Ende die einheimische Konkurrenz in Afrika. Im schlimmsten Fall werden deutsche Gelder zum Jobkiller.

Mein Fazit:

Subventionen sind immer gefährlich, weil sie den Wettbewerb verzerren - auch in Afrika. Der Bundesregierung geht es um zwei Ziele: mehr Jobs in Afrika, damit weniger Flüchtlinge zu uns kommen, und Sicherung eines Zukunftsmarktes für deutsche Unternehmen. Das aber ist  keine Entwicklungshilfe, sondern Wirtschaftsförderung.

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